18.09.2020 · smart steuern ·

Die 9 bizarrsten Steuern der Welt

Not macht erfinderisch, wer wüsste das nicht besser als der notorisch klamme Staat. Und der war im Laufe der Geschichte schon äußerst erfinderisch, wenn es um neue Geldquellen ging und immer noch geht. Wir zeigen Ihnen heute die neun unglaublichsten Steuern der Welt – von ganz alten bis zu ganz neuen.

Wir haben in unserer kleinen Auflistung bewusst auf Cola-, Chips-, Limo-, Fett- oder Zuckersteuer verzichtet. Die klingen zwar auch auf den ersten Blick ziemlich irre, aber die Idee dahinter sind eher weniger die Steuereinnahmen. Sondern die Lenkungswirkung hin zu gesünderen Lebensmitteln. Aber nun zu unserer Top 9.

Platz 9: Latrinensteuer

Vor knapp 2.000 Jahren führte der römische Kaiser Vespasian (9 bis 79 n. Chr.) eine Latrinensteuer für die Benutzung öffentlicher Toiletten ein. Das fand sein Sohn Titus gar nicht gut. Der Kaiser ging – so die Überlieferung – richtig pädagogisch vor. Er hielt seinem Sohn eine Münze aus der Latrinensteuer unter die Nase und sagte: „Und doch ist es vom Urin.“ Daraus entwickelte sich dann der bekannte Spruch „Geld stinkt nicht!“ Der hat sich ebenso gehalten wie der Name für öffentliche Toiletten in Paris („Vespasienne“) und in Italien („Vespasiani“). Die Steuer selbst ist schon längst Geschichte. 

Platz 8: Bartsteuer

Dass es die noch nicht wieder gibt, ist doch einigermaßen überraschend. Wo (Voll-) Bärte ja seit einigen Jahren recht angesagt sind. Nun, der russische Zar Peter der Große hatte 1698 eine Bartsteuer eingeführt. Zu unmodern fand er Bärte und hoffte auf eine große Rasurwelle. Ob er Erfolg hatte – oder sich doch mehr über die Einnahmen freute – wissen wir leider nicht. 1772 schaffte Katharina die Große die Steuer wieder ab. Ein nicht ganz ernst gemeintes Plädoyer für eine Bartsteuer können Sie hier nachlesen.

Platz 7: Sektsteuer

Klingt erstmal nicht so aufregend, schließlich werden ja viele alkoholische Getränke besteuert. Hier geht es um den Ursprung im Jahr 1902. Da wurde sie im Kaiserreich eingeführt – zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte. Natürlich reichte die Steuer dafür bei Weitem nicht und natürlich blieb die Steuer auch nach dem Ende des Kaiserreichs. Bis heute. Fürs Militär wird übrigens auch heute noch gern mal eine Steuer erhöht oder neu geschaffen. Mehr dazu in diesem Blogartikel.

Platz 6: Leichenwagensteuer

Klar waren die finanziellen Probleme Griechenlands vor knapp zehn Jahren riesig. Aber eine Steuer auf Leichenwagen? Echt jetzt? Ja, statt Leichenwagen wie normale Autos zu besteuern, mussten die Besitzer ab 2012 den sechsfachen Satz zahlen – wie für Luxuswagen. 

Platz 5: Limousinensteuer

Wo wir auch gleich über den großen Teich in New York landen. Dort wurde 2009 eine spezielle Steuer für die Nutzung von Limousinen eingeführt. Und wer schon mal in New York war, erinnert sich bestimmt an die vielen Stretchlimos in der Stadt. Leichenwagen – und die beliebten Taxis fallen übrigens nicht unter die Steuer.

Platz 4: Hexensteuer

Klingt nach Mittelalter – ist es aber nicht. Sondern seit 2011 in Rumänien Realität. Dort stehen Hexen und Wahrsager hoch im Kurs. Anerkannt waren ihre Berufe aber nie. 2011 wurde die Orakelbranche schließlich legalisiert. Und das bedeutete, dass nun auch Hexen Steuern zahlen müssen. Die wehrten sich damals. So belegten sie die Regierung mit einem Fluch oder drohten, auf Rituale zu verzichten, die Rumänien vor Katastrophen schützten. Tja, hat nicht ganz geklappt…

Platz 3: Sexsteuer

Zurück nach Deutschland. Köln machte den Anfang 2004, mittlerweile gibt es wohl um die 30 Städte, die eine Sexsteuer haben. Sie wird von den Besitzern der entsprechenden Etablissements oder direkt von den Sexarbeiterinnen oder -arbeitern erhoben. In Bonn gibt es zum Beispiel einen Ticket-Automaten, an dem Prostituierte jeden Abend ein Ticket für 6 Euro ziehen müssen. Richtig reich sind die betreffenden Kommunen aber auch nicht geworden.

Platz 2: Bettensteuer

Klingt inhaltlich ähnlich wie unser Platz 3, meint aber etwas ganz anderes. Viele deutsche Städte verlangen von Besuchern eine Steuer für die Übernachtung in Hotels und Pensionen. Die müssen praktischerweise die Hotels und Pensionen eintreiben. Nur wer beruflich in der jeweiligen Stadt ist, muss die Bettensteuer nicht zahlen. 

Platz 1: Luftsteuer 

Nichts als heiße Luft, Sie kennen das. Aber hier kann es auch kalte Luft sein. Im fränkischen Fürth müssen Betreiber von Automaten bis zu 1.000 Euro pro Jahr an Luftsteuer pro Gerät zahlen, wenn denn der Automat an einer Fassade steht und mehr als 15 Zentimeter dick ist. Und so den Fürthern die Luft zum Atmen raubt… In München wollte die Stadt das Gleiche auf herausragende Balkone anwenden. Ein Gericht pfiff die pfiffigen Steuereintreiber aber zurück. Und auch Nürnberg versuchte sich kürzlich an einer Luftsteuer. 900 Euro, wenn die neue Wärmedämmung an einer Hauswand dicker als acht Zentimeter ist. Wurde aber auch nichts draus. Aber da ist sicher noch Luft nach oben…

Was ist ihr Favorit? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Heinz Egon Sticker sagt:

    Zu Ihren verrückten Steuern..
    eine, die mir sofort einfällt ist die Zündwarensteuer. Es wurden ab 1909 die Streichhölzer zum Zigaretten-, Zigarren- und Pfeifenanzünden besteuert. Später kamen Feuerzeug und Feuerstein hinzu. Der Kaiser brauchte Geld. In der Zwischenzeit als Bagatellsteuer abgeschafft.
    Somit können wir nun die Kerzen am Weihnachtsbaum steuerfrei anzünden

  • Avatar Heinz Egon Sticket sagt:

    ….ganz imposant und wurde im Vorkommentar von mir vergessen…
    Heute kostet 1 Kilo Mehl ab 39 ct.
    Im Mittelalter wurden die Müller drangsaliert und es wurde von ihnen eine Mühlensteuer erhoben. Oft argumentierten die churfürstlichen Herren bei Gründung und Anlage einer Mühle, der Bürger bräuchte nicht fern zu reisen, um Gemahltes zu erwerben. Ab Gründung und Inbetriebnahme fiel die Mühlensteuer an zum Wohle des churfürstlichen Herrn. Kurios die Mühlensteuer

  • Avatar Oswald Weber sagt:

    Wäre es nicht mal sinnvoller, Steuern z.B. für das Halten von Hähnen zu verlangen.
    Wir haben z.B. auch eine Hundesteuer, warum nicht für Hähne, dies vor allem schon deswegen, da diese wegen des Krähens, Anlaß zu vielen Nachbarschaftsstreitigkeiten
    geben, und im prinzipiell für die Hühner nicht benötigt werden, diese legen auch so Ihre Eier!
    Sollte man nicht mit solchen Dingen anfangen!
    MFG
    WEber


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