15.09.2014 · smart steuern ·

In vier Schritten den Steuerbescheid prüfen: So geht’s

Rund vier Millionen Einsprüche gegen den Steuerbescheid gehen jedes Jahr bei den Finanzämtern ein. So jedenfalls die Statistik des Bundesministeriums der Finanzen. Das allein ist schon bemerkenswert. Sind die Deutschen einfach nur ein Volk von Nörglern? Keineswegs: Laut Bund der Steuerzahler ist jeder dritte Steuerbescheid tatsächlich fehlerhaft und die meisten Einsprüche haben Erfolg. Allein das sollte  Sie davon überzeugen, wie wichtig es ist, Ihren Steuerbescheid so genau wie möglich überprüfen.

Das sollten Sie auch nicht lange vor sich herschieben, denn: Den Einspruch müssen Sie innerhalb eines Monats nach Erhalt (meist sind das drei Tage nach dem Bescheiddatum) Ihres Bescheids einlegen.  Nach Ablauf dieser Frist ist die Korrektur eines fehlerhaften Bescheides nur noch eingeschränkt möglich.

Die Prüfung des Steuerbescheides kann je nach Umfang des Steuerfalls (und je nachdem, wie gut Sie sich mit dem deutschen Steuerrecht auskennen) ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Die sollten Sie sich nehmen, denn es kann sich ja durchaus lohnen. Wir zeigen Ihnen im Folgenden auf, wie Sie diese Aufgabe Schritt für Schritt erledigen.:

1. Schritt: Prüfung der formalen Anforderungen

In einem ersten Schritt prüfen Sie bei Ihrem Steuerbescheid, ob er überhaupt den formalen Anforderungen genügt – auch die Mitarbeiter des Finanzamts sind nur Menschen. Folgendes gilt es zu kontrollieren:

  • Empfänger: Wurde(n) der oder die Empfänger zutreffend bezeichnet, ist die richtige Bankverbindung angegeben?
  • Festsetzungsfrist: Ist der Bescheid innerhalb der vierjährigen Festsetzungsfrist ergangen? Nach Ablauf dieser Frist darf kein Steuerbescheid mehr erlassen werden. Anders ausgedrückt: Alles, was Ihre Steuererklärung(en) von vor 2010 betrifft hat sich (bis auf wenige Ausnahmen) in diesem Jahr erledigt.
  • Zulässigkeit von Nebenbestimmungen: Steuerbescheide können Nebenbestimmungen wie Vorläufigkeitsvermerke (Zweifel bei der Auslegung oder Wirksamkeit des Gesetzes) oder einen Vorbehalt der Nachprüfung („provisorischer Bescheid“) enthalten. Ob die auch tatsächlich zulässig sind, muss eventuell mit einem Steuer-Experten geklärt werden.

2. Schritt: Materiell-rechtliche Prüfung

Im nächsten Schritt wird überprüft, ob der Steuerbescheid materiell-rechtlich in Ordnung ist. Das bedeutet, dass Sie sich mit den Zahlen des Steuerbescheides auseinandersetzen.

Hier sind zwei Fragen zu klären:

1. Liegt eine Abweichung zwischen Steuerbescheid und Steuererklärung vor?
2. Ist die Abweichung gerechtfertigt?

Unter dem Punkt „Festsetzung“ erkennen Sie auf den ersten Blick die vom Finanzamt ausgerechnete Erstattung oder Nachzahlung. Entsprechen die Zahlen der Vorausschau Ihres Steuerprogramms? Gibt es eine Abweichung zu Ihren Gunsten oder Ungunsten?

Ob Abweichung oder nicht: Ich empfehle Ihnen in jedem Fall die Prüfung fortzusetzen. Legen Sie die Vorausschau neben den Steuerbescheid und vergleichen Sie die Zahlen von oben nach unten.

Unter dem Punkt „Besteuerungsgrundlagen“ sollten Sie die Höhe der Einnahmen und Abzugsbeträge gegenüberstellen. Zu den Abzugsbeträgen zählen beispielsweise die Werbungskosten:  etwa die Fahrten zwischen Wohnung und Tätigkeitsstelle, Sonderausgaben wie Spenden oder Kinderbetreuungskosten und außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten.

Zudem untersuchen Sie bitte, ob die zutreffenden Freibeträge, beispielsweise  der Behindertenpauschbetrag, angesetzt und eine geleistete Einkommensteuervorauszahlung oder einbehaltene Lohnsteuer zutreffend berücksichtigt wurden.

In einem weiteren Schritt sind die Günstigerprüfungen zu kontrollieren. Die Günstigerprüfungen sind vor allem beim Kindergeld/Kinderfreibetrag, bei den Vorsorgeaufwendungen und bei den Kapitalerträgen (Abgeltungsteuer) von Bedeutung.

Abweichungen sollten Sie markieren. Oft erklären sie sich mit den Erläuterungen.

3. Schritt: Die Erläuterungen

Die „Erläuterungen zur Festsetzung“ machen den größten Teil des sperrigen Textblocks aus. Werfen Sie auf jeden Fall einen genauen Blick darauf. Hier macht das Finanzamt Sie als Steuerzahler darauf aufmerksam, in welchem Umfang (und warum) die Angaben von der Steuererklärung abweichen.

Häufig finden Sie in den Erläuterungen auch Hinweise für den Fall, dass Sie noch Unterlagen beim Finanzamt nachreichen sollten. Soweit die Abweichungen nicht erläutert sind, erfragen Sie beim Finanzamt die Ursache.

4. Schritt: Rechtsmittel

Wenn Sie – gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem Fachmann – der Meinung sind, die Abweichung sei unberechtigt, haben Sie die Möglichkeit, innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe gegen den Steuerbescheid Einspruch einzulegen. Dies sollte möglichst schriftlich geschehen.

Wichtig:

  1. Der Einspruch schützt nicht vor der Zahlung. Eventuelle Nachzahlungen müssen Sie trotz eines laufenden Einspruchs leisten. Es besteht jedoch die Möglichkeit einen „Antrag auf Aussetzung der Vollziehung“ zu stellen.
  2. Wer Einspruch einlegt, muss damit rechnen, dass das Finanzamt die Steuererklärung vollständig prüft. Dazu werden Sie in der Regel noch einmal angehört. Dabei haben Sie – falls alle Fragen geklärt wurden – durchaus auch die Möglichkeit den Einspruch zurückzunehmen. Manchmal kann das sinnvoll sein, denn: Solange Sie den Einspruch nicht zurücknehmen, ist das Finanzamt auch berechtigt, den Steuerbescheid zu „verbösern“. Das bedeutet: zu ihrem Nachteil abzuändern. Im anderen Fall bleibt der Steuerbescheid unangetastet.

Ich drücke Ihnen für die Prüfung die Daumen und hoffe, dass ich Ihnen im Vorwege dabei etwas helfen konnte.

Stefan Heine Geschrieben von:
5 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • AXA-BETRIEB sagt:

    Hallo,

    danke für die Tipps. Ich denke, dass viele die vier Schritte vielen helfen werden, da sie ganz verständlich sind!

  • Katharina sagt:

    Hallo,
    ist es rechtlich möglich bzw. unbedenklich, wenn bei einer Umsatzsteuernachschau, die Prüfzeiträume auf 5 Jahre zurück ausgedehnt werden und im Ergebnis alle zurückliegenden Umsatzsteuererstattungen aufgehoben und zurückgefordert werden. Mit dem Ergebnis, dass eine freiberufliche Existenz vernichtet wird / wurde.
    So geschehen in Brandenburg, Finanzamt Luckenwalde, durch eine Mitarbeiterin des Finanzamtes, die aus einem Home-Office heraus arbeitet und Steuerakten in ihrem privaten KFZ „spazieren fährt“. Leider verschwand auf diese Weise wichtiges Material im Original, welches dann zu Beweiszwecken nicht mehr zur Verfügung stand.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo,
    die Ausweitung eines Prüfungszeitraums ist rechtlich möglich. Bitte holen Sie sich ggfs. beratende Hilfe zu dem Thema.

  • Katja. B. sagt:

    Der festgesetzte Betrag ist vom Finanzamt über 300€ höher als vom steuerprogramm ausgerechnet wurde. Wie kommt das?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Abweichung im Bescheid kann viele Ursachen haben. Es kann sich auch um einen Fehler des Finanzamts handeln.
    Deshalb vergleichen Sie unbedingt Ihren Bescheid und die Steuerberechnung in den Auswertungen von Smartsteuer. Dann können Sie sehen,
    wo die Abweichung her kommt.
    Am Ende des Bescheids unter Erläuterungen schreibt das Finanzamt manchmal noch Gründe für Abweichungen oder auch Aufforderungen zum Nachweis hinein.


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