19.05.2017 · smart steuern ·

Pendlerpauschale – Fluch oder Segen?

Das war mal eine Diskussion fast aus dem Nichts. Weil sie aber mit der Pendlerpauschale zu tun hat, wollen auch wir von smartsteuer unseren Senf dazu geben. Was war passiert? Eine Studie hatte festgestellt, dass 60 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland täglich von ihrem Wohnort zur Arbeit pendeln. Ein Rekordwert. Die Folge: In den Medien (nicht in der Politik) wurde eifrig darüber diskutiert – über das Pendeln an sich und die Pendlerpauschale. Die Spanne reichte von deren Abschaffung (etwa in der Tageszeitung „Die Welt“) bis zur unbedingten Beibehaltung, denn alles andere wäre zynisch, wie die Süddeutsche Zeitung kommentierte. Wir zeigen, was die Argumente sind und haben natürlich auch eine Meinung dazu.

Pendeln – ohne geht es heute kaum noch

Die Zeiten, in denen Arbeiter in Siedlungen in unmittelbarer Nähe ihres Betriebs wohnten, sind für die meisten lange vorbei. Heute müssen immer mehr Menschen aus den verschiedensten Gründen jeden Tag pendeln, um zur Arbeit zu kommen, aktuell 60 Prozent der Arbeitnehmer. Viele von ihnen können immerhin über die Pendlerpauschale Steuern sparen, doch es ist auch mit viel Stress verbunden. Der Arbeitsweg ist deutlich länger, als wenn man mal eben zu Fuß rüber in die Firma geht. Die Straßen sind oft verstopft, Busse und Bahnen gerne übervoll – und auch nicht immer pünktlich. Klar, Radfahren ist eine gesunde Alternative, aber jeden Tag 50 Kilometer hin und 50 Kilometer zurück macht auch nicht jeder. Lange Rede: Pendeln kostet viel Lebenszeit und zudem auch jede Menge Nerven, es kann im wahrsten Sinne des Wortes krank machen.

Warum wird gependelt?

Gründe fürs Pendeln gibt es viele. Der Klassiker ist natürlich der Traum vom Haus im Grünen mit der Familie. Hierbei sollte man aber nicht vergessen, dass auch das für viele eigentlich nicht die erste Wahl ist, es aber zunehmend an bezahlbarem Wohnraum innerhalb von Großstädten mangelt. Immer häufiger hat Pendeln aber auch mit der modernen Arbeits- und Lebenswelt zu tun. Lebenslange Stellen an einem Ort sind seltener geworden – und so kann es sein, dass zum Beispiel ein Ehepartner einen neuen Job 100 Kilometer entfernt aufnehmen muss – und pendelt. Oder er/sie pendelt, um nach einer Trennung trotzdem in der Nähe der Kinder sein zu können. Oder es gibt eine befristete Stelle, für die sich ein Umzug nicht lohnen würde.

Die Pendlerpauschale

Nun, viele nehmen das alles auf sich. Und sie werden dafür auch noch belohnt, zumindest ein bisschen – über die Pendlerpauschale. Pro gefahrenem Kilometer zur Arbeit (einfacher Weg) dürfen 30 Cent von der Steuer abgesetzt werden. Bei 20 Kilometer Entfernung zur Arbeit macht das bei 220 Arbeitstagen im Jahr 1.320 Euro, die sich absetzen lassen. Mehr Details dazu gibt es übrigens in diesem Blogbeitrag. Doch ist es das wert? Kaum jemand wird pendeln, um ja nur Steuern zu sparen. Es ist wohl andersrum – und die Pendlerpauschale so eine Art Schmerzensgeld.

Pro und Kontra Pendlerpauschale

Die medialen Befürworter einer Abschaffung der Pendlerpauschale sagen, dass die Pendlerpauschale ein Anreiz wäre, lange Arbeitswege in Kauf zu nehmen. In der „Welt“ spricht man zusätzlich von einer ungerechten Pauschale, Besserverdienende würden besonders davon profitieren und wer wenig verdient hat überhaupt nichts davon. Und überhaupt, sollten doch die Werbungskosten (dazu gehören auch die Pendelkosten) abgeschafft werden – und es stattdessen Steuersenkungen für alle geben.
Andere wie die „Süddeutsche“ warnen vor einer Abschaffung. Wohnungs- und Arbeitsmarkt seien heutzutage auf Pendler angewiesen. Und natürlich spielen auch die hohen Immobilienpreise in den Großstädten eine Rolle.

Unsere Meinung: Eine Streichung der Pendlerpauschale würde die bestrafen, die pendeln müssen. Und das sind sehr viele, die aus den verschiedenen genannten Gründen einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen. Und solange bezahlbarer Wohnraum in Städten so selten ist, wird sich an den Grundvoraussetzungen kaum was ändern. Die generelle Abschaffung der Werbungskosten und eine Verteilung der Steuermehreinnahmen an alle mag gut klingen, doch realistisch ist das kaum.

Franziska Zachert Geschrieben von:

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