16.08.2022 · smart steuern ·
Lesezeit: 4 Min.

Arbeiten im Ausland: Wo zahlen Digital Nomads Steuern?

Diesen Traum hatten an stressigen Tagen wohl viele schon einmal: Den grauen Alltag in Deutschland hinter sich lassen und umziehen in ein Land mit Sommer, Sonne, Strand und Meer. Und je digitaler und standortunabhängiger unsere Jobs werden, desto näher kommt die Träumerei der Realität. Tatsächlich leben schon jetzt viele als „Digital Nomads“ – also als Digital Nomadinnen und Nomaden. Und das bedeutet, wie der Name schon sagt: unterwegs, digital und weltweit. Doch wo sind diese Reisenden eigentlich steuerpflichtig? Und ist eine mögliche Steuerfreiheit ein Grund, Deutschland hinter sich zu lassen und die Welt zum neuen Zuhause zu machen?

Ist es erlaubt, in anderen Ländern zu arbeiten?

Die digitale Welt sprengt auch im Hinblick auf die Arbeit viele Grenzen. Denn plötzlich ist es möglich, allein mit einem Laptop überall dort zu arbeiten, wo Internetanschluss besteht. Und das kann eben nicht nur das heimische Büro sein – sondern vielleicht auch die Strandbar auf Bali, die Finca in Portugal oder die Hütte im Dschungel von Costa Rica. Na dann, Sachen gepackt und nichts wie los? Moment, ganz so einfach ist das dann leider auch wieder nicht. Denn in der EU ist es für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union erlaubt, überall zu leben und zu arbeiten. Außerhalb ist das aber nicht der Fall. Aufgepasst, wer also mit einem Touristenvisum nach Thailand geht und währenddessen arbeitet, macht sich eventuell sogar strafbar.

Arbeitsvisa und die 183-Tage Regel

Immer mehr Länder merken, dass diese arbeitenden Nomadinnen und Nomaden auch für den Tourismus eine sehr attraktive Zielgruppe sind. Und bieten dementsprechend verschiedene Visa für die Arbeit an. Das bisher längste Visum für Remote Work (also mobiles Arbeiten) kündigte im Juni die indonesische Regierung an. Damit dürfen Arbeitende auf Reisen dann bis zu 5 Jahre steuerfrei in Indonesien leben und Geld verdienen. Hm, ob das wohl einen Haken hat? Leider ja, denn die Voraussetzung ist, dass keine der Einkünfte in Indonesien erzielt werden. Andere Länder planen bereits ähnliche Modelle. Und es gibt auch schon jetzt viele verlockende Visa wie das „Temporary Residency Visa“ in Mexiko oder das „Remotely from Georgia“ Programm.

Bleibt die Frage: Wie läuft das mit den Steuern? Und in welchem Land werden beim Arbeiten im Ausland Steuern gezahlt? In Deutschland zahlt nur Steuern, wer hier seinen Lebensmittelpunkt hat oder für deutsche Firmen arbeitet. Dafür gilt die 183-Tage Regel. Ist der Wohnsitz in der Bundesrepublik abgemeldet, alle Vereinszugehörigkeiten gekündigt, sind keine anderen Einkünfte vorhanden – UND Sie befinden sich zusätzlich nur maximal 183 Tage im Jahr im Land? Dann, ja dann müssen Sie auch nichts an den Fiskus abdrücken. In anderen Ländern kann diese Frist aber kürzer sein. Da hilft nur Weiterziehen ins nächste Land, um steuerfrei zu bleiben.

Steueroase, ganz ohne zu ackern?

Sie merken schon: Ganz so einfach ist das mit dem ortsunabhängigen Arbeiten und – vor allem – mit der Unabhängigkeit von Steuern nicht. Ganz im Gegenteil, denn für Digital Nomads kann es auch richtig kompliziert werden. Gerade für Freelancerinnen und Freelancer ist eine genaue Buchführung wichtig. Denn: Steuern werden meistens in dem Land fällig, in dem die Leistungserbringung stattgefunden hat. Und das ist – für Angestellte und Selbstständige gleichermaßen – meistens das Land, in dem der Kunde sitzt. Wer also weiterhin für deutsche oder europäische Firmen arbeitet, zahlt auch dort Steuern – wenn auch nur eingeschränkt. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Artikel zur beschränkten oder unbeschränkten Steuerpflicht.

Wer es ernsthaft darauf anlegt, nichts mehr abdrücken zu müssen, hat zum Beispiel folgende Möglichkeit: Leben in Panama und eine Firma gründen in Dubai. Allerdings muss dann eventuell auch eine andere Lebensqualität in Kauf genommen werden. Und stressfrei klingt das für mich jetzt auch nicht wirklich.

Remote, unabhängig und doch abgesichert

Im Sozialstaat Deutschland ist klar: Jeder ist abgesichert. Denn wir alle tragen dazu bei, dass bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit niemand untergehen muss. Dafür gibt es die Sozialversicherungen. Und im Alter gibt es Geld von der Rentenversicherung. Doch von diesem System profitiert natürlich nur, wer auch anwesend ist oder sich einbringt. Das alles hinter sich zu lassen und sich grenzenlos und remote-arbeitend in der Welt zu bewegen, ist ein großer Schritt. Und wer schon einmal in anderen Ländern unterwegs war, der weiß besonders unser Gesundheitssystem immer mehr zu schätzen. Viele fangen deshalb auch als Digital Nomads erst mal klein an und nabeln sich nicht komplett von Deutschland ab, haben beispielsweise noch eine Krankenversicherung hier und zahlen weiterhin Steuern.

Was bedeutet das konkret für mich?

So romantisch das Leben der Digital Nomadinnen und Nomaden auch klingt, so viel Bürokratie steckt dann doch dahinter. Wer sich nicht komplett von Deutschland verabschiedet, nimmt aber trotzdem noch am deutschen Steuersystem Teil. Damit die Steuererklärung – inklusive der zusätzlichen Anlagen – nicht zu kompliziert wird, bieten wir übrigens auch für Remote Work unsere Online-Steuererklärung an.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Renate Stadje sagt:

    Hallo, ich arbeite als Deutsche für einige Wochen in Österreich. Das Geld hab ich bei meiner Deutschen Steuer angegeben. Versteuern möchte ich in Österreich. Das erweist sich als schwierig. In Österreich rechnet man 9000€ zu meinem Verdienst dazu wenn ich beschränkt Steuerpflichtig bin. Wissen sie Rat?
    Mit freundlichen Grüßen, Renate Stadje

  • Katrin Lengtat Katrin Lengtat sagt:

    Hallo Frau Stadje,

    bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine steuerliche Beratung durchführen dürfen.
    Für technische Fragen zum eingeben, können Sie sich gern an unseren Support wenden.

    Beste Grüße
    Katrin vom Team smartsteuer


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