11.02.2022 · smart steuern ·
Lesezeit: 3 Min.

Superreich – und plötzlich auch super spendabel?

Es klingt im ersten Moment irgendwie komisch. Aber Fakt ist: Immer mehr richtig, richtig reiche Menschen fordern von der Politik: Besteuert uns endlich mal richtig. Wer und was dahintersteckt, was es für Ideen gibt und warum die Superreichen wohl weiterhin nicht „richtig“ besteuert werden, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.  

Edel sei der Mensch, hilfreich und gut 

Das war ein echter Goethe. Aber mal Hand aufs Herz: Wer hat nicht wenigstens einmal davon geträumt, so richtig reich zu sein. Und vielleicht dabei auch schon die ersten Millionen gedanklich verplant. Was in diesen Träumen dann doch eher selten oder vermutlich gar nicht vorkommen dürfte, ist so etwas wie „Dann kann ich auch mal richtig viele Steuern zahlen und so meinen angemessenen Beitrag für das Gemeinwohl leisten.“ 

Nun, da sind einige wirklich Reiche schon ein bisschen weiter: Die Gruppen Patriotic Millionaires, Millionaires for Humanity und Tax Me Now fordern von den Regierungen eine Vermögensteuer für die Reichsten. Mittlerweile sind mehr als 100 Superreiche in den Gruppen dabei, darunter die US-amerikanische Filmproduzentin und Erbin Abigail Disney, der dänisch-iranische Unternehmer Djaffar Shalchi, der amerikanische Unternehmer und Risikokapitalgeber Nick Hanauer sowie die österreichische BASF-Erbin Marlene Engelhorn. Aus Deutschland stehen aktuell acht Millionäre auf der Liste, wie Ralph Suikat, Gründer des Softwareunternehmen STP.
Dass genug Geld da wäre – und auch besser verteilt werden könnte – erfahren Sie jetzt gleich.

Was sagen die Zahlen?

Das hat dankenswerterweise mal die Nothilfeorganisation Oxfam übernommen. Deutlich wird auf jeden Fall, dass die Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass die Superreichen noch superreicher geworden sind. Hier die Zahlen:

  • 3,6 Millionen Menschen haben mehr als fünf Millionen $ (US-Dollar) – insgesamt 75,3 Billionen $.
  • 183.000 Menschen besitzen 50 Millionen $ oder mehr – insgesamt 36,4 Billionen $
  • 2.660 Personen haben ein Vermögen von mindestens 1 Milliarde $ – insgesamt 13,76 Billionen $.
  • Die zehn reichsten Menschen der Welt haben pandemiebedingt ihr Vermögen mehr als verdoppelt – auf 1,5 Billionen $. Ausgeschrieben: 1.500.000.000.000. Achso, aktuell wären das 1,3 Billionen €. Diese Summe ist in etwa so groß wie die gesamte Wirtschaft Chinas.

Daraus haben die Beteiligten folgendes errechnet:

  • Eine Vermögenssteuer, die bei 2 % pro Jahr bei Millionären beginnt und bis zu 5 % bei Milliardenvermögen ansteigt, würde 2,52 Billionen $ Steuern bringen – pro Jahr!
  • Damit ließen sich 2,3 Milliarden Menschen aus Armut befreien.
  • Außerdem wäre eine universelle Gesundheitsversorgung und sozialer Schutz für alle Bürger der Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen möglich. Das wären immerhin 3,6 Milliarden Menschen.

Auch wenn das natürlich sehr global ist, zeigt sich doch, dass eine Vermögensteuer bei den wirklich Reichen richtig was bringen könnte.

Muss es immer nur eine Vermögensteuer sein?

Klar, ein wichtiger Punkt – gerade hier in Deutschland – ist die Erbschaftsteuer. 2020 nahmen die Bundesländer bei Erbschaften und Schenkungen rund 8,6 Milliarden € ein. Das ist zwar deutlich mehr als zuvor. Aber immer noch nur ein Bruchteil von dem, was tatsächlich vererbt und verschenkt wird.
In einem Interview sagt der Millionär und Unternehmer Peter Reese unter anderem auch noch, dass es früher mal einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent (jetzt 42 beziehungsweise 45 %) gab – und auch eine progressive Besteuerung von Kapitalerträgen. Will sagen, dass Arbeit heute oft höher besteuert ist als Kapital mit der Abgeltungsteuer von 25 %.

Warum ändert sich nichts in Deutschland?

Ja, früher hatten wir eine Vermögensteuer und höhere Spitzensteuersätze. Genau an diesen beiden Punkten wollten im Vorfeld der Bundestagswahl einige Parteien was ändern. Sprich die Wiedereinführung einer Vermögensteuer (Steuersatz 1 %) und etwas höhere Spitzensteuersätze. Ich rede hier von der SPD und den Grünen. Passiert ist aber nullkommanichts. Denn der kleinste Koalitionspartner, die FDP, wehrt sich natürlich mit Händen und Füßen gegen Steuererhöhungen jeglicher Art. Man muss sich wirklich keine rot-grün-rote Koalition im Bund wünschen, also ein Bündnis aus SPD, Grünen und Die Linke. Aber unter dieser Konstellation wäre eine Vermögensteuer bald wieder zurück…

Mit der Ampelkoalition werden in Deutschland die Reichen in den nächsten vier Jahren weiterhin relativ wenig Steuern zahlen. Das gilt auch für die, die ausdrücklich gern mehr zahlen würden.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Bienenstich sagt:

    Ja, was geht einem da durch den Kopf, wenn man sowas liest?
    1. Warum sind die Wähler nicht bereit, nur die zu wählen, die auch die Reichen „angemessen“ an der finanziellen Aufbesserung des Bundeshaushaltes kräftig beteiligen!
    2. Naja, die Billionen sind wohl in Germany nicht so toll vorhanden, aber Millionäre mit Abneigung gegen LUXUS und wenig Investitionen bzw. produktive Kapitalanlage könnten das den Vater Staat ein bisschen überlassen. Die wenigen in der „Hölle der Löwen“ sind nicht gerade besonders am Bruttosozialprodukt beteiligt.
    3. Und schicken Sie doch Ihren Artikel als Rundschreiben an alle FDP-Regierenden und an alle FDP-Abgeordneten im Bund und in diversen Bundesländern. Vielleicht erfahren wir dann mal eine plausible Begründung für deren ablehnende Haltung bei sogen. Reichensteuern. Oder haben die gar keine Plausibilität?

  • Avatar Kleinert Felix sagt:

    Sehr geehrte Frau Pank
    Zu Ihrem Artikel: Keine gedankliche Trennung von Einkommen und Vermögen. Ihre Beispielrechnungen zur Wohltatenverteilung fussen darauf, dass Vermögen liquide verfügbar sind. Dies ist nicht der Fall. Nur die „armen“ Reichen haben einen Teil ihres Vermögens in Barmitteln, weil sie diese Mittel z.B. zur Altersfinanzierung regelmäßig abrufen. Je mehr Vermögen Sie haben, ist dieses in Grundstücken, Firmenanteilen oder indirekt in Aktien gebunden. Würde es im großen Stil verkauft würde der Wert sofort enorm sinken. Insofern können vom Erlös einer Vermögenssteuer auch nicht die Wohltaten erzielt werden die Oxfam und Sie da ausrechnen. Gleichwohl bin ich mit Ihnen, dass man über die Besteuerung hoher Vermögen nachdenken kann. Die amerikanischen Demokraten definieren hohe Vermögen ab 50 Millionen Dollar. Unsere Linken wollen bereits ab einer Million „zuschlagen“. Damit wird das Lebenswerk und die Alterssicherung von fleißigen Freiberuflern und Unternehmers angegriffen. Dies sind genau die Personenkreise, die für Wirtschaftswachstum und Wohlstand in diesem Lande sorgen. Die DDR lässt grüßen.

  • Avatar Bastian Löffler sagt:

    Das mit der höheren Versteuerung von Kapital und Arbeit ist so eine Sache: Viele Superreiche halten das Vermögen nicht privat (dann 25% Abgeltungssteuer) sondern in Unternehmensstrukturen.


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