01.04.2015 · smart steuern ·

Steuereinnahmen sprudeln – was tut sich für den Bürger?

Das Jahr 2015 hätte für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen in den Bundesländern nicht besser beginnen können. Zumindest innerhalb Deutschlands, Griechenland lassen wir jetzt mal außen vor. Denn sowohl im Januar als auch im Februar stiegen die Steuereinnahmen im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich – und auch stärker, als Experten erwartet hatten. Da könnte man doch eigentlich auch ein paar Milliarden wieder unters Volk bringen, möchte man meinen…

Plus, mehr Plus, noch mehr Plus

Im Januar flossen 43,2 Milliarden Euro in die Kassen von Bund und Ländern, ein Plus im Vergleich zum Januar 2014 von 4,1 Prozent (rund 1,7 Milliarden Euro).
Getoppt wurde das durch den Februar: 45,7 Milliarden Euro waren es, eine Steigerung zum Vorjahr von satten 6,0 Prozent (2,6 Milliarden Euro).

Das allein würde schon Begehrlichkeiten wecken, doch schaut man sich die Zahlen ganz genau an, wird es noch deutlicher: Im Januar nahm allein der Bund 8,1 Prozent mehr ein, im Februar immer noch 6,6 Prozent. (Die Länder hatten nicht so viel Plus.)

Keine Angst, ich höre gleich auf mit den Zahlen. Aber die Frage nach dem Ursprung des steilen Wachstums muss schon erlaubt sein. Am stärksten stiegen die Einnahmen durch Lohnsteuern. Im Januar waren es 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr, im Februar sogar 6,8 Prozent. Im Februar sorgte darüber hinaus auch die Umsatzsteuer (+5,8 Prozent) für den starken Anstieg.

Aufschwung durch den kleinen Mann

Und was bedeutet das? Es war vor allem der kleine Mann, der für das große Plus gesorgt hat. Der einfache Angestellte! Denn Lohnsteuern werden nun mal von Arbeitnehmern gezahlt. Und eine stark gestiegene Umsatzsteuer deutet auf höhere Konsumausgaben hin. Und da machen es die vielen konsumfreudigen Leute, die mit ihren Einkäufen für sprudelnde Steuereinnahmen gesorgt haben.

Im Finanzministerium ist man – wen überrascht’s? – erfreut über die insgesamt positive Entwicklung. Dort heißt es: „Die deutsche Wirtschaft ist gut in das 1. Quartal gestartet. Die Wirtschaftsdaten deuten insgesamt auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Expansion hin.“ Doch von den bisherigen Finanzplanungen will man nicht abrücken. Das heißt für Otto Normalverbraucher vor allem eins: Es bleibt alles wie es ist. Keine Steuerentlastungen oder ähnliches.

Stattdessen sogar weitere Schulden nötig

Auch wenn es im ersten Moment unlogisch klingt: Der Bund wird sich weiter viel Geld leihen müssen – um Altschulden in Höhe von mehr als einer Billion Euro (so sieht das übrigens aus: 1.000.000.000.000) zu begleichen. Und da sind die „paar“ Milliarden mehr an Steuereinnahmen in den ersten beiden Monaten des Jahres eben nur die sprichwörtlichen „Peanuts“.  Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Im 2. Quartal will sich der Bund 47,5 Milliarden Euro leihen, im gesamten Jahr 2015 knapp 200 Milliarden – um damit wiederum Alt-Forderungen von Geldgebern zu tilgen. Immerhin: Die knapp 200 Milliarden wären die geringste „Leih-Summe“ seit 2002.

Versuchen wir einfach, dem Ganzen etwas Positives abzugewinnen: Es dürfte dem Finanzminister angesichts der aktuellen Steuer-Mehreinnahmen wenigstens sehr schwer fallen, eine Steuererhöhung vermitteln zu können…

Geschrieben von:
Stefan Heine Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Mit viel Ruhe sorgt Stefan für Ausgleich und Harmonie im smartsteuer Team.
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