07.04.2017 · smart steuern ·

Neue Fristen und Regeln für Belege: Das ist Sache!

Keine Zettelwirtschaft mehr und auch noch mehr Zeit für die Steuererklärung – das sind Schlagzeilen die jeden Steuerzahler freuen dürften. Seit Monaten und gerade jetzt wieder ganz besonders ist davon in den klassischen Medien und im Internet zu lesen. Doch bevor Sie sich jetzt zurücklehnen, Ihre Steuerbelege wegwerfen und sich extra viel Zeit bei der Steuererklärung lassen, sollten Sie unbedingt diesen Blogbeitrag lesen. Denn ganz so schnell geht das alles doch nicht.

Neues Gesetz bringt neue Regeln – aber wann?

Wir wollen hier keine Kollegenschelte betreiben – wenn ich mich als Blog-Autor mal als Kollege von Journalisten betrachte – aber da ging in den letzten Monaten einiges schief. Und das betraf vor allem die Änderungen rund um die Steuererklärung. Hintergrund ist das neue Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens, über das wir hier im Blog auch schon berichtet haben – und das zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Weil der Stichtag für das Gesetz eben Anfang diesen Jahres lag, dachten wohl einige, dass auch alle Änderungen in diesem Jahr greifen. Und um es kurz zu machen: Das ist falsch! Was sich wann genau ändert, wir erklären es hier.

Zettelwirtschaft – das sind die Fakten

Jeder, der schon mal eine Steuererklärung gemacht hat, weiß es. Neben dem Ausfüllen der Steuererklärung sind jede Menge Belege und Quittungen nötig. Um zum Beispiel Werbungskosten abzusetzen oder außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen, braucht es eben eine gewisse Gründlichkeit. Doch welche der vielen Belege muss man eigentlich mit der eigentlichen Steuererklärung ans Finanzamt schicken? Das haben wir in diesem Blogartikel ausführlich beschrieben. Generell sollten bisher im Zweifel lieber mehr als weniger Unterlagen geschickt werden.
Alles wird besser – heißt es nun im oben erwähnten neuen Gesetz. Aus der Belegpflicht wird eine Belegvorhaltepflicht. Heißt auf deutsch: Statt die gesammelten Werke ans Finanzamt zu schicken, müssen die Belege „nur noch“ zu Hause aufgehoben werden.
Aber: das gilt noch nicht nur für die Belege, die Sie in diesem Jahr sammeln – sondern erst für die ab dem Jahr 2017. Wenn Sie also dieses Jahr die Steuererklärung machen, müssen Sie sie noch schicken. Erst ab nächstem Jahr gilt: Gut aufbewahren. Mindestens vier, aber besser zehn Jahre. Denn das Finanzamt kann sie jederzeit anfordern, wenn der Verdacht der Steuerhinterziehung besteht. Darüber hinaus sollten auch dann trotzdem einige Unterlagen geschickt werden – und zwar wenn es außergewöhnliche Dinge sind, die Ihre Steuerlast mindern können. Dazu gehören unter anderem eine größere Spende, Umzugskosten oder wenn Sie erstmals Pauschbeträge in Anspruch genommen werden.

Frist für die Steuererklärung – das sind die richtigen Daten

Zwei Monate mehr Zeit für die Steuererklärung, so lauteten die Überschriften oft. Aber vergessen Sie das einfach fürs Erste. Denn das Gesetz sagt klipp und klar, ab wann das wirklich greift. Erst für das Steuerjahr 2018 darf die Steuererklärung später eingereicht werden – das bedeutet, erst im Jahr 2019 können Sie sich tatsächlich zwei Monate länger Zeit lassen, genauer gesagt bis zum 31. Juli. Diese zwei Zusatzmonate gibt es auch, wenn Sie einen Steuerberater nehmen. Der hat dann bis Ende Februar des Jahres drauf Zeit, erstmals lautet der Stichtag dann 29. Februar 2020.

Zusammenfassung: Erst ab dem Jahr 2018 müssen (fast) keine Belege mehr zum Finanzamt geschickt werden. Und erst ab 2019 darf die Steuererklärung zwei Monate später abgegeben werden.


Juliane Bunte Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Karl-Heinz Meyer sagt:

    Es ist wirklich so, man kann sich einige Seiten im Internet ansehen und erhält verschiedene Aussagen. Letztes Beispiel: am 31.03. beschloss der Bundestag … und dann geht es los … GWG ab 800 €, ab 410 €?, Kleinbetragsverordnung 200 €, 250 €? Haben wir mehrere Bundestage, die verschieden beschließen? Kommen nicht gleiche Informationen aus dem Bundestag? Schreiben einige Leute nur über das Papier, was vorliegt und ignorieren, was beschlossen wurde? Oder sollte ich doch lieber unter alles, was so veröffentlicht wird, EDV darunter schreiben? (Es droht Verwirrung) … Ich dachte immer, auf so einer Internet-Seite kann man Fehler sofort korrigieren!?! Beim Buch muss ich auf die nächste Auflage hoffen! Auf der anderen Seite zeigt diese Praxis mir, wie unprofessionell solche Beschlüsse/Gesetze vorbereitet werden. Hinzu kommt, dass das BMF schreibt, jeder Unternehmer … ohne Ausnahme, muss ab 2017 seine EÜR und Steuererklärung nur noch elektronisch abgeben!! Die Ausnahme, bei Einnahmen unter 17.500 € musste man es nicht, gilt nicht mehr. Die pure Erpressung durch das BMF. Wenn ich überlege, als ich meine ersten Steuererklärungen mit einem Programm am PC erstellte, wurde ich den Ausdruck beim Finanzamt gar nicht los. Sie wollten nur ihren eigenen Vordruck und heute geht es nicht schnell genug, seine Daten per Internet zu schicken.

  • Avatar Alex sagt:

    „Erst für das Steuerjahr 2018 darf die Steuererklärung später eingereicht werden – das bedeutet, erst im Jahr 2019 können Sie sich tatsächlich zwei Monate länger Zeit lassen, genauer gesagt bis zum 31. Juli. Diese zwei Zusatzmonate gibt es auch, wenn Sie einen Steuerberater nehmen. Der hat dann bis Ende Februar des Jahres drauf Zeit, erstmals lautet der Stichtag dann 29. Februar 2021. “
    Falsch. Für Steuerberater: 14 Monate nach dem 31.12.2018 ist der 29.2.2020, nicht der 29.2.2021, zumal 2021 nicht mal ein Schaltjahr ist.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Oh, da ist uns wohl ein kleiner Tippfehler durchgerutscht.

  • Avatar Klaus Melchior sagt:

    ZU Aus der Belegpflicht wird eine Belegvorhaltepflicht:

    Zu Arzt-/Rezepte-Rechnungen lege ich seit Jahren (nur) eine saubere Zusammenstellung aller Beihilfe- und PKV-Erstattungen bei:
    {Rechnunbgsbetrag – Erstattung = Selbstzahlung)
    Die Summierung(en) auch für den Ehepartner wurden stets vom Finanzamt bei den außergewöhnlichen Belastungen anerkannt.

    Vielleicht ein Ermessen der jeweiligen Finanzverwaltung – aber das wird bestimmt anderswo auch als arg arbeitserleichternd registriert – insbesondere für ältere Steuerzahler mit bereits gesteigertem Beleganfall.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)