11.05.2021 · smart leben ·

Die neue Genügsamkeit: Deutsche geben weniger Geld aus – mit Folgen

Geschäfte, Restaurants, Kneipen, Kinos, Hotels und vieles mehr sind nun seit vielen Monaten mehr oder weniger zu. Das hat natürlich große Auswirkungen auf die, die dort arbeiten. Aber indirekt auch auf die, die nicht dorthin gehen und Geld ausgeben konnten und können. Die Folge: Die Menschen geben insgesamt weniger Geld aus. Die Gefahr für die Wirtschaft: Die Leute könnten sich daran gewöhnen und das auch nach Corona so halten. Wir wollen uns das mal genauer anschauen und sagen am Ende auch, warum es keine gute Idee ist, das nicht ausgegebene Geld einfach „klassisch“ sparen zu wollen.

Um es gleich am Anfang klarzustellen: Wir wissen, dass es viele Leute gibt, die in der Corona-Krise jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Weil wegen Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder fehlender Aufträge bei Selbstständigen einfach viel zu wenig Geld aufs Konto kommt. Und wir wollen dieses Problem überhaupt nicht kleinreden.
Aber: Für die meisten hat sich die finanzielle Situation tatsächlich nicht verschlechtert. Und genau für die stellt sich ganz salopp die Frage: Wohin mit dem Geld?

Um welche Summen geht es?

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat berechnet: 2020 wurden pro Kopf mindestens 1.250 € weniger für Freizeitaktivitäten ausgegeben als im Jahr zuvor. Macht für ganz Deutschland stolze 104 Milliarden €. Davon entfallen laut IW 78 Milliarden € auf den Dienstleistungsbereich, das meint vor allem Restaurants, Kneipen sowie Hotels und ähnliches. Und dieser Konsumausfall setzt sich 2021 nahtlos fort. Hier rechnen die Forscher allein für das erste Quartal mit 40 bis 60 Milliarden € weniger.

Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass die privaten Haushalte im Jahr 2020 5,4 % weniger ausgegeben haben als 2019. Dafür stieg die Sparquote um den gleichen Prozentsatz an. Aber dazu kommen wir später noch. 

Wird alles nachgeholt, oder etwa nicht?

Nun scheint ja mittlerweile ein Ende der Pandemie in Sicht. Das Impfen geht voran und es wird zunehmend Öffnungen geben – also jede Menge Chancen, um wieder richtig Geld auszugeben. Doch ganz so einfach wird es nicht. Zwar werden viele einiges nachholen, das Geld dafür haben sie ja. Aber: Nicht unerheblich dürfte die Gruppe sein, die die Einschränkungen in ihrem Konsumverhalten einfach weiterführen. Weil sie vereinfacht gesagt erkannt haben, dass es nicht die siebte Jacke, das achte paar Schuhe und vieles andere braucht. Man kann auch ohne „Konsumrausch“ glücklich sein – und wird bewusster einkaufen. Was schlussendlich bedeutet: weniger kaufen.     

Ilaria Maselli, eine der Autorinnen der Studie fasst es so zusammen: „Genügsamkeit könnte ein langanhaltender Effekt der Pandemie sein.“ Doch diese Genügsamkeit ist eigentlich Gift für die Konjunktur. Denn es bedeutet am Ende weniger Umsatz für die mit „Liebesentzug“ gestraften Verkäufer. 

Was passiert mit dem nicht ausgegebenen Geld?

Nun, wir hatten es weiter oben schon erwähnt: Die Sparquote ist 2020 um 5,4 % gestiegen. Das Geldvermögen der privaten Haushalte betrug am Ende des Jahres 2020 fast 7 Billionen €. Hat die Bundesbank berechnet. Das ist jetzt nicht nur Bargeld, sondern auch anderes wie Aktien, Bankeinlagen und Ansprüche aus Versicherungen. Ein gewichtiger Teil des Anstiegs dieses Geldvermögens kommt aus Bargeld und Einlagen: 74 Milliarden €. Also mehr oder weniger klassisches Sparen. 

Sparen wird teurer

Doch wohl fast alle wissen, dass Sparen heutzutage eigentlich nichts bringt. Zinsgewinne sind eher die Ausnahme – und liegen dann auch nur im Promille-Bereich. Noch schlimmer: Immer mehr Banken und Sparkassen gehen dazu über, Strafzinsen zu erheben. Das heißt natürlich offiziell nicht so, doch nichts anderes ist das Verwahrentgelt, meist in Höhe von 0,5 %. Mehr als 300 Geldhäuser erheben diese Negativzinsen – und das sind nur die, die es auch in ihrem Preisverzeichnis im Internet veröffentlichen. Knapp 20 Banken erheben mittlerweile Gebühren für das eigentlich kostenlose Tagesgeldkonto. Mehr zu diesen Zahlen und eine Liste der betroffenen Banken finden Sie übrigens auf den Seiten des Vergleichsportals Verivox

Überprüfen Sie deshalb unbedingt, wie es bei Ihrer Bank aussieht. Und überlegen Sie vor allem, was Sie besseres tun können, als Ihr Geld einfach nur abzulegen. Ideen hätte ich da einige: Prüfen Sie zum Beispiel Ihre Altersvorsorge – und investieren Sie. Etwa in risikoarme ETF. Dazu empfehlen wir zum Abschluss noch diesen Blogartikel.  

Was bedeutet das konkret für mich?
Wenn Sie bisher finanziell gut bis sehr gut durch die Corona-Pandemie gekommen sein sollten, lassen Sie das dank weniger Konsummöglichkeiten eingesparte Geld nicht einfach rumliegen. Bei den Banken wird es heutzutage dank Inflation jedes Jahr weniger, immer mehr Geldhäuser erheben zudem Negativzinsen. Investieren Sie das Geld lieber für Ihre Zukunft.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Bienenstich sagt:

    Das ist mir zu einfach gedacht. Die ermittelten Gesamtzahlen sagen nichts darüber aus, wer denn während Corona weniger einkaufen kann. Als Rentner mit knapp unter dem durchschnittlichen Renteneinkommen muss ich während Corona jeden Monat rechnen, wie ich Fixkosten und Lebenshaltungskosten decken kann und ob mein Jahreseinkommen netto durch welche Optimierungen ausgabenseitig ausreichend gestaltet werden kann. Dazu nutze ich smartsteuer, um wenigstens keine Steuer zahlen zu müssen. Und wer das alles nicht nötig hatte und jetzt nicht nötig hat, der kann gerne sein Konsumverhalten überdenken oder seinen Geldüberschuss sinnvoll investieren! 73 Milliarden von 7 Billionen können m. E. so große negative Folgen für unsere Gesellschaft nicht bewirken.


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