21.03.2019 · smart steuern ·

Spitzensteuersatz: 5 Fragen und Antworten

Steuern sind immer ein heikles Thema. Wer wüsste das besser als wir. Und wenn jemand sagt, dass er Steuern erhöhen will – und dieser jemand auch noch der Finanzminister ist – dann wird es brisant. Olaf Scholz von der SPD warf vor ein paar Wochen seinen Vorschlag ins Rennen, dass der Spitzensteuersatz doch steigen könnte. Was hat er aber genau gesagt? Und was hat es mit dem Spitzensteuersatz genau auf sich? Sie erfahren es hier.

Wie hoch ist der Spitzensteuersatz – und was ist die Reichensteuer?

Nun, der Spitzensteuersatz beträgt derzeit 42 Prozent. Der Finanzminister regte nun in der Wochenzeitung Die Zeit an, diesen Satz für „sehr hohe“ Einkommen um drei Prozentpunkte auf 45 Prozent zu erhöhen. Gleich vorab: Das zielt nicht darauf ab, dass der Staat seine Kassen noch voller macht. Es geht eher darum, andere dadurch zu entlasten.
Und am Rande und zur Information: Schon heute gibt es die sogenannte Reichensteuer. Diese greift ab einem Einkommen von rund 265.000 Euro für Singles – und beträgt 45 Prozent.

Wie viele Steuerzahler sind betroffen?

Im Jahr 2018 fielen rund 2,9 Millionen Steuerpflichtige unter den Spitzensteuersatz. Da unter Steuerpflichtigen auch Ehepaare zählen, die gemeinsam ihre Steuer machen, dürfte die Zahl der Personen noch mal höher liegen. Und die Zahl steigt seit Jahren an. Weshalb – nicht ganz zu Unrecht – oft gesagt wird, dass auch schon Menschen in die Kategorie Spitzensteuersatz fallen, die eher zur Mittelschicht gehören. Aktuell greift der Spitzensteuersatz tatsächlich schon bei rund 56.000 Euro bei Singles und 112.000 Euro bei Ehepaaren. Und da springen immer mehr Menschen drüber.

Muss man tatsächlich so viel Prozent an Steuern zahlen?

Die klare Antwort lautet: Nein! Und das hat im Wesentlichen zwei Gründe.
Wer zum Beispiel 70.000 Euro brutto hat, zahlt die 42 Prozent „nur“ für die 14.000 Euro über der eben genannten Grenze von 56.000 Euro. Darunter greifen geringere Steuersätze. So liegt der Durchschnittssteuersatz in diesem Fall bei rund 29 Prozent.
Und das bringt uns zum zweiten Punkt. Denn auch dieser Steuersatz ist meist nicht das Ende der Fahnenstange. Wer Kinder hat, rutscht schon mal automatisch runter. Doch auch Kinderlose können den Steuersatz und damit ihre Steuerzahlung locker drücken. Natürlich mit einer Steuererklärung, zum Beispiel mit unserer Online-Lösung smartsteuer. Wer recht viel verdient, zahlt zum Beispiel auch mehr in die Altersvorsorge ein – die sich absetzen lässt. Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, haushaltsnahe Dienstleistungen – auch mit all diesen Punkten zahlen Sie weniger Steuern.

War der Spitzensteuersatz schon immer so hoch?

Auch hier ein klares Nein. Der Spitzensteuersatz lag zum Beispiel noch in den 90er Jahren in Deutschland bei mehr als 50 Prozent, allerdings setzte er tatsächlich auch erst bei höheren Einkommen ein. Doch das will der Finanzminister ja schließlich auch. Höherer Spitzensteuersatz – aber für sehr hohe Einkommen. Und mit 45 Prozent würde man immer noch deutlich unter der 50-Prozent-Marke bleiben.  

Was würde eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes bringen?

Da streiten sich die Gelehrten – oder besser die Politiker. Die eine „Fraktion“ sieht die Chance, dadurch Bezieher von geringen und mittleren Einkommen zu entlasten. Die andere „Abteilung“ hält jede Steuererhöhung für Gift für die Konjunktur.
Wo die Wahrheit liegt? In der Mitte? Wir können es nicht mit wissenschaftlicher Sicherheit voraussagen. Eine überschaubare Umverteilung von oben nach unten dürfte wirtschaftlich aber nicht gleich den Untergang des Abendlands heraufbeschwören.
Zum Abschluss noch ein Blick über den deutschen Tellerrand. Als vor kurzem in den USA ein Spitzensteuersatz von 70 Prozent ins Gerede kam, war die Entrüstung natürlich groß. Milliardär Michael Dell wollte daraufhin ein Land wissen, in dem sowas jemals funktioniert hätte. Die Antwort lautet: USA! Noch in den 50er Jahren unter dem republikanischen Präsidenten Eisenhower betrug der Spitzensteuersatz unglaubliche 91 Prozent. Er sank dann bis Ende der 60er Jahre auf 70 Prozent… Und wenn Sie fragen sollten: Heute sind es 37 Prozent.

Was bedeutet das konkret für mich?
Wenn Ihr Einkommen über der genannten Grenze von 56.000 Euro liegen sollte, dann fallen Sie unter den Spitzensteuersatz. Das heißt aber nicht, dass Sie 42 Prozent Ihres Einkommens versteuern müssen. Das betrifft nur das Geld über der Grenze. Und mit einer Steuererklärung können Sie Ihre Steuerlast immer noch reduzieren.

 


Mandy Pank Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Ullrich Häfner sagt:

    Sie haben leider die von Ihnen aufgeworfene Frage im o.g. Kommentar gar nicht beantwortet !

    „Was hat er (Olaf Scholz) aber genau gesagt ? “

    Daran bin ich tatsächlich immer noch interessiert !

    mfg
    U. Häfner


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