25.10.2022 · Arbeitnehmer · smart steuern ·
Lesezeit: 4 Min.

Gruselige Steuermythen aufgeklärt: Lässt sich das absetzen – oder nicht?

Viele Legenden kursieren an Tagen wie diesen, kurz vor Hallowee… ähm, ich meine natürlich kurz vor dem Steuerstichtag. Das ist der Tag, an dem die Steuererklärung für das Jahr 2021 angegeben werden muss. Dieser fällt in diesem Jahr auf den 31. Oktober. Die gruseligsten fangen oft an mit: „Kein Problem, das kann ich alles von der Steuer absetzen.“ Klar, bei manchen Ausgaben stimmt das auch. Aber damit Sie frei erfundenem Steuer-Spuk nicht auf den Leim gehen, habe ich mir die Geschichten rund um die Steuererklärung angeschaut. Und ganz genau aufgeschlüsselt, was sich wirklich von der Steuer absetzen lässt – und was NICHT.

Die Sage von Versicherungen in der Steuererklärung – was ist dran?

In unsicheren Zeiten ist uns eines besonders wichtig: die Sicherheit. Und was ist wohl sicherer als eine Versicherung? Na, wie viele Versicherungen haben Sie? Ich bin mal so frei und sage: Jeder in Deutschland Ansässige hat mindestens eine. Aber Versicherungen – auch wenn sie absolut Sinn machen – können ganz schön ins Geld gehen. Da möchte man nur zu gern dem Steuermärchen von „Alles absetzbar“ glauben. Aber was ist dran an dieser Geschichte?

Auflösung: Manche Versicherungen eignen sich tatsächlich, um die eigene Steuerlast zu senken. Aber die Betonung liegt hier auf manche. Denn nur Versicherungsbeiträge für Schäden bei Personen werden vom Fiskus anerkannt. Reine Sachversicherungen zählen nicht dazu. Zum Beispiel: Die Haftpflichtversicherung sollte auf jeden Fall in die Steuererklärung, aber die Hausratversicherung nicht. Genauso gilt das natürlich beim Auto: Haftpflicht Ja, Kasko Nein. Nicht absetzbar sind außerdem die private Rentenversicherung als Kapitalanlage oder die private Rechtsschutzversicherung. Mehr Informationen zum Absetzen von Versicherungen finden Sie natürlich auch in unserem Blog – z.B. im Artikel „Gut versichert – aber was lässt sich von der Steuer absetzen?“.

Die schöne Steuer-Mär rund um die eigenen Kinder – wahr oder falsch?

Jeder, der sie hat, weiß Bescheid: Kinder sind ganz schön teuer! Wäre es da nicht umso schöner, wenn sich die ganzen Kosten einfach von der Steuer absetzen ließen? Tja, was märchenhaft klingt, ist in der Realität gar nicht so schnell erklärt. Klar, auch in Sachen Steuern erhalten Eltern Unterstützung. Zum Beispiel durch Kindergeld oder Kinderfreibeträge. Allerdings lässt sich noch lang nicht jede finanzielle Stütze für den Nachwuchs in der Steuererklärung angeben. Welche Kosten kann man nicht von der Steuer absetzen?

Auflösung: Neben dem leiblichen Wohl der Kindern ist auch die Bildung ein wichtiges Gut. Allerdings wird die über die Steuer in Deutschland nur in Form eines Ausbildungsfreibetrags in Höhe von 924 € im Jahr unterstützt. Und auch nur, wenn noch Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag besteht und das Kind nicht mehr bei den Eltern wohnt. Die Kosten für Nachhilfeunterricht sind damit also nicht abgedeckt. Auch der Unterhalt für Kinder ist übrigens nicht absetzbar, solange ein Elternteil Kindergeld bezieht oder den Kinderfreibetrag in Anspruch nimmt. Wenn Ihnen das jetzt alles ein bisschen zu kompakt war, denn lesen Sie gerne im Detail in unserem Steuer-ABC unter K wie Kinder oder in diesem Artikel nach.

Die Geschichte von 1.001 Stunden im eigenen Arbeitszimmer – absetzbar, oder nicht?

Vor zwei Jahren war noch alles anders und nur wenige glaubten der Legende vom absetzbaren Arbeitszimmer im eigenen Zuhause. Doch die Pandemie hat alles verändert. Jetzt kann ich meine Arbeitsecke einfach in der Steuererklärung angeben – oder etwa nicht?! Achtung, diese Annahme geistert schön länger durch die Gesellschaft der Steuerzahlenden. Doch kann man den Erzählungen wirklich Glauben schenken?

Auflösung: Wenn Sie jetzt hellhörig geworden sind, dann nicht ganz zu Unrecht. Denn tatsächlich gibt es seit dem ersten Lockdown 2020 eine Änderung zur Absetzbarkeit vom Home-Office. Und hier versteckt sich auch der Ursprung eines großen Missverständnisses. Denn ja, die Homeoffice-Pauschale lässt sich für die Arbeit von Zuhause in der Steuererklärung angeben. Fürs eigene Arbeitszimmer ist das aber etwas komplizierter. Und nur unter gewissen Bedingungen überhaupt möglich. Richtig gut erklärt hat das Simon auf unserem smartsteuer YouTube-Kanal:




Erst Halloween und bald kommt der Weihnachtsmann – ist der eigentlich steuerlich absetzbar?

Der Steuermythos um den Weihnachtsmann ist mein persönlicher Favorit. Denn hier muss ich auch immer ein bisschen Schmunzeln – über die Findigkeit mancher Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Denn tatsächlich macht die Erzählung die Runde, dass die Kosten für einen engagierten Weihnachtsmann als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzbar sind. Aber ist das wirklich Trick 17 oder einfach nur ein netter Versuch?

Auflösung: Ich spanne Sie nicht lange auf die Folter: Der Weihnachtsmann lässt sich leider nicht von der Steuer absetzen. Denn tatsächlich zählt sein Auftritt als „künstlerische“ Leistung – ähnlich einem Klavierspieler für die Weihnachtsfeier. Sie könnten allerdings – nur für die Steuer natürlich – versuchen, einen Koch anzustellen und diesen zu überreden, im roten Mantel zu kommen…

Was bedeutet das konkret für mich?

Egal, ob gruselig oder nicht: Sie sollten nicht jeden Steuermythos für bare Münze nehmen. Klar, manche Dinge lassen sich überraschender Weise doch von der Steuer absetzen. Sie sollten allerdings nicht blind darauf vertrauen und lieber noch einmal alle Fakten checken. Und damit das noch ein bisschen leichter wird, halten wir Sie natürlich auch immer auf dem Laufenden. Zu aktuellen Änderungen rund um die Themen Steuern und Finanzen – und der ein oder anderen Geistergeschichte. Happy Halloween!


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