16.01.2017 · smart steuern ·

Steuerlatein für jedermann zur Bundestagswahl 2017 – Teil 2: Der Mittelstandsbauch

Januar 2017 – nur noch rund acht Monate bis zur Bundestagswahl, die vermutlich im Herbst stattfinden wird. Bis dahin werden wir immer wieder Begriffe und Themen erklären und sagen, was bei den Parteien Sache ist. Heute geht es um den Mittelstandsbauch. Ein nahezu putziger Begriff für ein Steuerphänomen, dass es schon seit 50 Jahren gibt. Doch was steckt dahinter, wo kommt der Begriff her – und was sind die Auswirkungen. Sie lesen es hier.

Die Historie des Mittelstandsbauchs und der Grenzsteuersatz

Es gab Zeiten, da verdiente sich der Mittelstandsbauch noch sprichwörtlich seinen Namen. In den 1960er Jahren hatte der sogenannte Grenzsteuersatz (Erklärung folgt gleich) tatsächlich die Form eines kleinen Bäuchleins – und wölbte sich auch noch beim sogenannten Mittelstand am stärksten (blaue Linie).

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Quelle: Wikipedia ESt-D_Tarifreform_1990.svg.png

Der Grenzsteuersatz sagt prinzipiell, wie viel Steuern Sie für einen zusätzlich verdienten Euro an Steuern zahlen müssten. Und in den Regionen des Mittelstandsbauchs stieg dieser Wert damals viel deutlicher an als anderswo. Wer als Mittelständler ein bisschen mehr verdiente, wurde dafür steuerlich überproportional belastet. Mit der roten Linie wäre der Grenzsteuersatz deutlich geringer – und damit wären auch deutlich weniger Steuern fällig. Ausführlich können Sie sich zu den verschiedenen Steuersätzen in diesem Blogartikel informieren.

Nun, der Mittelstandsbauch wurde von den 1960er Jahren bis 1989 immer flacher, bis er ganz verschwand. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Wölbung war komplett weg (rote Linie). Der Begriff, manchmal auch Kampfbegriff, Mittelstandsbauch blieb aber bis heute.  

Kurz gesagt: Der Mittelstandsbauch

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Und so sieht es heute aus: Der Mittelstandsbauch hat erstens keinen Bauch mehr, sondern „nur“ einen Knick. Und zweitens betrifft er am stärksten nicht mehr den Mittelstand, sondern Geringverdiener im Bereich von knapp 9.000 bis 14.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Aber warum soll man einen knalligen Begriff auch so einfach aufgeben, liebe Politik…

Aktuelle Positionen zum Mittelstandsbauch

Prinzipiell gibt es wohl kaum eine Partei, die dem (eigentlich nicht existenten) Mittelstandsbauch nicht an den Kragen will. So sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) während einer Veranstaltung: „Das größte Problem ist der Mittelstandsbauch.“ Und auch Vertreter anderer Parteien haben die Bedeutung des Begriffs erkannt. Konkreter wurde bisher schon der Wirtschaftsflügel der CDU: Er will den Steuersatz im „Knickpunkt“ bei ungefähr 14.000 Euro von 24 auf 20 Prozent senken, den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zudem erst ab 60.000 Euro statt bisher rund 54.000 Euro anwenden. Das alles würde den „Mittelstandsbauch“ flacher machen, alle Einkommen hätten unterm Strich weniger Steuern zu zahlen. Verschwinden würde er aber nicht völlig.

Unsere Einschätzung zum Mittelstandsbauch

Wir von smartsteuer sind ganz klar auf Diät-Linie: Der Bauch muss weg, oder wenigstens deutlich kleiner werden. Zwar regen wir uns auch ein bisschen darüber auf, dass der Mittelstandsbauch ein Begriff ist, der nicht mehr ansatzweise richtig ist. Aber psychologisch ist er natürlich Gold wert für die Politik, spricht er doch große Teile der Bevölkerung an (Mittelstand) und ein Bauch, der kleiner wird… na, wer will das nicht. Und der Nebeneffekt ist dann eben auch, dass alle oder fast alle wirklich weniger Steuern zahlen müssten.

Ein „Aber“ müssen wir allerdings hinterher schieben: Eine vollständige Beseitigung des Mittelstandsbauches würde ca. 30 Milliarden Euro kosten und damit mehr, als selbst im aktuell prall gefüllten Steuersäckel von Finanzminister Schäuble übrig ist. Überlegungen zur Gegenfinanzierung haben wir an anderer Stelle bereits beleuchtet.

Nicht zu früh freuen heißt also die Devise und immer schön hinter die Fassade wohlklingender Versprechen schauen. Wir helfen dabei!


Björn Waide Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Matthias Horn sagt:

    Okay, also der Unterbauch muss weg.
    Die Menge an Arbeitnehmern, die so unanständig bezahlt wird, dass ihr Einkommen schon obszön unter der Gürtellinie liegt, also die zahlt von ihren paar Piepen auch noch zu viel Steuern. So geht das natürlich nicht.
    Folglich lautet das Motto für Geringverdiener: Schluss mit Frust-Essen, der Unterbauch muss weg !


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