25.03.2016 · smart steuern ·

Infos für Unternehmer: Geringwertige und andere Wirtschaftsgüter

„Kann ich das von der Steuer absetzen?“ ist eine der häufigsten Fragen, die Sie sich als Existenzgründer oder nebenberuflich selbstständiger Unternehmer häufig stellen werden. Denn sobald die ersten Einnahmen eintrudeln, werden Sie ständig prüfen, welche Ausgaben sich für die neue Tätigkeit steuerlich geltend machen lassen.

Dabei werden Sie unweigerlich dem Begriff „Wirtschaftsgüter“ begegnen: Geringwertige Wirtschaftsgüter und reguläre Anlagegüter nämlich, zwischen denen bei Anschaffungen und Abschreibungen unterschieden werden muss.

Kriterien für Wirtschaftsgüter und deren steuerliche Einordnung

Wirtschaftsgüter sind Anschaffungen, die für die Verfolgung und Erzielung eines wirtschaftlichen Zwecks benötigt werden.

Ein Wirtschaftsgut muss beispielsweise

  • tatsächlich existieren, also greifbar sein
  • sich ohne jede Einschränkung im wirtschaftlichen und rechtlichen Zugriff befinden
  • nachweislich für betriebliche Zwecke geeignet und eingesetzt sein
  • übertragbar sein, kann also gekauft und verkauft oder an andere übertragen werden.

Bewegliche Wirtschaftsgüter können Gegenstände sein, unbewegliche Wirtschaftsgüter sind Gebäudeanlagen oder Grundstücke. Grund und Boden wird in der Regel nicht zu den abnutzbaren Wirtschaftsgütern gezählt, alle anderen beweglichen und unbeweglichen Wirtschaftsgüter werden als abnutzbar bezeichnet.

Alle Wirtschaftsgüter Ihres Unternehmens zusammengenommen stellen dann Ihr Betriebsvermögen als selbstständiger Unternehmer dar.

Wann können Sie Wirtschaftsgüter sofort absetzen?

Wirtschaftsgut an sich zeichnet sich per Definition durch eine mehrjährige Nutzung aus, es werden daher fast alle Wirtschaftsgüter auf mindestens ein Jahr abgeschrieben, so dass die entstehenden Abschreibungen den Gewinn des Unternehmens verteilt auf mehrere Jahre mindern.

Ausnahme sind geringwertige Wirtschaftsgüter. Die finanzielle Grenze zum so genannten „GWG“ liegt bei 410 Euro netto. Jeder anzuschaffende Gegenstand, der bis zu 410 Euro netto kostet, kann von Ihnen sofort und als Ganzes im laufenden Steuerjahr abgesetzt werden, sofern er beweglich und abnutzbar ist und eigenständig eingesetzt werden kann. Diese Summe beinhaltet auch die Anschaffungsnebenkosten. Alle Wirtschaftsgüter oberhalb dieser Grenze sind Wirtschaftsgüter, die Sie über mehrere Jahre abschreiben müssen.

Staffelung nach Anschaffungskosten:

Anschaffungskosten bis 150 Euro: Die GWG können sofort abgeschrieben oder nach Ablauf der normalen Nutzungsdauer voll abgeschrieben werden.

Anschaffungskosten zwischen 150 und 410 Euro: Es besteht die Wahlmöglichkeit zwischen Sofortabschreibung, Abschreibung nach der gewöhnlichen Nutzungsdauer oder der Bildung eines Sammelpostens mit einer Abschreibung über 5 Jahre. Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten über 410 Euro müssen dann jedoch über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Anschaffungskosten zwischen 410,01 Euro und 1.000 Euro: Die Abschreibung erfolgt entweder wieder nach der gewöhnlichen Nutzungsdauer oder durch Bildung eines Sammelpostens und der daraus resultierenden Abschreibung über 5 Jahre. In diesen Sammelposten sind dann auch alle Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 150,01 Euro und 410 Euro einzubeziehen.

Bildung eines Sammelpostens für GWG: Geringwertige Wirtschaftsgüter mit einem Wert zwischen 150 und 1.000 Euro können einer Sammelabschreibung zugeführt werden, die dann für jedes Wirtschaftsjahr gebildet werden muss. Dann werden sie linear über 5 Jahre abgeschrieben, also gleichmäßig mit jeweils einem Fünftel des Werts. In diesem Fall spielt die gewöhnliche Nutzungsdauer keine Rolle. Wenn ein Sammelposten aufgestellt wurde, dann müssen geringwertige Wirtschaftsgüter komplett darin erfasst werden und Sofortabschreibung steht nicht mehr zur Auswahl.

Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das den Betrag von 1.000 Euro übersteigt, muss es als Betriebs- und Geschäftsausstattung angerechnet werden und gemäß der AfA-Tabelle über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden.

Beispiele für geringwertige Wirtschaftsgüter

Abnutzbare, bewegliche geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- bzw. Herstellkosten bis zu 150 € betragen, können ebenfalls direkt als Betriebsausgabe gemäß § 6 Abs. 2 EStG abgesetzt werden und für diese besteht auch keine Dokumentationspflicht.

Typische geringwertige Wirtschaftsgüter, die selbstständig genutzt werden können, sind Kleinmöbel, Werkzeuge, Küchenausstattung fürs Büro, Datenträger, Telefone. Nicht angerechnet werden aber Gegenstände wie Drucker, Scanner oder Kombi-Werkzeuge, die ohne das zugehörige technische Umfeld nicht genutzt werden können. Ausnahme sind Multifunktionsgeräte: Wenn Sie einen Drucker kaufen, der auch Kopieren und Scannen kann und unter 410 Euro netto kostet, können Sie ihn als GWG auf einen Schlag absetzen.

Für die Einteilung in GWG ist immer der Nettobetrag zu betrachten: Auch wenn Sie ein umsatzsteuerbefreiter Kleinunternehmer sind und einen Gegenstand kaufen, der 175 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet, können Sie dieses Wirtschaftsgut sofort als Aufwand steuerlich geltend machen, weil der Nettopreis unter 150 Euro liegt.

Aber Achtung: Wenn Sie ein Wirtschaftsgut auch privat verwenden, muss der Teil der Abschreibungen, der auf Ihren privaten Anteil entfällt, dem Gewinn hinzugerechnet werden. Auch die darauf entfallene Umsatzsteuer muss dann nachträglich von Ihnen beglichen werden.

Nutzen Sie beispielsweise ein Smartphone nur zu 70 % betrieblich, werden, bei einem Anschaffungspreis von 200 € nämlich 60 € bzw. 30% zum Gewinn gezählt.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:

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