23.08.2016 · smart steuern ·

Ehrenamt und mehr – Steuerpauschalen für Freiwillige (Serie, Teil 60)

Millionen Deutsche engagieren sich in Vereinen, für gemeinnützige Organisationen sowie kulturelle oder soziale Einrichtungen – freiwillig und ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Eigentlich sind diese Tätigkeiten unbezahlbar für das Gemeinwohl – doch mehr als Anerkennung oder eine kleine Aufwandspauschale ist in der Regel nicht drin. Immerhin erkennt der Staat diesen Einsatz wenigstens ein bisschen steuerlich an: mit der steuerfreien Übungsleiter- und der Ehrenamtspauschale. Wir erklären Ihnen, was das genau ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wo die Unterschiede zwischen den Pauschalen liegen und was eine Rückspende in diesem Zusammenhang bedeutet.

Nebenberufliche Tätigkeit Voraussetzung 

Vorab zum Verständnis: Es geht in diesem Artikel nicht um Steuersparmodelle oder wie man etwas von der Steuer absetzen kann. Wir wollen nur zeigen, in welchem finanziellen Rahmen ehrenamtliche Tätigkeiten steuer- und auch sozialversicherungsfrei sind.
Kommen wir gleich zu den Zahlen, die seit 2013 so gelten:

  • Mit der Übungsleiterpauschale lassen sich bis zu 2.400 Euro pro Jahr steuerfrei verdienen.
  • Die Ehrenamtspauschale garantiert steuerfreie Einnahmen bis zu 720 Euro pro Jahr.

Ganz wichtig: Die Pauschalen können nur in Anspruch genommen werden, wenn es sich um eine nebenberufliche Tätigkeit handelt. Das bedeutet, dass sie höchstens ein Drittel der Zeit, die Sie für Ihren Beruf aufwenden, für das Ehrenamt verwenden dürfen. Wobei das mit dem Beruf weit gefasst ist: Denn auch Studenten, Rentner, Arbeitslose und andere können in diesem Sinn nebenberuflich tätig sein.

Welche Tätigkeiten fallen unter die Pauschalen?

Bevor wir gleich zu den konkreten Beispielen kommen, zuerst noch etwas Grundsätzliches. In den Genuss der beiden Pauschalen können Sie nur kommen, wenn Sie ehrenamtlich im Auftrag eines gemeinnützigen Vereins, einer kirchlichen Organisation oder einer öffentlich-rechtlichen Institution (etwa Volkshochschule) tätig sind. Das Gesetz spricht von „gemeinnützigen, mildtätigen und kirchlichen Zwecken“. Nun werden wir aber konkreter:

  • Übungsleiterpauschale (2.400 Euro): Dazu gehören unter anderem Trainer im Sportverein, Ausbilder, Erzieher, Chorleiter und andere künstlerische Tätigkeiten sowie Kursleiter etwa an der Volkshochschule. Begünstigt sind auch Pflegetätigkeiten, etwa von kranken oder behinderten Menschen. Und schließlich fallen auch kirchliche Tätigkeiten wie Religionsunterricht darunter. Kurz gesagt handelt es sich zumeist um Tätigkeiten direkt mit Menschen.
  • Ehrenamtspauschale (720 Euro): Die geringere Pauschale hat auch geringere Anforderungen. Hier reicht es, wenn Sie nebenberuflich in einem Verein oder einem „Zweckbetrieb“ tätig sind, eigentlich egal als was, der „gute Zweck“ muss nur im Vordergrund stehen. Zum Beispiel als Vereinsvorsitzender, Kassenwart, Platzwart oder auch als Bürokraft in einem Altenheim.

 

Was ist noch wichtig?

Gern gefragt: Was ist mit den Fahrtkosten im Sportverein, etwa zu Auswärtsspielen? – Nun diese und andere Auslagen wie Telefonkosten und Büromaterial lassen sich zusätzlich zu den Pauschalen ersetzen.
Wer mit dem Gedanken spielt, beide Pauschalen in Anspruch zu nehmen: Das geht nur, wenn es sich um zwei verschiedene Tätigkeiten handelt.
Und abschließend noch die eingangs erwähnte Frage zur Rückspende. Nicht wenigen ehrenamtlichen Helfern steht zwar eine Aufwandsentschädigung zu, sie selbst wollen das Geld aber gar nicht – weil es Ihnen ausschließlich um die gute Sache geht. Dann können sie das Geld dem Verein „zurückspenden“ – und diese Spende von der Steuer absetzen, natürlich nur, wenn sie das auch wollen.

Zusammenfassung: Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Tätigkeiten sind in kleinem Rahmen steuer- und sozialversicherungsfrei. 

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Ist das Kunst – oder kann das weg? Werbungskosten in der Praxis (Serie, Teil 59)

Geschrieben von:
Theresa Voigt Theresa war anfangs ein kompletter Steuer-Neuling. Mittlerweile hat sich die gelernte Softwareentwicklerin aber als Semi-Steuerprofi entpuppt und beschäftigt sich seither hauptsächlich mit den alltäglichen Problemen und Fragen im Hinblick auf die Steuererklärung. Durch das Muttersein ist sie gleichzeitig zum Organisationstalent geworden und hält im selben Atemzug das Entwickler-Team im Zaum.
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