22.06.2021 · smart leben · smart steuern ·

Online-Glücksspiel: bald legal – aber der Staat verdient mit

Wer spätabends vor dem Fernseher sitzt und durchzappt, kennt vielleicht die aufdringliche Werbung für Online-Casinospiele. Und auch den Nachsatz „Nur für Personen mit Wohnort oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein“. Nun, machen wir es kurz: Diesen Satz wird es bald nicht mehr geben. Denn ab 1. Juli sind Online-Poker und virtuelle Automatenspiele in ganz Deutschland legal und erlaubt. Die Kehrseite der Medaille: Sie werden besteuert. 

Jahrelanger Streit

Das Beispiel mit Schleswig-Holstein zeigt auf den ersten Blick, dass bei Online-Casinos einiges im argen lag. Warum war etwas nur für das kleine Bundesland im Norden erlaubt, warum tummelten sich trotzdem zahlreiche andere Anbieter fürs Zocken und Wetten im Internet auf dem Markt? Nun, das war jahrelang zumindest eine Grauzone. Denn die Unternehmen beriefen sich auf ihre EU-Lizenz, die meist aus Malta oder Gibraltar stammt. Auf der anderen Seite waren sich die deutschen Bundesländer höchst uneinig, wie damit umzugehen ist. Einige wollten Online-Casinos ganz verbieten, Schleswig-Holstein hingegen vergab Lizenzen. Und das alles unter dem Blickwinkel, dass die Casinos im weltweiten Datennetz, dem Internet agieren.
Nun ist es aber geschafft. Ab nächster Woche gelten neue, bundesweite Regeln in der Branche.

Was gilt nun ab 1. Juli?

Anbieter können für ganz Deutschland Lizenzen erwerben, Glücksspiel im Internet wird somit legalisiert. Dafür müssen sie 5,3 % von jedem Einsatz als Steuer abführen. Das Geld, erwartet werden 365 Millionen Euro pro Jahr, bekommen die Länder.
Es gibt aber erhebliche Einschränkungen:

  • Blackjack und Roulette dürfen nicht angeboten werden, es bleiben Online-Poker und Automatenspiele.
  • Bei Live-Wetten im Sport gibt es keine Wetten mehr, die nichts mit Toren zu tun haben. Da gab es aber auch abstruse Wetten, wie „wer erhält die nächste Ecke“, „wer bekommt die nächste gelbe Karte“ oder „wie viele gelbe Karten gibt es insgesamt im Spiel“ und ähnliches.
  • Parallel laufende Spiele sind nicht mehr möglich.
  • Es gibt ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 €. Das soll sogar anbieterübergreifend gelten, eine Sperrdatei soll größere Einsätze verhindern. 

Das sind schon harte Einschränkungen, denen sich die legalen Anbieter unterwerfen müssen. Auf der anderen Seite soll so etwas gegen Spielsucht getan werden, die leider schon viele Zocker in den Ruin getrieben hat.

Befürchtungen wegen Restriktionen

Da ist an erster Stelle natürlich die Steuer zu nennen. Wer 1 € einsetzt, zahlt ja indirekt schon 5,3 Cent Steuer. Für die Anbieter lassen sich deshalb nur geringere Quoten anbieten als bei illegalen Anbietern – sie müssen ja auch von irgendetwas leben. Bei knapp 90 % möglicher Ausschüttung liegen die Schätzungen. 

Viele Hardcore-Spieler werden aufgrund der Einschränkungen vermutlich auf illegale Portale ausweichen – die ja auch nur einen Mausklick entfernt sind. Dort gibt es – vereinfacht gesagt – bessere Quoten und vor allem keine Limits. Wenngleich Spieler sich dort immerhin selbst einschränken können, was Einsätze und Spielpausen betrifft.
Nur zur Sicherheit erwähnt: Wer bei einem Anbieter zockt, der keine Lizenz in Deutschland oder wenigstens in der EU hat, tut das in einem sehr dunklen Graubereich. Legal ist das nicht, Gewinne können im schlimmsten Fall sogar eingezogen werden. 

Und auch wenn das die deutsche Gesetzgebung nicht wahrhaben will: Die avisierten 365 Millionen Euro an jährlichen Steuereinnahmen stehen dank der Restriktionen auf sehr wackligen Füßen. Stattdessen wird vermutlich der völlig unregulierte Schwarzmarkt auch in Deutschland neue Rekordgewinne machen können. 

Was bedeutet das konkret für mich?

Die gute Nachricht: Wenn Sie gern ein kleines Spielchen online wagen, am virtuellen Automaten daddeln oder auf Sportergebnisse wetten, können Sie das ab 1. Juli völlig sicher und geschützt im Internet bei in Deutschland lizenzierten Anbietern tun. Sie müssen nicht fürchten, dass Sie einem illegalen Anbieter aufsitzen und Ihr Geld nicht wiedersehen. Die schlechten Nachrichten: Wegen der Spieleinsatzsteuer von 5,3 % werden Ihre Gewinne im Regelfall nicht so hoch ausfallen wie bei illegalen Anbietern. Zudem haben Sie bei denen mehr Spielauswahl – und unterliegen kaum Einschränkungen.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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