29.07.2016 · smart steuern ·

Ist das Kunst – oder kann das weg? Werbungskosten in der Praxis (Serie, Teil 59)

Eine Kunstlehrerin besucht regelmäßig Kunstausstellungen – und will die dadurch entstandenen Kosten zumindest anteilig als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Ein Fall, wie er oft vorkommt in Steuer-Deutschland. Denn diese Kosten werden vom Finanzamt nur anerkannt, wenn sie – vereinfacht gesagt – beruflich bedingt sind. Doch das ist in vielen Fällen nicht unmittelbar klar, weshalb viele Fälle schließlich vor einem Finanzgericht landen. Auch die Kunstlehrerin ging diesen Weg. Wie das Urteil ausfiel und was es mit beruflichen/privaten Aufwendungen auf sich, lesen Sie hier.

Werbungskosten: Theorie und Praxis

Schon ziemlich am Anfang meiner Serie (genauer im Teil 5hatte ich erklärt, was Werbungskosten sind und auch Beispiele genannt. Geregelt ist alles im § 9 des Einkommensteuergesetzes, ein sehr länglicher Paragraph
Viele kennen zum Beispiel die Kilometerpauschale oder typische Berufskleidung, die sich absetzen lassen. Und wer Telefon/Internet nicht nur privat, sondern auch beruflich nutzt, kann die Kosten zumindest anteilig absetzen. Neben diesen Beispielen gibt es auch noch andere Sachen, die entweder per Gesetz oder durch höchstrichterliche Entscheidung einigermaßen geklärt sind. Aber viele andere nicht, wie auch der Fall der Kunstlehrerin. Und immer geht es um die eine Frage: Sind die Ausgaben beruflich bedingt, lassen sie sich in einen beruflichen und privaten Teil aufteilen – oder handelt es sich eben doch nur um Privatvergnügen.

Der Fall der Kunstlehrerin

Es handelt sich um eine Oberstudienrätin, die an einem Gymnasium in Baden-Württemberg Bildende Kunst unterrichtet. Außerdem ist sie als freiberufliche Kunstmalerin tätig. Damit machte sie laut Gerichtsunterlagen ausschließlich Verluste, die „mangels Einkünfteerzielungsabsicht“ steuerlich aber nicht berücksichtigt wurden. Im Steuersprech heißt so etwas übrigens „Liebhaberei“. Im Gerichtsverfahren ging es um die Steuerjahre 2009 und 2010, in denen die Frau verschiedene Kunstausstellungen und Vernissagen besuchte. Dort konnte sie unter anderem neue Entwicklungen und Technik auf dem Feld der Kunst kennenlernen, was unmittelbar ihrem Unterricht zugute kommen sollte und somit auch ihrem beruflichen Fortkommen.
Die Kosten (Beiträge zu Kunstvereinen, Eintrittskarten, Fahrtkosten u.ä.) wollte die Lehrerin zu 50 Prozent als Werbungskosten (für ihre Arbeit als Lehrerin) absetzen. Die anderen 50 Prozent seien ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Malerin zuzurechnen. Wir sprechen schließlich von 514,45 Euro Werbungskosten in 2009 und 985,40 Euro in 2010.

Urteil und Begründung

Das Gericht lehnte die Klage der Kunstlehrerin komplett ab (Az. 13 K 2981/13). Die Urteilsbegründung ist – wen wundert’s – nicht ganz so leicht zu verstehen. Ich versuche es mit einer einfacheren Erklärung:
Die Kosten für den Besuch von kulturellen Veranstaltungen lassen sich nur absetzen, wenn der Grund nahezu ausschließlich beruflich ist. Denn eine Aufteilung in beruflich/privat sei nicht möglich, weil es keine objektiven Kriterien dafür gebe. Und von einer nahezu ausschließlich beruflichen Veranlassung könne nicht die Rede sein, so das Gericht. Die Lehrerin würde als kulturell interessierte Frau solche Veranstaltungen auch besuchen, wenn es nichts mit ihrem Beruf zu tun hätte. Zum Beispiel nach ihrer Pensionierung.
Und dieses Beispiel macht es wohl am klarsten, warum die Frau schließlich verlor…

Zusammenfassung: Ob Ausgaben beruflich bedingt und somit als Werbungskosten vom Finanzamt anerkannt werden, lässt sich oft nicht eindeutig beantworten. Finanzgerichte müssen dann eine Klärung bringen.

Zum vorherigen Teil der Serie: Doppelt hält besser – das bringt die doppelte Haushaltsführung (Serie, Teil 58)

Theresa Voigt Geschrieben von:

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