18.11.2016 · smart steuern ·

Steuern und Studenten – 7 Fragen und 7 Antworten

Studentinnen und Studenten haben es zugegebenermaßen immer schwerer. Die Anforderungen im Studium steigen genauso regelmäßig wie die Lebenshaltungskosten in den beliebten Hochschulstädten. Zwar ist es vermutlich nicht gerade cool in studentischen Kreisen, aber eine Frage sollte dann doch erlaubt sein: Lässt sich aus den steigenden Kosten vielleicht wenigstens auch was bei der Steuer rausholen, über die Steuererklärung? Die Antwort ist zwar keine Höhere Mathematik, aber auch nicht in einem Satz zu geben…

Wir haben hier im Blog schon mehrfach über das Thema Steuern und Studenten geschrieben – es waren insgesamt gesehen die Artikel, die am häufigsten kommentiert wurden. Wobei die Kommentare meist Detailfragen waren. Damit Sie sich jetzt nicht durch alle Beiträge und vor allem alle Kommentare wühlen müssen, beantworten wir hier die 7 wichtigsten Fragen zum Thema.

1. Lohnt sich das mit der Steuererklärung überhaupt?

Ja. In vielen Fällen. Aber: leider oft nicht sofort. Sie wollen vermutlich längere Antworten und so etwas wie eine Begründung. Okay, ich versuche es, das meiste erklärt sich dann aber eh mit den nächsten Fragen.
Studenten haben in der Regel auch Ausgaben, die sie prinzipiell auch von der Steuer absetzen können. Auf der anderen Seite erzielen Studenten oft keine oder nur sehr geringe steuerpflichtige Einnahmen. Da macht das Absetzen der Ausgaben dann aber gar keinen Sinn, denn Steuern müssen diese Studenten in keinem Fall zahlen, ganz egal ob mit oder ohne Absetzen. Aber: Die Ausgaben lassen sich als Verluste in der Steuererklärung „vormerken“. Wenn im Berufsleben Steuern fällig werden, können diese Verluste dann geltend gemacht werden – und die Steuerlast im ersten oder den folgenden Jahren mindert sich zum Teil erheblich.

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2. Kann ich meine Miete und andere Ausgaben absetzen?

Okay, werden Sie sagen, also kann ich in ferner Zukunft Steuern sparen. Das hilft mir im Moment zwar auch nicht wirklich, denn alles wird teurer. Laut einer aktuellen Studie stieg die Miete für ein WG-Zimmer im Schnitt um knapp 20 Euro (auf 349 Euro) im Vergleich zum Vorjahr. In München sind es sogar 560 Euro für ein Zimmer(chen). Da das ganz sicher der größte Batzen an Ausgaben ist – die berechtigte Frage: Kann ich die Miete absetzen? 
Die Antwort lautet: Meistens leider nicht. Es funktioniert nur, wenn Ihr Lebensmittelpunkt nicht am Studienort liegt, die Unistadt also nur der Zweitwohnsitz ist. Das steuerliche Stichwort lautet hier „doppelte Haushaltsführung“. Und die beinhaltet, dass Sie am Erstwohnsitz nicht nur ein (kostenloses) Zimmerchen im Elternhaus haben. Eine eigene Wohnung oder wenigstens das Mitwohnen – aber nicht bei den Eltern – und die finanzielle Beteiligung von mindestens 10 Prozent der Ausgaben dieser Wohnung sind Mindestvoraussetzungen. Genaueres zu den Kriterien finden Sie in diesem Artikel.
Natürlich gibt es viele andere absetzbare Dinge, von den Studiengebühren über Fachbücher bis zum Computer. Ausführlicher steht das in diesem Blogbeitrag.

3. Gibt es wirklich Unterschiede zwischen Erst- und Zweitausbildung bei der Steuer?

Ja, die gibt es (noch). Nach aktuellem Rechtsstand ist eine Zweitausbildung steuerlich besser gestellt als eine Erstausbildung. Als Zweitausbildung gelten unter anderem das Masterstudium, ein Bachelorstudium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder auch eine zweite Berufsausbildung. Der Grund für die „Bevorzugung“ der Zweitausbildung: Hier lassen sich Werbungskosten absetzen. In der Erstausbildung hingegen nur Sonderausgaben. Das klingt irgendwie ungerecht, und das ist es vielleicht sogar. Denn mittlerweile beschäftigt sich das Bundesverfassungsgericht seit rund zwei Jahren genau mit der Frage, warum die Erstausbildung steuerlich schlechter da steht. Die Entscheidung steht aber immer noch aus. Was das konkret bedeutet, kommt später. Erstmal wollen wir kurz erklären, wo die Unterschiede liegen.  

4. Was ist der Unterschied zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben?

Die Antwort in aller Kürze: Sonderausgaben sind auf 6.000 Euro pro Jahr begrenzt und sie lassen sich nur mit den Einnahmen aus dem gleichen Steuerjahr verrechnen. Studenten haben aber, wie bereits oben erwähnt, oft nichts zum „Verrechnen“.
Werbungskosten lassen sich hingegen komplett absetzen und, was noch viel wichtiger ist: Mit Werbungskosten ist der Verlustvortrag („Verlustfeststellung“) möglich. Das ist der steuerliche Begriff für das, was ich eingangs erwähnt hatte. Sie können den Verlust, den Sie in einem Jahr „erleiden“ in das nächste Jahr vortragen, bis Sie tatsächlich Einkommen zu versteuern haben. Dann wird der Verlust von Ihrem Einkommen abgezogen.  

5. Und wie mache ich das mit diesem Verlustvortrag?

Das ist nicht schwer, und mit unserer Online-Lösung smartsteuer besonders einfach. Sie füllen die Steuererklärung aus, besonders wichtig sind natürlich die Werbungskosten, die Sie detailliert angeben müssen. Das Finanzamt wird – wenn alle Angaben richtig waren – den Verlustvortrag in einem gesonderten Bescheid bestätigen.
Wichtig: Sie können nicht die Werbungskosten-Pauschale von 1.000 Euro als Verlustvortrag nutzen, es müssen die realen Kosten eingetragen werden. Zudem müssen die Werbungskosten immer in dem Jahr eingetragen werden, in dem sie entstanden sind. Und vielleicht interessant: 450-Euro-Jobs spielen bei der Steuererklärung keine Rolle. Sie sind kein zu versteuerndes Einkommen.

6. Ich bin in der Erstausbildung – was soll ich machen?

Gute Frage, denn aktuell nutzt es ja eigentlich nichts, einen Verlustvortrag geltend zu machen. Weil ja nur die Sonderausgaben möglich sind. Aber: Machen Sie es trotzdem. Tragen Sie Ihre Ausgaben als Werbungskosten ein. Das Finanzamt wird das natürlich nicht anerkennen, sondern maximal die Sonderausgaben. Sie müssen dann Einspruch einlegen, auf das oben erwähnte Verfahren beim Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvL 23/14, 2 BvL 24/14, 2 BvL 26/14) verweisen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Entscheidet das Gericht eines Tages zu Ihren Gunsten, werden die Ausgaben als Werbungskosten anerkannt. Im anderen Fall haben Sie aber auch nichts verloren. 

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7. Lässt sich da rückwirkend noch was machen bei der Steuer?

Sie haben bis hier durchgehalten und schlagen sich nun an die Stirn: „Warum habe ich das nicht früher auch gemacht?“ Vielleicht haben Sie Glück und können doch noch was machen! Prinzipiell lässt sich die Steuererklärung mit Verlustvortrag bis zu sieben Jahre rückwirkend machen. Das passiert in der Tat aber sehr selten. Doch: Wenn Sie in den letzten vier Jahren keine Steuererklärung abgeben haben, weil Sie es nicht mussten – können Sie das freiwillig nachholen. Auf dieser Auswahlseite bietet smartsteuer die Erklärungen für die Jahre 2012 bis 2015 an. Aber Sie müssen sich wenigstens für das Steuerjahr 2012 ranhalten. Denn die muss bis zum 31.12.2016 beim Finanzamt sein. Das alles setzt natürlich voraus, dass Sie noch genügend Unterlagen finden, um Ihre Studienausgaben auch belegen zu können.

Zusammenfassung: Studenten sollten jedes Jahr eine Steuererklärung machen. Damit ist es gut möglich, dass es später eine beträchtliche Steuerersparnis geben kann.

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Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Jonas sagt:

    Danke für den aufschlussreichen Artikel. Ich würde gerne in Hinblick auf das ausstehende Urteil des BVerfG eine Verlustvortrag für die letzten 7 Jahre stellen. Über smartsteuer kann ich aber „nur“ die letzten 4 Jahre auswählen. Gibt es hierfür eine Lösung?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Leider können über smartsteuer immer nur die letzten 4 Jahre abgegeben werden.
    Die Versionen der älteren Jahre sind nicht mehr verfügbar.

  • Avatar Kerstin sagt:

    Guten Tag liebe Mitleser,
    vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Als Student kann man sich nicht gut genug im Internet informieren, wie man Steuern sparen kann. In diesem Falle kann es sich auch lohnen, sich an einen Steuerberater zu wenden und sich dort professionell unterstützen zu lassen.

  • Vielen Dank für den hilfreichen Artikel! Ich bin selbst Studentin und habe bisher mich nie aufraffen können, eine Steuererklärung anzufertigen. Leider kenne ich mich damit auch nicht aus und wüsste nicht, was alles angefügt werden muss. Ich werde mich wahrscheinlich nächstes Jahr mich mit einem Fachmann zusammensetzen und bekomme hoffentlich etwas raus. Viele Grüße Yvonne

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Am besten die Steuererklärung mit smartsteuer erstellen. Wir fragen Schritt-für-Schritt nach den relevanten Kosten. 🙂

  • Avatar didie sagt:

    Gibt es irgendwie eine Kurzanleitung für Duale Studenten (2014-2017) mit Auslandssemester, Praxissemester usw.? oder sollte ich doch lieber zu einem Lohnsteuerholfeverein gehen?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    für Steuererklärungen ab 2016 haben wir einen eigenen Bereich für Studenten eingerichtet. Auf der zweiten Seite im Bereich „Persönliche Daten“ kann dieser freigeschaltet werden. Viel Erfolg!

  • Avatar Milutin sagt:

    Hallo,

    und vielen Dank für die hilfriche informationen.
    Ich habe in 2017 meine Masterstudien (in Deutschland) zum ende gebracht, und sofort mit Arbeit angefangen.
    Wann ich jetzt die Steuererklärung für die letzte 4 Jahre machen will (1 x Arbeitsjahr und 3 Jahre Studienzeit); muss ich jedes Jahr separat machen und dazu vier Steuererkäerung-Abgaben zahlen, oder kann ich alles unten Steuererklärung

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo,
    es muss immer für jedes Jahr eine Erklärung abgegeben werden. In die Erklärung kommen dann die Ausgaben und die Einnahmen, die Sie in dem Jahr hatten.
    Am besten funktioniert es, wenn man mit den „ältesten“ Jahren anfängt.

  • Avatar Jitendra sagt:

    great article…thanks for sharing


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