11.11.2016 · smart steuern ·

Die Reform der Erbschaftsteuer – 5 Fragen und 5 Antworten

War das ein hartes Stück Arbeit. Doch schließlich haben es Bundestag und Bundesrat irgendwie nach knapp zwei Jahren doch noch geschafft, die Reform der Erbschaftsteuer zu verabschieden. Doch warum haben die das eigentlich gemacht? Und was ändert sich für wen? Wir beantworten die fünf wichtigsten Fragen.

Wer regelmäßig unseren Blog liest, erinnert sich vielleicht daran, dass wir schon mehr als einmal über diese Reform geschrieben haben. Bei der hat sich die Politik ganz gut blamiert, um es mal vorsichtig zu sagen, siehe diesen Blogbeitrag. Aber getreu dem Motto „Schwamm drüber“ schauen wir nach vorn und sagen, was kommt und warum. Unsere fünf Fragen und fünf Antworten:

1. Warum gibt es überhaupt eine Reform?

Es mag den ein oder anderen überraschen, aber: Nein, der Grund für die Reform der Erbschaftsteuer war nicht, dass sich „der Staat“ die Taschen noch voller machen wollte. Von den über 200 Milliarden Euro, die jedes Jahr in Deutschland vererbt werden, landeten 2015 übrigens auch nur etwas mehr als 6 Milliarden als Steuern im Staatshaushalt. Der Grund war ein ganz anderer: Das Bundesverfassungsgericht hat im Dezember 2014 bemängelt, dass Firmenerben bei der Steuer bevorzugt wurden, sie also vergleichsweise wenig Steuern zahlten. Das war zum Beispiel der Fall, wenn sie die geerbte Firma nur lange genug weiter führten und dabei Arbeitsplätze erhielten. Hintergrund: Firmenerben sollten nicht von der Erbschaftsteuer „erdrückt“ werden, um nicht zum Beispiel Angestellte entlassen zu müssen, nur um die Steuer zahlen zu können. Das führte andererseits zu sogenannten Cash GmbH, über die Bargeld steuergünstig vererbt werden konnte.

2. Was ändert sich bei Privatvermögen?

Das ist die gute Nachricht. Wer ausschließlich privates Vermögen zu vererben hat, hat keine Änderungen zu erwarten. Deshalb beantworten wir auch die logische Folgefrage: „Wie war es denn bisher?“ Nun, die Antwort in aller Kürze: Wer erbt, hat erhebliche Freibeträge. Je näher man mit dem Verstorbenen verwandt war, desto höher sind diese. Ehegatten und eingetragene Lebenspartner können bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben. Kinder und Enkelkinder, deren Eltern bereits gestorben sind, noch 400.000 Euro. Andere Enkelkinder 200.000 Euro. Eltern und Großeltern auch noch 100.000 Euro. Alle anderen immerhin 20.000 Euro. Erbschaftsteuer wird erst fällig, wenn die jeweiligen Freibeträge überschritten werden. Ausführlicher finden Sie das in diesem Blogartikel.

3. Wie sieht es bei Immobilien aus?

Da bleibt auch alles beim Alten. Erben Ehe- oder Lebenspartner eine Immobilie – und wohnen sie die folgenden zehn Jahre darin – ist keinerlei Erbschaftsteuer fällig. Selbst wenn das Häuschen eine 800 Quadratmeter Villa im zweistelligen Millionenbereich ist. Erben Kinder oder Enkelkinder das Haus oder die Eigentumswohnung, gibt es eine Einschränkung für die Steuerfreiheit: die Wohnfläche darf höchstens 200 Quadratmeter betragen.

4. Schenken oder Erben – was ist besser?

Macht es in bestimmten Fällen nicht Sinn, sein Erbe schon vor seinem eigenen Tod zu verschenken? Für den Familienfrieden ganz sicher oft, steuerlich lohnt es sich aber kaum. Denn der Gesetzgeber macht steuerlich (fast) keinen Unterschied zwischen Vererben und Schenken. Die Freibeträge und Steuersätze sind gleich. Das Gesetz heißt  dann auch „Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz“. Ob die Mutter ihrem Sohn eine halbe Million Euro schenkt – oder ob dieser die halbe Million von seiner verstorbenen Mutter erbt, ist steuerlich egal. Die Steuer beträgt 11.000 Euro (bei einem Freibetrag von 400.000 Euro).
Eine kleine Abweichung gibt es doch, sie braucht allerdings Zeit: Die jeweiligen Freibeträge beim Schenken gelten jeweils immer für zehn Jahre. Das heißt im Falle des Sohnes: Wenn die Mutter zum Beispiel ihrem Sohn jedes Jahr 36.993 Euro schenkt, macht das in zehn Jahren 399.993 Euro. Im elften Jahr kann sie ihm die letzten 100.007 Euro dann schenken, ohne dass auch nur ein Cent Steuer fällig wäre.

5. Für wen ändert sich denn nun was?

Jetzt haben wir so viel geschrieben über das, was sich nicht ändert – kommen wir nun zu den Änderungen. Die stehen ganz am Schluss, weil sie einfach nur wenig Leute betreffen. Firmenerben. Und um es kurz zu machen: So schrecklich viel hat sich da auch nicht getan. Denn Firmenerben bleiben privilegiert. Wer fünf Jahre lang weitermacht, Arbeitsplätze sichert (das heißt, eine bestimmte Lohnsumme erreicht) und dessen Erbe weniger als 26 Millionen Euro wert ist, dessen Betriebsvermögen wird zu 85 Prozent von der Erbschaftsteuer befreit. Wer es sieben Jahre schafft, zahlt wie bisher gar keine Steuer. Wer mehr als 26 Millionen Euro „betrieblich“ erbt, muss nachweisen, dass ihn eine Erbschaftsteuer überfordert und gegebenenfalls sein Privatvermögen offenlegen und dafür verwenden. Ab 90 Millionen Euro gibt es keine Begünstigungen mehr.   

Zusammenfassung: Die Reform der Erbschaftsteuer ändert für Ottonormalverbraucher und viele Firmenerben nichts. Ob das Bundesverfassungsgericht das durchgehen lässt, bleibt abzuwarten.

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Brackmann sagt:

    Die Berechnung unter 4. ist aber falsch:
    Die Schenkungen der letzten 10 Jahre werden immer zusammen gefasst!
    Das bedeutet, dass von den im 11. Jahr geschenkten 100.000 € auch 60.000 €
    steuerpflichtig wären!

    (9 x 40.000 + 100000) = 460000
    abzüglich FB 400000, bleiben 60000 !

  • Jennifer Dittmann Jennifer Dittmann sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben das Beispiel entsprechend geändert.

  • Danke für den hilfreichen Beitrag. Ich habe mich neulich mit einem Freund über das Thema Erbschaftssteuer unterhalten. Wir haben uns gefragt, ob man sein Erbe nicht einfach vor dem Tod verschenken kann. Gut das man im Internet schnell fündig wird und sich die Frage schnell klären lässt.

  • Vielen Dank für die Hinweise! Gerade das Thema erben oder schenken finde ich sehr interessant, da ich auch dachte, dass eine Schenkung doch mehr Sinn macht. Viele Grüße Yvonne

  • Avatar Jonas sagt:

    Guten Tag liebe Mitleser,
    vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Die Änderungen der Steuern ist eine sehr wichtige Sache, die man definitiv im Auge behalten sollte. Falls man jedoch schnell den Überblick verliert, so könnte man sich professionelle Hilfe bei einem Rechtsanwalt holen.

  • Avatar Wolfgang Bauer sagt:

    Interessanter aktueller Beitrag zum Erben. Meine Frage, wonach berechnet man den Wert der zu vererbenden Immobilie?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die vererbten Immobilien werden nach den Bewertungsgrundsätzen des Erbschaftssteuerrechts bewertet.

  • Avatar Jonas sagt:

    Vielen Dank für diesen informativen Beitrag zum Thema Erben bzw. welcher Gegenstand relativ oft vererbt wird. Es ist wichtig, sich stets über den aktuellen Stand in Sachen Erbrecht zu informieren. Da ich in letzter Zeit allerdings nicht über die Zeit verfügte, mich selbstständig darüber zu informieren, werde ich mich an einen Rechtsanwalt wenden und mich kompetent beraten lassen.

  • Avatar ab sagt:

    Eine Immobilie soll zur Nutzung der 10-Jahresfrist verschenkt werden. Der Schenkende verstirbt aber z.B. nach 5 Jahren. Wird dann die Hälfte der Steuer fällig?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,

    ein Bruchteilsberechnung erfolgt nicht.

    Innerhalb eines Zehnjahreszeitraums sind alle durch Schenkung oder Erbe erfolgten Zuwendungen zusammenzurechnen.


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