15.12.2014 · smart steuern ·

Auf den Hund gekommen – Steuern & Tiere (Serie, Teil 8)

Mittlerweile bin ich es ja als Verfasserin dieser kleinen Serie gewohnt, dass mich Freunde direkt zu Steuersachen fragen. Aus dem Stand kenne ich die Antworten natürlich auch nicht immer. So ging’s mir zum Beispiel bei Jennifers Frage. Sie hatte gehört, dass man für bestimmte Papageienarten Steuern bezahlen muss und fragte erst sich und dann mich, warum eigentlich? Und da es bestimmt den einen oder anderen gibt, der den Kindern zu Weihnachten ein Haustier schenken will, geht es heute um das Thema Tiere und Steuern.

Gute Steuer-Nachrichten für Haustierfreunde

Ich könnte nun lange um den heißen Brei herum schreiben, aber das ist nicht meine Art. Deshalb zuerst meine Antwort an Jennifer: Eine Steuer auf Papageien gibt es nach meinen Recherchen überhaupt nicht. Zumindest bis jetzt. Und ich kann sogar noch einen Schritt weiter gehen: In Deutschland muss fast überall nur für ein Haustier Steuern gezahlt werden – den Hund!

Allerdings: Es gibt tatsächlich immer wieder Versuche von Gemeinden, neue Steuern für Tiere einzuführen, um die klammen Kassen aufzufüllen. Das prinzipielle Recht dazu haben die Kommunen dank des Steuerfindungsrechts. Als dann in der Gemeinde Bad Sooden-Allendorf (Hessen) ab 2013 eine Pferdesteuer eingeführt werden sollte, sagte der Landesvorsitzende des hessischen Steuerzahlerbundes, Joachim Papendieck:

>>Wer heute eine Pferdesteuer vernünftig findet, weil es ja die Hundesteuer gibt, der wird morgen über eine Katzensteuer nachdenken, übermorgen eine Papageiensteuer vernünftig finden und nächste Woche vielleicht eine Goldhamstersteuer befürworten.<<

Recht hat er, der Herr Papendieck. Immerhin ist es bis jetzt, mit ganz wenigen Ausnahmen, bei der Hundesteuer geblieben. Die gibt es übrigens schon ganz schön lange:  Eingeführt wurde sie vor mehr als zweihundert Jahren – als Luxussteuer. Heutzutage dient sie offiziell dem Zweck, die Zahl der Hunde in einem Gemeindegebiet zu begrenzen.

Hundesteuer sehr verschieden

Besonders teuer wird es bei „Listenhunden“. Darunter sind Hunde zu verstehen, die als potenziell gefährlich eingestuft wurden. Für solche Kampfhunde zahlen Sie mancherorts gleich das Zehnfache eines „normalen“ Vierbeiners. Richtig teuer wird es auch, wenn Sie mehrere Hunde versteuern müssen, denn: Zweit- oder Dritthunde werden von manchen Gemeinden durchaus höher besteuert. Den Betrag legen die Gemeinden selbst fest. Die Folge sind große regionale Unterschiede. Mein Tipp: Wer Hundesteuern sparen will, sollte ins hessische Eschborn umziehen. Dort wird gar keine Hundesteuer erhoben. In Mainz hingegen werden 186 Euro pro Jahr für den ersten Hund fällig (kein Listenhund). Mit um die 100 Euro sollten sie im Schnitt jährlich rechnen.

Warum sich die Gemeinden nicht von der Hundesteuer lösen können, zeigt die Einnahmenseite: Knapp 300 Millionen Euro sprudelten im Jahr 2013 in die entsprechenden Kassen. Da schert es wenig, dass viele andere europäische Länder die Hundesteuer längst abgeschafft haben. Ein (wirklich nicht ernst gemeinter) Hinweis an klamme Kommunen: Eine Katzensteuer könnte es echt bringen, in deutschen Haushalten gibt es nämlich deutlich mehr Katzen (rund 12 Millionen) als Hunde (etwa 8 Millionen).

Steuern sparen mit Haustieren

Überraschung, Überraschung – einen Teil der Kosten für Ihr Haustier können Sie von der Steuer absetzen. Allerdings, so viel vorab: Die reißerischen Überschriften einiger Online-Magazine sind etwas übertrieben. Grob gesagt geht es um Folgendes: Kosten rund um das Haustier lassen sich absetzen, wenn sie den sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen zuzuordnen sind. So könnten Betreuungskosten für den Hund zu 20 Prozent abgesetzt werden, wenn ein Hundebesitzer regelmäßig einen Dogsitter kommen lässt (und den unbar, also per Überweisung, bezahlt – mit Rechnung, versteht sich). Allerdings klappt das mit dem Absetzen nur, wenn der Dogsitter sich ausschließlich im Haus oder Garten des Besitzers mit dem Hund beschäftigt. Das klassische Gassigehen war dem Finanzgericht Münster dann doch nicht haushaltsnah genug (Aktenzeichen: 14 K 2289/11 E).

Auch Tierarztbehandlungen können Sie teilweise absetzen, aber auch hier gilt: nur, wenn der Tierarzt zu Ihnen nach Hause kommt. Generell ist Vorsicht geboten: Ob Ihr zuständiges Finanzamt die Kosten anerkennt, ist nicht gesagt. Und der finanzielle Aufwand einer gerichtliche Auseinandersetzung übersteigt meist die Summe, um die es eigentlich geht.

Zusammenfassung: Mit wenigen Ausnahmen (mancherorts wurde beispielsweise eine Pferdesteuer eingeführt) ist der Hund das einzige Tier in Deutschland, für den Besitzer Steuern zahlen müssen. Mit rund 100 Euro pro Jahr müssen Sie rechnen. Mehrere Hunde und die sogenannten Listenhunde sind deutlich teurer. Aber letztlich: Was tut man nicht alles für Rocky oder Luna (die beliebtesten Hundenamen seit 1994!)?!

 

Was bisher geschah:
Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? (Serie Teil 1)
Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird (Serie Teil 2)
Das Gießkannenprinzip, oder: Was macht der Staat mit unseren Steuern (Serie Teil 3)
Wer muss eine Steuerklärung abgeben? (Serie Teil 4)
Wir geben ab zur Werbung – zu den Werbungskosten (Serie Teil 5)
Muss ich Steuern auf Erbschaften zahlen? (Serie Teil 6)
Lohnt es sich zu heiraten? Alles zu Steuerklassen (Serie, Teil 7)

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Andreas sagt:

    Das ewige Leid mit der Hundesteuer, ja wir kennen es und waren schockiert, als die Ankündigung kam, die Hundesteuer solle mal eben um über 40 Euro im Jahr erhöht werden. Zum Glück hatte aber die Bevölkerung deutlich gezeigt, dass es so nicht geht, doch eine geringere Erhöhung war trotzdem nicht mehr abzuwenden. Toll ist aber immer noch, dass die Hundesteuer fast nie für Dinge eingesetzt wird, die den Hunden zugute kommen. Kotbeutelspender, Freilaufflächen und Co. gibt es trotz massiver Steuersätze fast nirgends.

  • Avatar Susa sagt:

    Andreas, das wäre ja noch schöner wenn man Steuern für das einsetzen würde für das man sie eingenommen hat.
    😉

  • Avatar Boris sagt:

    Ich finde diesen Beitrag sehr interessant und hilfreich. Tiere sind zwar keine Menschen, doch auch sie müssen sehr gut versorgt werden. Genau wie bei uns, benötigen auch sie Ergänzungsmittel, um gesund zu leben.

  • Avatar Michael sagt:

    Ja ich kenne das von unserer Gemeinde. Die Hundesteuer wird hier nur benutzt um Löcher im Haushalt zu stopfen.


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