12.01.2021 · smart leben · smart steuern ·

Das ändert sich bei Renten, Vorsorge und Krankenkasse

Wir hatten Sie in der vergangenen Woche mit guten Nachrichten bei den Steuern im neuen Jahr begrüßt. Nun wollen wir bei den anderen Abgaben und der Rente nachlegen. Was ändert sich also 2021 bei der Altersvorsorge, im Ruhestand und bei der Krankenversicherung? Wir verraten es schon jetzt: Es ist nicht alles gut, was sich da tut.

Grundrente kommt – aber mit Verzögerung

Was wurde in den letzten Jahren drüber diskutiert. Weil immer mehr Rentner leider mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen, muss der Staat helfen. Endlich konnte sich die große Koalition im vergangenen Jahr auf etwas einigen: die Grundrente! Und die gibt es nun seit dem 1. Januar 2021 für rund 1,3 Millionen Rentner, die nicht so viel Rente zur Verfügung haben.
Im Schnitt gibt es 75 bis 80 Euro im Monat mehr, in der Spitze sind es 418 Euro.
Doch wer bekommt die Grundrente?

  • Beitragsjahre: Wer mindestens 33 Beitragsjahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, hat Anspruch. Wer auf mindestens 35 Jahre gekommen ist, erhält den vollen Satz.
  • Einkommensgrenzen: Die liegen bei 1.250 Euro für Alleinlebende und 1.950 Euro für Ehepaare. Was darüber liegt, wird zu 60 Prozent angerechnet. Was über 1.600 beziehungsweise 2.300 Euro liegt, sogar komplett. 
  • Einkommen: Dazu zählt nicht nur die Rente, sondern auch anderes wie Kapitaleinkünfte (Zinsen, Dividenden, Aktiengewinne) und Mieteinnahmen.

Wichtig: Es ist kein Antrag nötig. Finanzämter und Rentenversicherungsträger ermitteln den Rentenanspruch automatisch und zahlen die Grundrente aus. Der Wermutstropfen: Weil deshalb die Daten von mehr als 20 Millionen möglichen Berechtigten geprüft werden müssen, verzögert sich die Auszahlung unter Umständen.

Rentenerhöhung fällt vermutlich aus – zumindest im Westen

Seit vielen Jahren haben sich die Renten immer zur Jahresmitte mehr oder weniger viel erhöht. Das könnte aller Voraussicht nach dieses Jahr anders sein. Im alten Bundesgebiet wird es wohl eine Nullrunde geben, nur in den neuen Bundesländern steht eine kleine Erhöhung um 0,7 Prozent zum 1. Juli im Raum. Warum ist das so? Nun, Sie ahnen es sicher schon: Es liegt zumindest indirekt an Corona. Die Höhe der Rentenerhöhung orientiert sich allgemein am aktuellen Lohnniveau. Und da es im Jahr 2020 viel Kurzarbeit und auch mehr Arbeitslosigkeit gab, ist kaum noch Luft für eine Rentenerhöhung.

Auch für Rentner – Soli weg, höherer Grundfreibetrag

Rund fünf Millionen Rentner sind mittlerweile steuerpflichtig. Und auch die dürfen sich wie die allermeisten Arbeitnehmer und Selbstständige über den Wegfall des Solidaritätsbeitrags sowie gestiegene Grundfreibeträge freuen. Heißt kurz zusammengefasst: Die Steuerlast (zählen wir den Soli da einfach mal mit rein) sinkt auch für Rentner.

Was passiert bei der Altersvorsorge?

Da gibt es im Wesentlichen drei wichtige Punkte:

  • Beitragsbemessungsgrenze: Die steigt von 6.900 auf jetzt 7.100 Euro in den alten Bundesländern und von 6.450 Euro auf jetzt 6.700 in den neuen. Was bedeutet das? Erst ab den neuen Beträgen wird vom Gehalt keine Rentenversicherung mehr abgezogen. Wer also zum Beispiel 7.000 Euro im Westen verdient, zahlt jetzt mehr in die Rentenkasse ein. Immerhin, damit steigt aber auch sein Rentenanspruch.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Hier steigen auch die Werte. Generell können Arbeitnehmer dort 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei einzahlen, 4 Prozent auch noch zusätzlich sozialversicherungsfrei. Das bedeutet konkret: Statt bisher 552 Euro sind jetzt 568 Euro steuerfrei. Und statt 276 sind jetzt 284 Euro zusätzlich auch noch sozialversicherungsfrei.
  • Basisrente /Rüruprente: Das ist eine private Altersvorsorge, die steuerlich gefördert wird. Im Jahr 2021 heißt es nun: 92 Prozent der geleisteten Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar. Also schon fast alles. Alles ist es dann ab 2025, denn der Prozentwert steigt jedes Jahr um 2 Prozent. Zudem sind auch die Höchstbeträge angestiegen, die sich in die Basisrente einzahlen lassen. 2021 sind es 25.787 Euro für Singles und 51.574 Euro für Ehepaare. Damit lassen sich schon beträchtlich Steuern sparen. Wenn man denn das nötige Kleingeld hat.

Krankenkasse wird oft teurer – wechseln Sie doch

Hier müssen wir nicht um den heißen Brei rumreden: Viele, vor allem große Krankenkassen wie TK, Barmer und AOK Plus, haben ihre Beiträge zum neuen Jahr erhöht. Genauer genommen den sogenannten Zusatzbeitrag. Im Schnitt steigt der von 1,00 Prozent auf 1,28 Prozent. Wenn Sie betroffen sind, wissen Sie es eh schon. Denn die entsprechenden Briefe kamen in der Regel noch kurz vor dem Jahreswechsel. Wer also keine Post bekommen hat, hat keine Erhöhung des Beitrags.
Immerhin: Es ist ab sofort viel einfacher, die Krankenkasse bei einer Beitragserhöhung zu wechseln. Sie müssen sich nur eine andere, günstigere Kasse suchen und dieser mitteilen, dass Sie dorthin wechseln wollen. Die neue Kasse kümmert sich dann um die Kündigung bei der alten Versicherung und sollte auch den Arbeitgeber informieren. Das können Sie aber auch mit einem kurzen Dreizeiler zusätzlich selbst machen.
Denken Sie also mal drüber nach, ob Sie nicht wechseln sollten. Sie können bares Geld sparen.

Was bedeutet das konkret für mich?
In diesem Jahr gibt es für rund 1,3 Millionen Ruheständler die neue Grundrente. Die allgemeinen Renten hingegen steigen aller Voraussicht nach nur im Osten. Wer fürs Alter vorsorgt, kann in diesem Jahr noch mehr dieser Ausgaben von der Steuer absetzen. Und zu guter Letzt: Wenn Ihr Krankenkassenbeitrag zum Jahreswechsel gestiegen ist, können Sie unproblematisch zu einer günstigeren Kasse wechseln.  

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Hans Heer sagt:

    ich habe mit Interesse ihren Beitrag gelesen. 2 Aspekte habe ich vermisst.
    1. Die Auszahlungen der Rürup Renten fallen dieses Jahr niedriger aus, da die Gesamtverzinsungen verringert wurden.
    2. Bei der neuen Grundrente werden leider freiwillig gezahlte Beiträge überhaupt nicht berücksichtigt. Bei mir leider dumm gelaufen mit 31 Pflichtjahren und 12 freiwilligen Jahren und immer noch zu geringer Rente. Irgendwie sind das leider wieder nur halbe Sachen die neue Ungerechtigkeiten hervorrufen.

  • Avatar Sieber sagt:

    Krankenkassen-Beiträge für Selbständige sind nicht wirklich nach dem „Grundsatz: Gleiches Recht für Alle“ formuliert! Es wundert mich, dass wir diese Ungleichbehandlungen akzeptieren: Während Beamte überhaupt nicht in die Krankenkassen und Rentenversicherungen einzahlen, wird bei Selbständigen sogar noch EInkommen aus Kapitaleinkommen und Vermietung zusätzlich zur Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge „berücksichtigt“ während dies bei Angestellten so nicht ist.


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