25.08.2020 · smart steuern ·

Kippt bald die Rentenbesteuerung?

Ich kenne kaum jemanden, der die Besteuerung von Renten gut findet. Und wenn wir bei smartsteuer Rentenbesteuerung zum Thema machen, sind die Kommentare sehr eindeutig. Die entscheidende Frage dabei: Ist die Besteuerung von Renten eine Doppelbesteuerung? Denn das wäre eindeutig verfassungswidrig. Vielleicht bekommen wir dafür bald höchstrichterlich eine Antwort auf die Frage. Denn der Bundesfinanzhof (BFH) „beabsichtigt“, noch in diesem Jahr eine Entscheidung zu treffen. 

Worum geht es genau?

Nun, jedes Jahr müssen immer mehr Rentner Steuern zahlen. Das liegt daran, dass seit 2005 das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung greift. Kurz gesagt bedeutet das: die Altersvorsorge ist steuerfrei – die Rente selbst steuerpflichtig.
Das passierte 2005 nicht auf einen Schlag, sondern läuft Schritt für Schritt: Wer 2005 in Rente ging, musste noch 50 Prozent seiner Rente versteuern. Dieser Wert wuchs und wächst jedes Jahr, aktuell sind wir bei 80 Prozent. Wer 2040 oder später in Rente geht, zahlt für seine gesamte Rente Steuern. Auf der anderen Seite gibt es regelmäßig steigende steuerliche Freibeträge bei der Altersvorsorge. Ausführlicher finden Sie das in diesem Blogbeitrag.

Mit dieser Lösung schien die Politik auf der sicheren Seite. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht. Denn das Tempo von steigender Besteuerung der Rente und sinkender Besteuerung der Rentenbeiträge (Altersvorsorge) ist nicht immer gleich. Und so kann es prinzipiell passieren, dass Renten besteuert werden, obwohl auch schon teilweise die Rentenbeiträge versteuert wurden. Das wäre dann eine Doppelbesteuerung – und die hat das Bundesverfassungsgericht schon 2002 für verfassungswidrig erklärt.

Und warum ist nicht einfach alles so geblieben wie vor 2005? Nun, das hängt genau mit dem Bundesverfassungsgericht zusammen. Denn das hatte bemängelt, dass Beamte ihre Pension komplett versteuern mussten. 

Wie stehen die Chancen?

Vorab: Es ist eher unwahrscheinlich, dass das komplette System der Rentenbesteuerung gekippt wird. Fast alle Experten gehen lediglich von einer eher geringen Zahl von Betroffenen aus. Heißt andersrum: Bei den meisten funktioniert das beschriebene System „Altersvorsorge steuerfrei – Rente steuerpflichtig“ ohne Doppelbesteuerung.

Nichtsdestotrotz dürfen alle Rentner und vor allem alle zukünftigen Rentner gespannt auf das Urteil schauen. Denn es ist recht klar, dass die zukünftigen Rentner stärker von  Doppelbesteuerung betroffen sein werden. 

Und hier kommt unser Hoffnungsträger: Dr. Egmont Kulosa. Nie gehört den Namen, sagen Sie? Ich vorher auch nicht. Er gilt aber als anerkannter Experte für die Besteuerung der Alterseinkünfte und -vorsorge. Und – Trommelwirbel – er ist einer der Richter am BFH, die mit der Doppelbesteuerung befasst sind. Und warum nun ein Hoffnungsträger? Richter Kulosa ließ in einem Fachkommentar erkennen, dass für ihn die aktuelle Rentenbesteuerung zumindest teilweise verfassungswidrig sei.
Und das ist doch schon mal was…

Mehr zum Thema erfahren Sie auch im folgenden Video:

Was bedeutet das konkret für mich?
Egal ob schon Rentner – oder später mal einer: Das noch in diesem Jahr zu erwartende BFH-Urteil zur Rentenbesteuerung wird uns alle betreffen. Wir bleiben da auf jeden Fall für Sie dran.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Volker Mueller sagt:

    Wir alle zahlen Steuern auf unsere Einkünfte auf unsere Arbeit , als Rentner noch mal Steuern zu bezahlen ist Doppeltbesteuerung ! Unsere scheiß Politiker sollten sich dafür schämen die Rentner noch mal ab zu zocken !

  • Avatar Karl-Heinz Ripperger sagt:

    Sie hätten ihre Chance gehabt. Statt der Mehrwertsteuersenkung (Beruhigungspille) , die gar nichts gebracht hat, außer natürlich für Leute, die sowieso Geld übrig hatten, hätte man bei Geringverdienern und Rentnern die Steuerbelastung bei Verdiensten unter 2.000,00€ deckeln können. Diese Maßnahme hätte pro Jahr ca. 500 – 700€ gebracht. Das Positivste: Das Geld wäre zu 90% in der Region geblieben.

  • Avatar Peter Enders sagt:

    Ich als Arbeitnehmer zahle Steuern vom Einkommen. Ganz unabhängig von ihnen zahle ich Rentenbeiträge. Wenn diese später auch versteuert werden, ist die effektive oder Gesamtsteuer auf mein Einkommen höher. Was soll diese blöde Frage?

  • Avatar Dietmar D. sagt:

    Hallo, ch finde es eine Schweinerei das die Renten besteuert werden. Man hat doch schon das ganze Leben Steuern bezahlt und nun auch noch im alter für das geld, das man eingezahlt hat und nun ausgezahlt bekommt, auch noch steuern zu zaheln. Deutsche schämt euch

  • Avatar W. Reppeuk sagt:

    Die Aussage im Artikel
    „Und warum ist nicht einfach alles so geblieben wie vor 2005? Nun, das hängt genau mit dem Bundesverfassungsgericht zusammen. Denn das hatte bemängelt, dass Beamte ihre Pension komplett versteuern mussten“.
    bedarf unbedingt folgender Ergänzung:
    Das Bundesverfassungsgericht hat lediglich gefordert, die Ungleichheit zwischen der Besteuerung der Renten und der Pensionen zu beseitigen. Die bisherige Besteuerung der Renten hätte unverändert so bleiben können, dann hätte eine Verbesserung in der Besteuerung der Pensionen erfolgen müssen, was zu weniger Steuereinnahmen für den Fiskus geführt hätte. Das Bundesverfassungsgericht hat die Entscheidung hierüber dem Gesetzgeber überlassen. Und oh Wunder, der Gesetzgeber hat sich mit der nachgelagerten Rentenbesteuerung für die höheren Einnahmen für den Fiskus und die Mehrbelastung von Millionen von Rentnern entschieden.
    Die Behauptung vieler Politiker, dass das Bundesverfassungsgericht die Erhöhung der Renten gefordert hätte und sie nicht anders hätten handeln können, ist schlicht die Unwahrheit.

  • Avatar Gerhard Kazmierowski sagt:

    Es gibt ja viele Rentner die sich freuen würden ,wenn die Doppelbesteuerung gekippt wird und dann endlich auch mehr auf dem Konto hätten.Der
    Kleine zahlt in Deutschland meistens die Zeche.
    Die Nachgelagerte Besteuerung hilft doch nur wer Geld hat,denn wer von uns kleinen Rentnern oder Arbeitnehmern kann denn ca. 1000 € im Monat darin einzahlen. Erst muss man als Arbeitnehmer Steuern zahlen und dann immer mehr auch als Rentner. Danke für ihre Info.


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