18.11.2014 · smart steuern ·

Muss ich Steuern auf Erbschaften bezahlen? (Serie, Teil 6)

Zugegeben, es passiert nicht oft im Leben. Zum Glück. Doch meine Freundin Anne brachte mich kürzlich auf folgendes Thema: Muss ein Erbe eigentlich auch versteuert werden? Spannende Frage, klare Antwort: Es kommt ganz darauf an. Genaueres können Sie im Teil 6 meiner kleinen Serie lesen.

Mehr als 250 Milliarden Euro werden allein in diesem Jahr in Deutschland vererbt. Für 2020 rechnen Experten sogar mit rund 330 Milliarden. Kein Wunder, dass man in den Medien gelegentlich von der „Erben-Generation“ spricht. Bei solchen Beträgen ist es kaum verwunderlich, dass der Staat darauf Steuern erhebt. Laut einer Umfrage finden 55 Prozent der Deutschen das nicht richtig. Nützt aber nichts. Immerhin: Nicht jeder geerbte Euro muss auch versteuert werden. Und so nimmt der Staat auch „nur“ rund vier Milliarden Euro im Jahr damit ein…

Blut ist dicker als Wasser

Das liegt vor allem daran, dass es relativ hohe Freibeträge gibt. Das ist der Teil des Erbes, auf den keine Steuern anfallen. Diese Beträge sind um so höher, je enger die Verwandtschaft mit dem Verstorbenen war. Es gibt beim Erben prinzipiell die drei Steuerklassen I, II und III. Dazu gehören unter anderem:

  • Steuerklasse 1: Ehegatte, Lebenspartner, Kinder, Stiefkinder, Enkelkinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern
  • Steuerklasse 2: Geschwister, deren Kinder, Stiefeltern, Schwiegerkinder, Schwiegereltern
  • Steuerklasse 3: Freunde, Lebensgefährten

Freibeträge bis zu einer halben Million

Die Freibeträge orientieren sich an dieser Einteilung, machen aber in der Steuerklasse I noch Unterschiede: So können Ehegatten und Lebenspartner bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, Kinder und Enkelkinder (wenn deren Eltern bereits gestorben sind) noch 400.000 Euro, andere Enkelkinder 200.000 Euro, Eltern und Großeltern 100.000 Euro. Wer zur Steuerklasse II oder III gehört, hat „nur“ einen Freibetrag von 20.000 Euro. Zu kompliziert? Beispiele gefällig? Eine Ehefrau erbt 350.000 Euro – sie muss keine Steuern darauf bezahlen. Ein Sohn erbt 600.000 Euro – Steuern muss er allerdings nur auf 200.000 Euro zahlen, weil er 400.000 Freibetrag hat. Die Erbschaftsteuer würde hier 22.000 Euro betragen. Wer genauer nachrechnen möchte: Im Internet gibt es sogenannte Erbschaftsteuerrechner, einfach danach googeln.

Schenken statt Erben?

Niemand kann Sie daran hindern, Ihr Vermögen schon vor dem „Ernstfall“ unter Verwandten und/oder Freuden zu verteilen. Steuertechnisch macht das erstmal keinen Unterschied zu einer Erbschaft. Es gelten prinzipiell die gleichen Steuersätze und Steuerrichtlinien wie beim Erben. Der Unterschied: Die Freibeträge bei einer Schenkung gelten jährlich. So lässt sich ein potenziell großes Erbe per Schenkung über die Jahre „stückeln“.

Andere Regeln für Immobilien und Betriebe

Erbt ein Ehe- oder Lebenspartner eine Immobilie und bleibt danach mindestens zehn Jahre darin wohnen, muss er keine Erbschaftsteuer zahlen. Dabei ist es ganz egal wie groß die Wohnung oder das Haus ist. Bei Kindern oder Enkeln darf das Wohneigentum hingegen höchstens 200 Quadratmeter groß sein, die Zehn-Jahres-Frist gilt auch bei ihnen.

Wer eine Immobilie erbt und nicht drin wohnt, muss Steuern auf das Erbe zahlen. Die Höhe richtet sich nach dem Marktwert der Hauses. Wer schließlich zum Beispiel die Familienfirma erbt, muss zwar Steuern zahlen, aber deutlich weniger, als wenn es sich um Bargeld handeln würde: Nur 15 Prozent des geerbten Betriebsvermögens müssen versteuert werden, 150.000 Euro davon bleiben zudem auch noch steuerfrei.

Zusammenfassung: Steuern auf Erbschaften werden erst ab einer relativ großen Summe fällig. Und: Je enger die Verwandtschaft, desto mehr ist steuerfrei.

 

Was bisher geschah:
Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? (Serie Teil 1)
Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird (Serie Teil 2)
Das Gießkannenprinzip, oder: Was macht der Staat mit unseren Steuern (Serie Teil 3)
Wer muss eine Steuerklärung abgeben? (Serie Teil 4)
Wir geben ab zur Werbung – zu den Werbungskosten (Serie, Teil 5)

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Doreen sagt:

    Habt ihr schon gewusst, dass das Thema vom Gesetzgeber in Bezug auf das Erbe von Firmen neu bis zum 30.06.2016 überarbeitet werden muss. Ich finde dies sehr gut.

    Gruß
    Doreen Erbrecht München

  • Avatar Andreas Wagner sagt:

    Hallo Doreen,

    Du hast Recht: Gestern hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts §§ 13a und 13b und § 19 Abs. 1 des Erbschaftsteuer‑ und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) für verfassungswidrig erklärt (Urteil vom 17.12.2014, 1 BvL 21/12). Zwar sind die Vorschriften zunächst weiter anwendbar, der Gesetzgeber muss aber bis 30. Juni 2016 eine Neuregelung treffen. Nach Ansicht des Gerichts liegt es im Entscheidungsspielraum des Gesetzgebers, kleine und mittlere Unternehmen, die in personaler Verantwortung geführt werden, zur Sicherung ihres Bestands und zur Erhaltung der Arbeitsplätze steuerlich zu begünstigen. In der Pressemitteilung des Gerichts heißt es hierzu, dass die Privilegierung betrieblichen Vermögens jedoch unverhältnismäßig ist, soweit sie über den Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen hinausgreift, ohne eine Bedürfnisprüfung vorzusehen. Ebenfalls unverhältnismäßig sind die Freistellung von Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten von der Einhaltung einer Mindestlohnsumme und die Verschonung betrieblichen Vermögens mit einem Verwaltungsvermögensanteil bis zu 50 %. §§ 13a und 13b ErbStG sind auch insoweit verfassungswidrig, als sie Gestaltungen zulassen, die zu nicht zu rechtfertigenden Ungleichbehandlungen führen. Die genannten Verfassungsverstöße haben zur Folge, dass die vorgelegten Regelungen insgesamt mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar sind.

    Beste Grüße
    Andreas Wagner

  • Avatar Me sagt:

    Dieser Satz:
    „Der Unterschied: Die Freibeträge bei einer Schenkung gelten jährlich.“
    ist leider falsch!!!!!

  • Jennifer Dittmann Jennifer Dittmann sagt:

    Hallo,

    ja es ist ein wenig missverständlich dargestellt. Schenkungen werden innerhalb eines zehn Jahres Zeitraums addiert. Kommt man über die Freibeträge müssen natürlich Steuern gezahlt werden. Den Freibetrag erhält man so wie bei der Schenkung auch nur einmal.


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