03.12.2014 · smart steuern ·

Lohnt es sich zu heiraten? Alles zu Steuerklassen (Serie, Teil 7)

Strahlende Gesichter, der schönste Tag im Leben, Romantik, Liebe! Ja, sie lesen richtig. Es geht ums Heiraten. Was das mit der Steuer zu tun hat, lesen Sie in diesem Teil meiner Serie für Steuereinsteiger.

Süßer die Glocken nie klingen

So lautet der Name eines bekannten Weihnachtslieds. Es stammt aus dem 19. Jahrhundert. In der heutigen Zeit können Sie aus den Glocken auch gern Hochzeitsglocken machen. Denn im Dezember heiraten sehr viele Deutsche. Das hat mich doch sehr überrascht. Immerhin ist das Wetter da eher bescheiden, Weihnachten und Silvester stehen auch noch vor der Tür. Kurz: Der Dezember ist schon stressig genug, und dann noch mal eben heiraten? Anscheinend ja: Der Monat ist fast so beliebt wie die warmen Monate von Mai bis September (siehe obige Grafik).

Und woran liegt’s? Okay, dass es 2012 besonders viele waren, lag sicher auch am Datum. Der 12.12.12: Das spielt den Herren der Schöpfung in die Karten. So vergessen sie wenigstens nicht so schnell ihren Hochzeitstag. Aber auch 2013 waren es nicht viele Paare weniger. Sie ahnen es vielleicht schon: Es hat was mit Steuern zu tun, wir sind ja hier schließlich auf dem smartsteuer-Blog. Doch fragen wir schnell noch das allwissende Google: Suchbegriff „Heirat wegen“. Google schlägt – in dieser Reihenfolge – folgende Beweggründe vor:  Kind, Steuer, Visum, Geld, Steuerklasse. Liebe oder gar Romantik – Fehlanzeige!

Ich  will Sie nicht länger zappeln lassen: Wer noch im Dezember heiratet, kann die nicht unerheblichen Steuervorteile für Ehepaare nutzen – auch rückwirkend für das ganze, fast schon abgelaufene Kalenderjahr.

Faustformel: Große Einkommensunterschiede sind gut

Wer aber nun denkt, jede Hochzeit lohnt sich, liegt falsch – zumindest steuertechnisch gesehen. Aber im Ernst: Wenn die Eheleute ein ähnliches Einkommen haben, dann ändert sich an der Steuerfront nichts im Vergleich zur Zeit vor der Ehe. Das sogenannte Ehegattensplitting zeigt erst dann Wirkung, wenn es einen größeren Einkommensunterschied gibt. Grob gesagt: Es lohnt sich erst, wenn einer der beiden mindestens ein Drittel weniger verdient. Am besten ist es, steuertechnisch, wenn eine oder einer alles verdient – und der andere nichts. Und so sollte das frischgebackene Ehepaar bei der Wahl seiner Steuerklassen gut überlegen. Die Kombination III (3) und V (5) bei großen Unterschieden, andernfalls die Kombi IV (4) und IV (4) – das ist der Standard oder ebenfalls IV und IV, allerdings dann mit sogenanntem Faktor. Spätestens jetzt komme ich nicht drumherum: Welche Steuerklassen gibt es und wofür sind sie da?

Die sieben Steuerklassen kurz erklärt

Die Überschrift fiel mir schon schwer, denn eigentlich gibt es sechs Steuerklassen, von I (1) bis VI (6). Aber seit einigen Jahren ist die Klasse IV mit Faktor hinzugekommen. Gehen wir einfach der Reihenfolge nach

  • Steuerklasse I: Sie gilt für Singles – ledige, getrennt lebende oder geschiedene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
  • Steuerklasse II: Etwas weniger Steuern werden hier fällig – und zwar für Alleinerziehende, die Anspruch auf den Entlastungsbeitrag (1.308 Euro pro Jahr) haben.
  • Steuerklasse III: Für den deutlich besser verdienenden Ehepartner. Der andere Teil des Paars erhält automatisch die Klasse V.
  • Steuerklasse IV: Macht ein Ehepaar nichts, landen beide Eheleute in Steuerklasse IV, die die gleichen Abzüge hat wie Klasse I. Auch zu empfehlen, wenn beide ein ähnliches Einkommen haben.
  • Steuerklasse IV mit Faktor: Ebenfalls für Ehepaare. Hier wird die monatliche Steuerlast nur etwas „gerechter“ aufgeteilt als in der III/V-Kombination.
  • Steuerklasse V: Sie stellt das Gegenstück zur Klasse III dar. Kommt beim deutlich schlechter verdienenden Ehepartner zur Anwendung.
  • Steuerklasse VI: Die braucht ein Arbeitnehmer, wenn er einen zweiten steuerpflichtigen Job annimmt.

Wichtig an den Steuerklassen: Sie entscheiden erstmal nur darüber, wie viel Steuern jeden Monat vom Lohn abgezogen werden. Wie viel Steuern es dann tatsächlich sind für ein Jahr, wird mit der (jährlichen) Steuererklärung geklärt. Ehepaare mit III/V – Kombination sind sogar dazu verpflichtet, eine abzugeben. Alle anderen sollten es natürlich auch machen, siehe Teil 4 dieser Serie.

Zusammenfassung: Steuerklassen entscheiden darüber, wie viel Steuern jeden Monat vom Lohn abgezogen werden. Eheleute können ihre Steuerlast mindern, wenn sie sehr unterschiedliche Einkommen haben. Wer noch im Dezember heiratet, kann die Vergünstigungen rückwirkend für das ganze Jahr erhalten.

 

Was bisher geschah:
Geld stinkt nicht. Oder: Was sind eigentlich Steuern? (Serie Teil 1)
Kaffee oder Tee? Was alles versteuert wird (Serie Teil 2)
Das Gießkannenprinzip, oder: Was macht der Staat mit unseren Steuern (Serie Teil 3)
Wer muss eine Steuerklärung abgeben? (Serie Teil 4)
Wir geben ab zur Werbung – zu den Werbungskosten (Serie Teil 5)
Muss ich Steuern auf Erbschaften zahlen? (Serie Teil 6)

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Alberto sagt:

    Hallo Theresa,

    Gern mag ich nun eine äusserst komplizierte frage einbringen:

    Wie verhält sich die Steuererklärung wenn (wie in meinem fall) ich im vergangenen jahr im ausland geheiratet habe, ich zurück nach Deutschland bin, meine frau aber im ausland geblieben ist um erst nächstes jahr zu mir zu kommen (da sie auch in arbeit ist) und ich dennoch weiter steuerklasse 1 hier bei uns zahle? Meine außer landes geschlossene ehe wurde jetzt erst vor kurzem (durch fast 5 monatige bearbeitung vom amt) registriert und eingetragen.

    Daher kommt mir nun diese frage auf. Kann ich da etwas rückwirkend machen und muss nun meine frau auch nachweise bringen obwohl sie ja in ihrem land steuern zahlt und zumal ja hier noch nicht mal im Einwohnermeldeamt steht,da ja noch nicht hier gelebt?

    Kompliziert, aber vielleicht kann ihre superseite hier licht in die sache bringen.

    Ich finde ihre seite sehr interessant und aufschlussreich, daher mochte ich mich nun an sie wenden.

    Ich freue mich schon auf ihre nachricht und danke ihnen vielmals vorab.

    LG Alberto

  • Jennifer Dittmann Jennifer Dittmann sagt:

    Hallo Alberto,

    das ist in der Tat eine komplizierte Frage. In der Regel ist Deine Frau in Deutschland nicht steuerpflichtig, da Sie hier nicht gemeldet ist und keine Einkünfte in Deutschland erzielt. Du solltest Dich hier aber noch mal bei den Behörden erkundigen.

  • Avatar Petra sagt:

    Ich möchte gerne noch dieses Jahr(2017)mit meiner Partnerin die Ehe für alle eingehen und habe da einige fragen.
    1. Ich gehe arbeiten und meine Partnerin
    hat die Erwerbsminderungsrente wie
    verhält sich das wenn ich Steuerklasse 3
    nehmen würde bei meiner Partnerin,
    ändert sich da was bei ihrer Rente?
    2. Wird es sich dann auch rückwirkend für
    dieses Jahr bei der Steuer bemerkbar
    machen ?
    3. Oder welche Steuerklasse wäre bei uns
    steuerlich besser ?
    Würde mich sehr über eine schnelle Antwort freuen?.
    L.g.Petra

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Petra,
    grundsätzlich wirkt sich der Splittingtarif am meisten aus, wenn die Einkommen sehr weit auseinander gehen.
    Für genauere Berechnungen kann du einen Lohnsteuerrecher ausprobieren.

  • Avatar Stefan Lehmann-Voß sagt:

    Was passiert uns wenn wir bis 2014 alle Steuererklärungen gemacht haben und 2018 vom Finanzamt aufgefordert wurden 2017 abzugeben was denen nicht aufgefallen was ist mit 2015 und 2016 ?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    das können wir nicht beurteilen. Es hängt davon ab, ob Sie 2015 und 2016 verpflichtet waren, eine Steuererklärung abzugeben.


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