10.09.2015 · smart steuern ·

Feste feiern – und dann auch noch von der Steuer absetzen (Serie, Teil 28)

Vor kurzem beschrieb ich in Teil 26 meiner Serie, wie sich sogar im Urlaub Steuern sparen lassen. Kurz gesagt: Alles steht und fällt damit, ob Teile der Reise beruflich veranlasst sind. Und diese berufliche Veranlassung ist auch entscheidend in diesem Artikel, in dem es um eine Feier geht…

Beruflich oder nicht-beruflich – das ist hier die Frage

Ein Arbeitnehmer gab bei seinem Abschied aus seiner bisherigen Firma – der übrigens schon im Jahr 2010 stattfand – sprichwörtlich so richtig einen aus. Mehr als 5000 Euro standen zum Schluss auf der Uhr! Das sind Werbungskosten, meinte der Maschinenbau-Ingenieur und wollte das Geld von der Steuer absetzen. Da könne ja jeder kommen, so lässt sich die Antwort des Finanzamts deuten. Das sei ja wohl eine private Feier gewesen – zumindest würde die private Veranlassung überwiegen. Und weil es damit ein Privatvergnügen sei, können die Kosten dafür auch nicht abgesetzt werden. Der Mann war natürlich anderer Meinung – und das Finanzgericht Münster gab ihm kürzlich sogar höchstrichterlich recht! (Az. 4 K 3236/12 E)
Bevor Sie nun aber gleich auch Ihre Abschiedsparty planen (und wie Sie die Kosten absetzen), lesen Sie erstmal, warum das Gericht so entschieden hat. Sie ahnen es vielleicht schon – es geht um die berufliche Veranlassung…

Die Details der Abschiedsfeier

Worum ging es nun genau? Der Diplom-Ingenieur hatte rund 13 Jahre bei der Firma als leitender Angestellter gearbeitet und stand unmittelbar vor einem Wechsel zu einer Fachhochschule, wo er eine Lehrtätigkeit im Fachbereich Maschinenbau aufnahm. Am Donnerstag, den 23. September 2010 feierte er in einem Hotel-Restaurant seinen Abschied. Die Rechnung für 96 Personen betrug exakt 5055,30 Euro. Davon kostete das Essen 3062,40 Euro (Büffet pro Person 31,90 Euro) und die Getränke knapp 2000 Euro. Schließlich fielen noch 150 Euro für musikalische Unterhaltung an. Insgesamt 5206 Euro wollte der Mann als Werbungskosten absetzen.

Die 5 Gründe für die Anerkennung der Feier als Werbungskosten

Warum bekam der Mann nun recht? Die wichtigsten Punkte aus der Urteilsbegründung.

  1. Alle Gäste, mit Ausnahme seiner Ehefrau, stammten aus seinem beruflichen Umfeld. Die Einladung ging nur an Kollegen, Vorgesetzte, Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner, Wissenschaftler und Behördenvertreter, meist auch ohne die jeweiligen Lebenspartner mit einzuladen.
  2. Der Ingenieur wickelte die Organisation der Feier mit Hilfe einer Sekretärin seiner Firma ab. So hat sich auch der Arbeitgeber zumindest indirekt an den Kosten der Feier beteiligt, bei einer privaten Feier hätte er das sicher nicht getan.
  3. Der Chef des Unternehmens hielt eine Laudatio. Diese Rede sei zwar nur kurz gewesen, würde aber auf einer privaten Feier kaum stattfinden.
  4. Auch die Höhe der Kosten von rund 50 Euro pro Person seien nicht zu hoch angesetzt, meinte das Gericht. Begründung: Im Verhältnis zur beruflichen Stellung und vor allem zum Bruttojahresverdienst des Mannes im Jahr 2010 (rund 240.000 Euro!) sei die Kosten nicht so hoch, dass man daraus eine private Veranlassung sehen könne.
  5. Auch die Begründungen für den Ort der Veranstaltung (Hotel-Restaurant) und den Termin (18 Uhr) fand das Gericht begründet. Das Restaurant sei im Prinzip nicht besser oder schlechter als eine Feier in den Räumlichkeiten der Firma. Nur eine Feier in den eigenen vier Wänden geht gar nicht. Mit dem Termim wollte der Diplom-Ingenieur lediglich sicherstellen, dass auch auswärtige Gäste an der Feier teilnehmen könnten.

Zusammenfassung: Eine Abschiedsfeier lässt sich zwar von der Steuer absetzen. Allerdings muss es dabei einen eindeutigen beruflichen Hintergrund geben. Sind auch private Gründe erkennbar, dürfte das Finanzamt die Anerkennung eher verweigern.

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Bis dass der Tod euch scheidet – der Ehegattenunterhalt (Serie, Teil 27)

Geschrieben von:
Theresa Voigt Theresa war anfangs ein kompletter Steuer-Neuling. Mittlerweile hat sich die gelernte Softwareentwicklerin aber als Semi-Steuerprofi entpuppt und beschäftigt sich seither hauptsächlich mit den alltäglichen Problemen und Fragen im Hinblick auf die Steuererklärung. Durch das Muttersein ist sie gleichzeitig zum Organisationstalent geworden und hält im selben Atemzug das Entwickler-Team im Zaum.
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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Denise Horns sagt:

    Mein Mann und ich betreiben einen landwirtschaftlichen Betrieb und wollen nun zum Saisonende auch eine berufliche Feier organiseren, und zwar ein Erntedankfest für alle Helfer, die uns in diesem Jahr mit Zeit und Maschinen unterstützt haben. Nun stellt sich uns die Frage, ob wir diese Feier auch in Form von Werbungskosten steuerlich geltend machen können. Die Feier findet allerdings bei uns zu Hause statt, was ja aber auch gleichermaßen die Arbeitsstätte ist. Da ich bei meinem Mann angestellt bin übernehme ich die Planung und Vorbereitung für dieses Fest während meiner Arbeitszeit. Was sagen die Experten dazu?

  • Björn Waide Björn Waide sagt:

    Kosten einer Betriebsfeier können komplett als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Beachten Sie aber bitte die 110-Euro-Grenze: Wenn die Kosten einer Betriebsveranstaltung pro Teilnehmer den Freibetrag von 110 EUR überschreiten, wird Lohnsteuer fällig.

  • Avatar Julia sagt:

    Ich habe im August ein Sommerfest für Kunden, aber auch Familie (weil diese mich bei der Kinderbetreuung unterstützen) bei mir zu Hause veranstaltet, wo aber auch der Firmensitz ist. Kann ich das nun steuerlich geltend machen. Am Folgetag war mein Geburtstag, das war aber nicht der Anlass. Organisiert habe ich selber, da das mein Job ist (ich habe eine Event Agentur) und ich natürlich auch zeigen wollte, was ich kann…
    Vielen Dank für eine Antwort

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Kosten sind als Betriebsausgaben abziehbar, wenn das Sommerfest beruflich veranlasst war.
    Wenn Sie die berufliche Veranlassung schlüssig darlegen können, sollte das Finanzamt dem Ansatz nachkommen.

  • Avatar Julia sagt:

    Vielen Dank für die Antwort, Frau Bunte.
    Wie lege ich denn die berufliche Veranlassung schlüssig dar?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Halten Sie Beleg bereit, die das Finanzamt anfragen könnte. Das können zB die Gästeliste oder die Werbung für dieses Event sein.


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