19.05.2015 · smart steuern ·

1.250 Euro fürs Arbeitszimmer absetzen – wie und wer? (Serie, Teil 20)

Aller guten Dingen sind drei, heißt es. Bei mir ist es der dritte Blogbeitrag in Folge, der sich um eine Zahl dreht. Nach dem Sparerpauschbetrag (Teil 18) und den Krankheitskosten (Teil 19) dreht es sich dieses Mal um das Arbeitszimmer.

Strenge Regeln seit 2010

Viele Jahre war das Arbeitszimmer ein Muss für alle die, die Steuern sparen wollten. Schreibtisch, Computer, ein paar Ordner – fertig war das durchschnittliche abzugsfähige Arbeitszimmer in deutschen Haushalten. Dass dort oft wenig gearbeitet wurde, war nicht ganz so wichtig. Sie können sich bestimmt lebhaft vorstellen, dass eine solche Entwicklung Vater Staat ein mächtiger Dorn im Auge war. Und deshalb wurden 2010 die Bestimmungen im Einkommensteuergesetz (EStG) geändert. Nachzulesen, wenn Sie sich das antun wollen, im §4 Absatz 5 Satz 1 Nr. 6b.
Dort heißt es, übersetzt vom Steuer-Deutsch ins Deutsche: Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind nicht absetzbar. Aber – was wäre das Steuerrecht eigentlich ohne das Wörtchen aber? – aber es gibt selbstverständlich Ausnahmen. Genauer genommen zwei:

  • Sie haben keinen anderen Arbeitsplatz für Ihre berufliche oder betriebliche Tätigkeit – dann können Sie von den Kosten bis zu 1.250 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen. Beispiele sind Außendienstmitarbeiter und Lehrer.
  • Das Arbeitszimmer ist sogar der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit – dann können Sie alle damit zusammenhängenden Kosten komplett absetzen. Beispiele sind angestellte Heimarbeiter und Selbstständige wie Schriftsteller oder Künstler.

Worauf muss geachtet werden?

Klar ist schon mal bei den beiden Ausnahmen, dass sich wirklich sehr viele vom Steuersparen via Absetzen des Arbeitszimmers verabschieden mussten und müssen. Denn allein der Passus mit der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit grenzt den Kreis der Betroffenen beträchtlich ein.
Ganz wichtig zudem: Sie müssen das Arbeitszimmer auch tatsächlich beruflich oder betrieblich nutzen. Und zwar mindestens zu 90 Prozent. Der private Anteil darf dementsprechend nur bei höchstens 10 Prozent liegen. Mir ist zwar nicht ganz klar, wie das gemessen werden soll. Es soll wohl eher verdeutlichen, dass auch mal was Privates sein darf, aber eben nur ganz selten.

Wie ermittelt man die Kosten?

Wenn Sie alle Voraussetzungen erfüllen, dürfen Sie die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen. Als Arbeitnehmer fällt das unter Werbungskosten, als Selbstständiger unter Betriebsausgaben. Setzen Sie dazu die Fläche des Arbeitszimmers im Verhältnis zur Gesamtfläche der Wohnung.

Beispiel: Das Zimmer hat 15 Quadratmeter, die gesamte Wohnung 75. Dann sind das 20 Prozent. Ansetzen können Sie deshalb 20 Prozent Ihrer Warmmiete und Stromkosten sowie anderer Ausgaben, die mit der Wohnung zusammenhängen. Ergibt sich dann ein monatlicher Betrag von 120 Euro, sind das 1.440 Euro pro Jahr. Im Ausnahmefall 1 könnten Sie 1.250 Euro absetzen, im Fall 2 die kompletten 1.440 Euro.

Achtung: Büromöbel können Sie zusätzlich absetzen. Kostet zum Beispiel das Büroregal weniger als 487,90 Euro (inklusive Mehrwertsteuer), lässt es sich komplett im Kaufjahr absetzen. Ist es teurer, muss es über mehrere Jahre anteilig abgeschrieben werden.

Zusammenfassung: Ein häusliches Arbeitszimmer lässt sich nur noch in Ausnahmefällen von der Steuer absetzen. Wenn es der Mittelpunkt des beruflichen Schaffens ist, komplett und wenn es keinen anderen Arbeitsplatz gibt, bis zu 1250 Euro pro Jahr.

 

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Muss ich Steuern auf Erbschaften zahlen? (Serie Teil 6)
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Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Klaus sagt:

    Interessanter Artikel. Aber Frage: Wenn keine Miete gezahlt wird, weil Eigentum? Wie viel dann?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Bei selbstgenutztem Wohneigentum verhält es sich ähnlich. Sie können den entsprechenden Anteil der Betriebskosten ansetzen. Zudem haben Sie die Möglichkeit, anteilige Abschreibungen geltend zu machen.

  • Avatar Grit Werchau sagt:

    Mein Lebensgefährte ist Eigentümer unserer Wohnung(abbezahlt), auf der Betriebskostenabrechung bin ich mit „angesprochen“, ich überweise jeden Monat die Kosten für Nebenkosten/Strom und die Grundsteuer auf sein Konto,… trotzdem(alle Nachweise sind beim Finanzamt) bekomme ich mein Arbeitszimmer nicht abgesetzt, obwohl ich dieses als KeyAccountManagerin mittlerweile fast 5 Tage die Woche nutzen muss. Warum? Was muss ich noch angeben?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,

    leider dürfen wir keine individuelle Beratung leisten. Wir können aber aus der Distanz auch nicht beurteilen aus welchen Gründen das Finanzamt die Anerkennung ablehnt.

  • Avatar Peters sagt:

    Hallo,

    wie verhält es sich wenn das Arbeitszimmer für einen Meister in Teilzeit genutzt wird? Darf man die Kosten von bis zu 1250 Euro im Jahr angeben?

    Danke und viele Grüße


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