05.05.2020 · smart steuern ·

Werbungskosten – das können Sie absetzen 

Werbungskosten sind einer der größten Quellen, um Steuern zu sparen. Und fast jeder hat den Begriff wohl schon mal gehört. Doch was gehört tatsächlich zu den Werbungskosten? Was lässt sich davon genau und wie von der Steuer absetzen? Das erklären wir heute ganz ausführlich. Zuerst sagen wir Ihnen, was man allgemein unter Werbungskosten versteht. Danach geht es um die Werbungskostenpauschale. Anschließend folgen die einzelnen Werbungskosten – in vier Blöcken: Werbungskosten zur Mobilität, rund um die Arbeit selbst, zu Bildung und einem neuen Job sowie sonstige Werbungskosten. Zum Schluss liefern wir Ihnen noch ein konkretes Beispiel, wie sich das bei der Steuer auswirkt.

Was sind Werbungskosten?

Das lässt sich recht kurz sagen: Werbungskosten sind alle Ausgaben, die Sie im Zusammenhang mit Ihrem Job haben. Um Geld verdienen zu können, müssen Sie sich zum Beispiel bewerben (Kosten!), später zur Arbeit fahren (Kosten!) und sich vielleicht ja auch weiterbilden (Kosten!). Es gibt noch viel mehr Beispiele, aber dazu kommen wir gleich.
Eins noch vorab: Wenn Sie am Ende zum Beispiel 2.500 Euro Werbungskosten haben, die Sie absetzen können, bedeutet das nicht, dass Sie vom Staat 2.500 Euro zurückbekommen. Sie mindern damit nur Ihr zu versteuerndes Einkommen. Je nachdem, wie hoch Ihr Einkommen ist, können Sie dann vielleicht 300 Euro, andere aber auch deutlich mehr über die Steuererklärung zurückbekommen. Das hängt von Ihrer persönlichen Lebenssituation ab.

Was ist die Werbungskostenpauschale? 

Der Fiskus weiß natürlich, dass Arbeitnehmer Werbungskosten haben. Deshalb gibt es schon mal für alle die Werbungskostenpauschale in Höhe von 1.000 Euro. Was heißt das genau? Das sind zwei Sachen: 

  • Schon bei der monatlichen Lohnabrechnung werden die 1.000 Euro anteilig berücksichtigt. Das heißt, Sie zahlen schon dort etwas wenig Steuern, als wenn die Werbungskostenpauschale nicht dabei wäre. 
  • Bei der Steuererklärung wird die Pauschale automatisch berücksichtigt. Wenn Sie kaum Werbungskosten haben sollten, brauchen Sie keinerlei Nachweise – und müssen nicht mal die einzelnen Posten auflisten. Großes ABER: Wenn Sie nicht hundertprozentig sicher sind, sollten Sie unbedingt erstmal alle Werbungskosten im Steuerprogramm eingeben. Besonders einfach und schnell geht das übrigens mit unserer Online-Steuererklärung smartsteuer. Wie es genau bei Ihnen aussieht, wissen wir, ohne Ihren persönlichen Steuerfall zu kennen, natürlich nicht. Lesen Sie deshalb unbedingt den Artikel weiter.
     

Werbungskosten zur Mobilität

Berufsbedingt unterwegs zu sein ist für die meisten der Normalfall. Den Weg zur Arbeit kennt wohl jeder, aber es gibt viel mehr Möglichkeiten zum Absetzen. 

  • Fahrtkosten zur Arbeit: Sie können 0,30 Euro pro Kilometer der einfachen Strecke zur Arbeit absetzen. Ab 2021 ab dem 21. Kilometer dann sogar 0,35 Euro pro Kilometer. Dabei spielt es keine Rolle, wie Sie zur Arbeit kommen. Es zählt immer die kürzeste Verbindung. Es sei denn, Sie können belegen, dass Sie zum Beispiel der längere Weg über die Autobahn deutlich schneller zur Arbeit bringt. Die Entfernungspauschale (auch Pendler- oder Kilometerpauschale genannt) ist für viele der erste große Schritt, um über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro zu kommen. Wer das ganze Jahr arbeitet, braucht gerade mal 16 Kilometer pro Werktag, um das zu schaffen.
  • Führerschein: Nicht gleich jubeln, der Führerschein lässt sich normalerweise nicht absetzen, auch wenn Sie mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen. Das ist trotz allem Ihre Privatsache. Wer hingegen einen Lkw- oder Busführerschein macht, kann die Kosten als Werbungskosten geltend machen. 
  • Reisekosten: Verreisen Sie dienstlich – und Ihr Arbeitgeber bezahlt das nicht – können Sie alle Aufwendungen von der Steuer absetzen: Fahrtkosten, Übernachtung und Verpflegung. Für den sogenannten Verpflegungsmehraufwand gibt es feste Sätze. Es kommt also nicht darauf an, wie viel Sie tatsächlich fürs Essen ausgeben. In Deutschland sind die Sätze einheitlich, im Ausland gibt es ganz verschiedene Zahlen in den Staaten. Noch ein Tipp: Sie dürfen eine solche dienstliche Reise sogar mit einem Urlaub vor Ort verknüpfen und die Ausgaben anteilig absetzen. Der dienstliche Teil muss aber mindestens 10 Prozent der Reisezeit betragen.
  • Unfallkosten: Entstehen Ihnen bei einem Unfall während der Fahrt zur Arbeit (und zurück) oder während beruflicher Fahrten Kosten, die nicht von Versicherungen abgedeckt sind, können Sie diese als Werbungskosten absetzen. 
  • Doppelte Haushaltsführung: Wenn Sie zu weit weg von Ihrer Arbeitsstätte wohnen, müssen Sie vor Ort eine Zweitwohnung anmieten. Nur an den Wochenenden fahren Sie in Ihren Heimatort zu Ihrer Familie.  Das nennt sich doppelte Haushaltsführung. Viele der dabei entstehenden Kosten können Sie als Werbungskosten absetzen. Unter anderem: die Kosten für die Wohnung (inklusive Umzugskosten), Fahrtkosten und in den ersten drei Monaten den Verpflegungsmehraufwand.  
  • Umzugskosten: Manchmal ist dieses Leben in zwei Orten nicht möglich – und Sie ziehen aus beruflichen Gründen in die Nähe der neuen Arbeitsstätte. Zahlt der neue Arbeitgeber den Umzug nicht, können Sie die Ausgaben dafür als Werbungskosten geltend machen. Die großen Posten (etwa für das Umzugsunternehmen) mit Beleg. Kleinere Ausgaben werden mit der Umzugskostenpauschale abgegolten. 
  • Bahncard: Wenn Sie eine Bahncard privat kaufen und nutzen, können Sie diese trotzdem anteilig absetzen. Voraussetzung: Sie setzen diese Bahncard auch für dienstliche Fahrten ein. Achtung: Der Weg zur Arbeit fällt nicht darunter. Haben Sie im Jahr Fahrkarten für 1.000 Euro gekauft – 400 Euro dienstlich, 600 Euro privat  – dürfen Sie 40 Prozent der Kosten für die Bahncard absetzen. 

Werbungskosten – rund um die Arbeit selbst

Ja, Werbungskosten haben immer was mit der Arbeit zu tun – so sind sie ja definiert. Aber in diesem Abschnitt soll es um Ausgaben gehen, die unmittelbar mit dem Job in Verbindung stehen.

  • Arbeitsmittel: Dazu gehören Dinge, die Sie für Ihren Job notwendig brauchen. Das sind unter anderem Werkzeuge, Computer/Laptop, Telefon/Smartphone und eine Arbeitstasche. Desweiteren auch Bürotisch, Bürostuhl und ein Regal. Wichtig: Kostet davon etwas mehr als 952 Euro (800 Euro ohne Mehrwertsteuer), können Sie es nicht auf einen Schlag absetzen, sondern müssen es über mehrere Jahre (die sogenannte Nutzungsdauer) abschreiben.
  • Arbeitszimmer: Das können Sie meist nicht mehr absetzen. Es ist nur möglich, wenn Sie für den Job keinen anderen festen Arbeitsplatz haben oder der Raum der Mittelpunkt ihres beruflichen Lebens ist. Im ersten Fall dürfen Sie bis zu 1.250 Euro im Jahr absetzen, im zweiten Fall alle entstehenden Kosten. Zu Zeiten des Corona Home-Office gibt es allerdings Lockerungen, mehr dazu in diesem Artikel.
  • Berufskleidung: Arbeitskittel, Blaumann, Uniform, Arztkleidung und noch mehr. Die Liste typischer Berufskleidung ist schon recht lang. Der Kauf und die Reinigungskosten lassen sich komplett als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Aber Achtung: Nicht alles zählt tatsächlich als Berufskleidung. Generelle Faustregel: Wenn kein Logo Ihres Unternehmens auf dem Kleidungsstück oder den Schuhen vorhanden ist, ist es auch keine Berufskleidung. 

Werbungskosten – Bildung und neuer Job

Nun geht es um Ausgaben, die Sie haben, wenn Sie einen (neuen) Job suchen oder sich weiterbilden wollen. Ganz klar, wie immer: Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten, können Sie diese auch nicht absetzen.

  • Berufsausbildung: Die Kosten für eine zweite Ausbildung nach dem Schulabschluss lassen sich komplett als Werbungskosten absetzen. Das gilt zum Beispiel, wenn Sie nach einer Lehre ein Studium aufnehmen. Oder nach dem Bachelor noch ein Masterstudium anhängen. Besonders interessant ist das, weil Sie etwaige Verluste in die nächsten Jahre vortragen dürfen. Und so später mit einer satten Steuererstattung rechnen können. Bei der ersten Ausbildung ist das hingegen nicht möglich, das entschied das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2020. Hier können Sie nur die wesentlich ungünstigeren Sonderausgaben geltend machen. 
  • Bewerbungen: Die Jobsuche ist oft langwierig und geht auch ins Geld. Eigene Anzeigen, Porto, Kopien, Bewerbungsfotos oder die Kosten für die Fahrt zu einem Bewerbungsgespräch und noch mehr. Das alles zählt auch zu den Werbungskosten.
  • Fachliteratur: Die Kosten für Fachzeitschriften und Fachbücher sind absetzbar. Eher schwierig sieht es bei Tageszeitungen aus, die sind in der Regel das private Vergnügen.  
  • Weiterbildung: Machen Sie Lehrgänge, besuchen Seminare, oder buchen einen Sprachkurs, können Sie die Ausgaben ebenfalls bei der Steuer geltend machen. Wichtig: Der Bezug zur Arbeit muss belegbar sein. Nehmen Sie etwa an einem Japanisch-Kurs teil, dürfte der nur zählen, wenn Sie oft beruflich in Japan sind.

Sonstige Werbungskosten

Kommen wir nun zu den Ausgaben, die nicht in die ersten drei Kategorien fallen.

  • Beiträge: Für Arbeitnehmer sind zum Beispiel der Beitrag für einen Berufsverband und der Gewerkschaftsbeitrag absetzbar.
  • Bewirtungskosten: Wenn Sie etwa einen Geschäftspartner zum Essen einladen (und die Firma trägt nicht die Kosten), dürfen Sie auch diese Ausgabe als Werbungskosten absetzen. Das gilt auch für eine Feier in der Firma. 
  • Feier: Wer was zu feiern hat, gibt einen aus. Viele kennen das in ihrem Unternehmen. Runder Geburtstag, Dienstjubiläum oder die eigene Hochzeit seien da als Beispiele genannt. Die Kosten dafür dürfen Sie absetzen, wenn es wirklich nur einen dienstlichen Hintergrund hat. Zudem müssen Sie dann auch alle einladen, etwa aus Ihrer Abteilung. 
  • Kontoführung: Hier werden normalerweise 16 Euro pauschal als Werbungskosten anerkannt – auch bei einem kostenlosen Konto.
  • Kreditkarte: Kleinvieh macht auch Mist. Wer eine private Kreditkarte auch dienstlich nutzt, kann den beruflichen Anteil ermitteln und entsprechend die anteiligen Kosten steuerlich geltend machen. 
  • Telefon-/Internetkosten: Nutzen Sie Ihr Smartphone auch beruflich, lassen sich in der Regel 20 Prozent der Kosten als Werbungskosten angeben. Das Gleiche gilt für das Festnetz und Internet. 
  • Versicherungen: Auch hier gilt, dass die jeweilige Versicherung einen unmittelbaren beruflichen Bezug haben muss. Das können zum Beispiel spezielle Berufshaftpflicht- und Berufsrechtsschutzversicherungen sein.

Ein Rechenbeispiel zum Abschluss

Grau ist alle Theorie, sagen viele. Deshalb bringen wir Ihnen gleich noch ein konkretes Beispiel. Eins sollten Sie aber nie vergessen: Wenn Sie Ihre Steuer mit unserer Online-Lösung smartsteuer machen, sind Sie immer auf der sicheren Seite. Denn hier wird in Form eines Interviews alles leicht verständlich abgefragt – es kann also auch nicht passieren, dass Sie etwas bei den Werbungskosten vergessen.

Nun aber zum Beispiel: Eine junge Frau ist alleinstehend, ohne Kinder und in der Kirche ist sie auch nicht mehr. Sie hat Steuerklasse 1. Ihr Jahresgehalt beträgt 35.000 Euro. Davon wurden ihr 2017 4.941,96 Euro Lohnsteuer und 271,80 Euro Solidaritätszuschlag abgezogen.

Nun kommen die Werbungskosten:

  • Die Frau ist an 230 Arbeitstagen immer 16 Kilometer (einfache Strecke) zur Arbeit gefahren. Das ergibt: 230 Arbeitstage x 16 km x 0,30 Euro = 1.104 Euro.
  • Sie besucht einen zugegebenermaßen teuren Englisch-Kurs, weil Sie das für den Job braucht. Der Kurs kostet 2.142,00 Euro.
  • Für eine dienstliche Reise, die ihr Chef aber nicht gezahlt hat, hatte sie Kosten von 650,00 Euro.
  • Fachliteratur ist ein Muss für die junge Frau – und die schlug mit 1.152 Euro zu Buche.

Insgesamt ergibt das:

Bruttoarbeitslohn   35.000 Euro

– Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte   1.104 Euro

– Sprachkurs   2.142 Euro

– Reisekosten   650 Euro

– Fachliteratur   1.152 Euro

= Einkünfte   29.952 Euro

– Vorsorgeaufwendungen/Sonderausgaben   5.351 Euro

= zu versteuerndes Einkommen   24.601 Euro

Jetzt nimmt das Finanzamt diese 24.601 Euro und berechnet die Steuer anhand der sogenannten Grundtabelle.
Die Einkommensteuerbelastung liegt jetzt bei 3.798 Euro und einem Solidaritätszuschlag von 208,89 Euro. Also deutlich weniger als die Steuern, die sie bereits gezahlt hat. Sie erhält also 1.143,96 Euro Steuererstattung und auch entsprechend 62,91 Euro zurück vom zu viel gezahlten Soli. Insgesamt also rund 1.207 Euro!

Was bedeutet das konkret für mich?
Mit Werbungskosten können sich viele Arbeitnehmer einiges an Geld vom Staat zurückholen. Das geht allerdings nur über eine Steuererklärung. Keine Angst, mit unserer Online-Lösung smartsteuer geht das einfach und schnell.

Geschrieben von:
Stefan Heine Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Mit viel Ruhe sorgt Stefan für Ausgleich und Harmonie im smartsteuer Team.
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