Alte Pendlerpauschale gilt wieder!

Bis 2006 konnten Sie Ihre Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte noch uneingeschränkt als Werbungskosten abziehen. Entsprechendes galt für Unternehmer bei den Betriebsausgaben. Möglich war dieser Abzug grundsätzlich in Form einer von den tatsächlich entstandenen Kosten und vom Verkehrsmittel unabhängigen Pauschale je Arbeitstag von zuletzt 0,30 € pro Entfernungskilometer, der sog. Entfernungs- oder Pendlerpauschale.

Mit Wirkung ab 2007 hatte der Gesetzgeber – aus haushaltspolitischen Gründen – kurzerhand bestimmt, dass die Wege zur regelmäßigen Arbeitsstätte keine Werbungskosten sind und damit das sog. Werkstorprinzip eingeführt. Um in bestimmten Härtefällen erhöhte Kosten abzugelten, durften Arbeitnehmer erst für Fahrten ab dem 21. Entfernungskilometer eine Pauschale von 0,30 € „wie Werbungskosten“ ansetzen.

Das Bundesverfassungsgericht hat die seit 2007 geltende Neuregelung als verfassungswidrig beurteilt. Die Richter haben sich für ihre Entscheidung die Gesetzesmaterialien zu der Neuregelung sehr genau angesehen. Sie vermissen darin „ein Mindestmaß an neuer Systemorientierung“ und kommen zu dem Schluss, dass ein rein fiskalischer Zweck wie die staatliche Einnahmenerhöhung für eine solche steuerrechtliche Änderung nicht ausreicht. Der Gesetzgeber muss jetzt rückwirkend zum 1.1.2007 die Verfassungswidrigkeit beseitigen, indem er das Gesetz ändert.

Bis zur gesetzlichen Neuregelung ist die „alte Pauschale“, also 0,30 € schon ab dem ersten Entfernungskilometer (einfache Entfernung!), – voraussichtlich bis 2009 – wieder anzuwenden. Wann der Gesetzgeber eine Neuregelung der Pendlerpauschale in Angriff nimmt und wie diese Neuregelung aussehen wird, ist zurzeit noch völlig offen.

Je nachdem, was Sie bisher in Sachen Pendlerpauschale schon unternommen haben, bedeutet das Urteil für Sie Folgendes:

Variante 1:

Sie haben in Ihrer Steuererklärung 2007 Ihre Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte ab dem ersten Entfernungskilometer angegeben. Sie haben Ihren Steuerbescheid für das Jahr 2007 schon erhalten und er enthält einen Vorläufigkeitsvermerk.

In diesem Fall sollen Sie „schnellstmöglich ihr Geld bekommen“, wie das Bundesfinanzministerium erklärt. Im Klartext heißt das: Die Finanzämter sollen angewiesen werden, die Rückzahlungen für das Jahr 2007 möglichst schon in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 zu leisten. Die schnelle Rückzahlung sollten Sie aber nicht als Großzügigkeit des Fiskus werten, sondern als Angst vor einer Verzinsung zu Ihren Gunsten! Die Politik erhofft sich davon übrigens positive Impulse für die Belebung der Konjunktur.

Variante 2:

Sie haben dem Gesetzgeber vertraut und sind deshalb davon ausgegangen, dass die Neuregelung schon ihre Richtigkeit haben wird. Deshalb haben Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung 2007 Ihre Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte entweder gar nicht oder erst ab dem 21. Entfernungskilometer angegeben.

Sie können das jetzt nachholen und sich so eine Steuerrückzahlung sichern: Reichen Sie Ihrem Finanzamt die Angaben zur Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und der Zahl der Arbeitstage einfach nach. Ihr Finanzamt soll Ihre Steuerfestsetzung für 2007 dann von Amts wegen ändern.

Variante 3:

Sie haben sich schon einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen oder Sie haben Einspruch eingelegt und Aussetzung der Vollziehung beantragt, die Ihnen Ihr Finanzamt vorläufig gewährt hat.

In diesem Fall ändert sich durch das Urteil nichts für Sie.

Selbstverständlich haben wir die neue Rechtslage in der KONZ Steuersoftware berücksichtigt: Bisher haben wir Ihnen die Option geboten, Ihre Fahrtkosten (2007) entweder ab dem ersten oder ab dem 21. Entfernungskilometer einzugeben. Mit dem Dezember-Update erhalten Sie die Möglichkeit, die Fahrtkosten standardmäßig wieder ab dem ersten Kilometer anzusetzen.

Rechenbeispiel: Für einen „durchschnittlichen Beschäftigten“ ergibt sich durch das Urteil – bei einer Entfernung zum Arbeitsort von der Wohnung von 20 Kilometern und 220 Arbeitstagen –, dass sich die steuerliche Bemessungsgrundlage um 1.320 € verringert. Gleichzeitig verringert sich die Steuerschuld um rund 350 €, die das Finanzamt bei den Varianten 1 und 2 zurückzahlt.

Achtung: Mit einer Einkommensteuererstattung wegen erhöhter Werbungskosten können Sie nur rechnen, wenn Ihre Fahrtkosten zusammen mit anderen Werbungskosten (z.B. für Arbeitsmittel, Fortbildungskosten, doppelte Haushaltsführung etc.) des jeweiligen Jahres – hier also 2007 – die Pauschale von 920 € übersteigen.

Siehe auch Pendlerpauschale und Kindergeld.

Machen Sie es sich einfach:

Berechnen Sie jetzt kostenlos, wie viel Sie vom Finanzamt erstattet bekommen und zahlen Sie erst bei Abgabe.

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