12.07.2017 · smart steuern ·

Steuern und Abgaben – so viel muss man zahlen

Seit einigen Wochen gibt es bei uns im Blog von smartsteuer immer wieder Artikel, die sich mit Steuerpolitik beschäftigen. Der Grund ist klar, in knapp zwei Monaten steht die Bundestagswahl 2017 ins Haus. Oft ging es in den Artikeln um Milliardenbeträge. Doch wie sieht es eigentlich ganz konkret mit Steuern und Abgaben aus? Wir haben für Sie eine Grafik erstellt, in der wir an einem Beispiel zeigen, wie hoch die Steuer-und Abgabenlast tatsächlich für eine Familie ist. Zugleich wollen wir so auch zeigen, was das für Leute bedeutet, die weniger verdienen und stellen die Frage: Ist das alles gerecht?

Die Familie Mustermann

Für die Grafik haben wir eine Mittelstandsfamilie mit zwei Kindern ausgewählt. Auf einen Blick ist zu sehen: Vom Brutto von rund 7.500 Euro bleibt zum Schluss etwas weniger als die Hälfte als „echtes Netto“ übrig. Woran liegt das? Zuerst muss man sehen, dass trotz Ehegattensplitting und Freibeträgen für die beiden Kinder, knapp 30 Prozent vom Brutto als Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag (Soli) abgezogen werden. Hier wird sehr gut deutlich, dass der Steuersatz schon recht hoch ist, obwohl die Familie eigentlich noch recht weit von Spitzenverdienern entfernt ist. Schuld daran ist der steile Anstieg der Steuerkurve gerade bei der Mittelschicht. Das Problem ist bei allen Parteien bekannt – und auch alle wollen an dieser Stelle ansetzen. Würden die Steuersätze weniger stark ansteigen, würde das für viele Weniger- und Normalverdiener effektiv eine geringere Steuerlast bedeuten.
Der zweite große Posten sind die Sozialabgaben – von denen profitiert aber dann auch die Familie ganz persönlich, weil sie zum Beispiel kranken- und rentenversichert ist.

Direkte und indirekte Steuern

Bis dahin dürfte das jedem bekannt vorkommen, aber neben dieser direkten Steuer (Lohnsteuer) und den Sozialabgaben kommen noch die indirekten Steuern hinzu. Das sind Steuern, die wir auch alle zahlen, aber es in der Regel nicht merken – und die in der Grafik unter sonstige Steuern zusammengefasst sind. Das macht für Familie Mustermann zwar nur rund acht Prozent vom Brutto aus, was aber dann auch schon mehr als 600 Euro sind. Jeden Monat!
So steckt im Preis von fast jedem Produkt die Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) drin. Unsere Familie zahlt allein dafür 335 Euro im Monat. Hinzukommen Energiesteuer, Kfz-Steuer, Versicherungssteuer, Grundsteuer und noch einige mehr. Offenbar gibt es unter Familie Mustermann auch einen Raucher, macht 36 Euro. Mal einen Wein oder ein Feierabendbier… die Alkoholsteuer schlägt mit 13 Euro zu. Und selbst die Kaffeesteuer kostet die Familie vier Euro im Monat. Sie sehen, Steuern werden auch an Stellen fällig, wo man nicht damit rechnet, dass man überhaupt welche zahlt.

Weniger Einkommen – was bedeutet das?

Stellen wir uns jetzt mal vor, dass unsere Beispielfamilie deutlich weniger Einkommen hätte. Ganz klar, sie würde auch entsprechend weniger Steuern und Sozialabgaben zahlen. Der prozentuale Anteil der Sozialabgaben würde meist unverändert bleiben und der Steueranteil sinken. Aber, und jetzt kommen wir zum Punkt: Die sonstigen Steuern würden kaum weniger. Warum? Nun, diese Steuern werden unabhängig vom Einkommen gezahlt. Vielleicht würde die Familie etwas weniger und günstiger einkaufen, aber alle anderen Werte blieben (nahezu) unverändert. Das bedeutet: Der prozentuale Anteil der indirekten Steuern würde erheblich steigen, am meisten müssten darunter die Geringverdiener leiden. Denn sie würden einen erheblichen Anteil ihres Einkommens für indirekte Steuern ausgeben. Über dieses Phänomen haben wir übrigens ausführlich in diesem Blogartikel geschrieben.    

Wie kann Steuergerechtigkeit gehen?

Wenn wir das ganz genau wüssten, könnten wir schon mal die Flüge zur Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaft reservieren. Im Ernst: Steuergerechtigkeit für alle wird es nicht geben. Versprechungen, dass alle nach der Bundestagswahl weniger Einkommensteuer (Lohnsteuer) zahlen, bedeuten auch, dass Geringverdiener und Nicht-Steuerpflichtige davon nicht profitieren. Eine Senkung der Mehrwertsteuer – immerhin war sie kürzlich erstmals im Gespräch – würde Steuergerechtigkeit schon mal etwas näher kommen. Alle würden profitieren, und wer mehr kauft, zahlt auch mehr Mehrwertsteuer. Doch eine Mehrwertsteuersenkung und eine Senkung der Einkommensteuersätze sind trotz guter Staatseinnahmen kaum vorstellbar. Hinzu kommt, dass durchaus nicht wenige Unternehmen eine Mehrwertsteuersenkung nicht (komplett) weitergeben würden. Beispiel: Ein Kleinwagen kostet 11.900 Euro. Darin sind 1.900 Euro Mehrwertsteuer enthalten. Würde der Mehrwertsteuersatz von aktuell 19 auf 15 Prozent sinken, dürfte das Auto nur noch 11.500 Euro kosten. Doch ob das tatsächlich passieren würde, ist zumindest fraglich. Bei kleineren Beträgen wie 4,99 Euro dreht es sich dann ohnehin nur noch um wenige Cent, kaum vorstellbar, dass das Produkt dann 4,82 Euro im Laden kosten soll.

Zusammenfassung: Schon eine durchschnittliche Mittelstandsfamilie zahlt mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Sozialabgaben sowie direkte und indirekte Steuern. Das ist unserer Meinung nach zu viel. Um das zu verbessern, gibt es einige Wege. Auf welchen sich die kommende Regierung nach der Bundestagswahl 2017 einigen wird, ist aber heute noch nicht absehbar. 

 


Juliane Bunte Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Wolfgang sagt:

    Liebe Leute,
    es wäre echt nett, wenn Ihr bei zukünftigen Beispielrechnungen
    bezügl. des monatlichen Bruttos ein wenig mehr Realität walten lassen würdet;
    wieviel % der deutschen Arbeitnehmer gehen denn wirklich mit einem
    Bruttoeinkommen von 7.500,- Euronen nach Hause?

  • Avatar Roxanne sagt:

    7538 ist also Mittelstand….okay dann weiß ich ja jetzt wo man mit 4000 anzusiedeln ist

  • Avatar Antonius sagt:

    Hallo!
    Ihre Berechnungen sind sicherlich richtig und dadurch für die Betroffenen ärgerlich, aber grundsätzlich in absehbarer Zeit nicht zu ändern. Egal wie die Bundestagswahl ausgeht, es wird immer nur um Details gehen.
    Viel trauriger bin ich darüber, dass ich offensichtlich nicht mehr zur „breiten“ Mittelschicht gehöre. Schade!
    Interessant und aufklärend wäre eine Statistik mit der Aufteilung der Einkommen, z.B. wo fängt die Mittelschicht an, wie lange gehöre ich noch zur „Unterschicht“ oder bin eigentlich schon arm!
    Ich halte den Ansatz für ziemlich realitätsfremd. Die angenommene Summe ist in Ordnung, aber wozu die störende Einstufung? Hinzu kommt die Ablenkung vom eigentlich wichtigen Thema bzw. Problem! Nochmals schade!

  • Avatar Stefan sagt:

    Ich kann mich nur meinen Vorrednern anschließen 7.500€ Brutto? Das sind Bilderbuchzahlen. So Stimmt dann auch wieder die Gesetzliche Renten und Pflegeversicherung 😉

    Glaube nur Zahlen die Du selber gefälscht hast!

  • Avatar Michael Schmidt sagt:

    Hm – verstanden…
    Auf einen Bierdeckel paßt deren ESt-Erklärung vermutlich kaum – aber was soll`s wenn diese „Mittelstandsfamilie“ ohnehin höchstens 10% der Bevölkerung aus-macht ? So kann man keine Steuerpolitik „verkaufen“… – die Masse fühlt sich so schlicht verarscht !

  • Avatar Niesel sagt:

    Guten Tag, also das entspricht nicht der Realität, eine Familie mit 2 Kindern mit ca. 7500 € Einkommen. Warum wird es immer so dargestellt.

  • Avatar Joe sagt:

    Wer seine Steuererklärung von einem Steuerberater erstellen läßt, oder sich von einem Steuerberater bei der Steuererklärung beraten lassen will, bekommt vom Steuerberater immer eine Rechnung, die er bezahlen muss. Da diese Kosten jedoch nur dadurch entstehen, dass das Finanzamt eine Steuererklärung haben will, sollte man von denen sowohl Schadenersatz für die Zeit verlangen, die man durch die Bearbeitung der Steuererklärung verliert, als auch Schadenersatz für die Kosten, die durch den Steuerberater entstehen.
    Am allerschlimmsten ist jedoch die Umweltverschmutzung, die durch das nutzlose Ausfüllen der Formulare entsteht. Sowohl das Papier, als auch die Tinte sind schädlich für die Umwelt, ganz zu Schweigen von den Energiekosten, die durch den Stromverbrauch etc. entstehen. Selbst wenn man alles „nur Online“ macht, kann es ja je nach Art der Energieversorgung zu ganz erheblichen Umweltschäden durch die Erstellung der Steuererklärung kommen, ganz besonders wenn man mit Kernenergie versorgt wird.
    Das Finanzamt verlangt ja viel zu viele Steuern für alles Mögliche. Wenn die unbedingt Ein allzu gutes Beispiel sind ja die Hundesteuern. Ich empfinde es als eine große Frechheit, dass das Finanzamt Menschen belästigt, um Hundesteuern einzutreiben. Wenn die schon unbedingt Geld von Hunden haben wollen, dann sollen sich die Finanzämter wenigstens direkt schriftlich an den Hund in dessen Hundesprache wenden, und nicht die Menschen damit belästigen. Auf diese Art und Weise könnte man den Menschen die Steuererklärung ganz erheblich erleichtern.
    Das Finanzamt sollte endlich mal aufhören ständig Geld von allen Menschen bei jeder Gelegenheit zu verlangen. Jedes gewöhnliche Unternehmen hat auch ohne Steuern schon genügend Probleme, die eigenen Kosten zu decken, Löhne zu bezahlen und auch noch Gewinne zu erwirtschaften. Das Finanzamt bringt ja noch nicht einmal in irgend einer Art und Weise eine Gegenleistung für die Berechnung der Steuern.
    Bei jedem vernünftigen Unternehmen bekommen Kunden beispielsweise hin und wieder Werbegeschenke, oder man bekommt beim Besuch wenigstens noch Bonbons, Luftballons, Kugelschreiber oder ähnliches geschenkt. Beim Finanzamt bekommt man ja überhaupt nichts mehr. Das Finanzamt bietet nur haufenweise Formulare, die vollgestopft sind mit Fremdwörtern und Paragraphen, die ein normaler Mensch unmöglich verstehen kann. Jeder normal denkende Mensch benötigt dann zwangsläufig schon einen Steuerberater, um überhaupt diese „Geheimsprache“ bewältigen zu können. Schon alleine deshalb ist es zwingend notwendig, vom Finanzamt für diese Frechheit einen sehr hohen Schadenersatz zu verlangen.
    Wer Formulare ausfüllen soll, kann dies doch nur dann wahrheitsgemäß machen, wenn man alles verstanden hat, was dort gefragt wird. Niemand kann eine Frage wahrheitsgemäß beantworten, wenn er nicht versteht, was damit gemeint ist…

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Also wenn es beim Finanzamt Luftballons geben würde, dann wäre die Fangemeinde bestimmt deutlich größer! 😀

  • Avatar Krämer.W sagt:

    Hallo.7500€ Mittelstand? Ich habe bis jetzt knapp 40 Jahre gearbeitet und bin froh das ich bei 3200€ angekommen bin. Muß davon 743€ Unterhalt an meine Kinder zahlen die ich nicht Steuerlich ansetzten kann . Und dann noch für die Rente sorgen? Steuern ohne Ende überall wo man was kaufen möchte muß man zahlen. Und die Mehrwertsteuer von 19 auf 17 oder 15% zu senken bringt für den kleinen Mann nichts. Dann werden die Güter halt teurer. Na Danke.

  • Avatar Bürgi sagt:

    Es wäre an der Zeit, auf die Barrikaden zu gehen:
    Strom zu teuer – 55 % kassiert der Verbrecherapparat, 20 % nochmal für Löhne, Betriebsgewinne und NK-Steuern – macht ca. 75 % an Steuern und Abgaben !

    Sprit zu teuer – Der EK für 1 Liter Treibstoff: 20 -25 Cent !

    Lebensmittel zu teuer – rechnet man alle Kosten und den Steuer aund Abgabenanteil des Staates, kommt man hier ebenfalls auf 60 – 75 % Steuern und Abgaben. (Maut, Lohnsteuer, Körperschaftssteuer, Mehrwertsteuer, Versicherungssteuer, KFZ-Steuern, u.s.w.)

    Arbeit unrentabel – da erst 20 % Lohnsteuer, dann 19 % MWSt und dazu versteckte Steuern und Abgaben – macht ganze 65-70 % an diese Verbrecher des Staates !

  • Avatar Stephen sagt:

    Also ich habe mir mal die Mühe gemacht und meiner gesamten staatlich verordneten Steuern, Abgaben, Gebühren zusammen gerechnet die sich der Staat von mir in einem Monat abgreift.
    Für mich ist die EEG Umlage, OffShore usw. auch mit einberechnet, da es für mit auch Steuern sind die der Staat aber anders nennt, damit Sie nicht in die steuerliche Belastung eingerechnet werden. Bei mir sind es jeden Monat 67,5 % die sich der Staat von meinem Bruttogehalt von
    3200,- € abgreift. Das ist eine Bodenlose Frechheit wir werden wie Sklaven behandelt! Und für was? Damit sich die oberen 10000 eine ELPHI oder sonstige Statussymbole von Steuern aller Bürger leisten. Wenn ich dann noch dazu rechne was ich zum Beispiel bei der Krankenkassenleistung noch aus eigener Tasche darauf zahlen muss, da es kaum noch 100% Kassenleistungen für einen Arbeiter/Angestellten gibt, dann ist der Prozentsatz bestimmt noch höher. Damit muss endlich Schluß sein.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    Ihr Beitrag passt wunderbar zu unserer Kampagne MACHEN STATT MECKERN: https://www.smartsteuer.de/blog/2019/02/27/machen-statt-meckern/


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