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Solidaritätszuschlag – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Allgemeine Charakterisierung
2 Die Technik des Solidaritätszuschlags
2.1 Die Bemessungsgrundlage
2.2 Das Verhältnis des Einkommensteuerbescheids zum Solidaritätszuschlag
2.3 Freigrenzen und Kleinbetragsregelung
2.4 Solidaritätszuschlag und Gewinnausschüttungen
3 Literaturhinweise
4 Verwandte Lexikonartikel

1. Allgemeine Charakterisierung

Der Solidaritätszuschlag ist eine einkommensteuerliche Annexsteuer (Zuschlagsteuer) bzw. eine Ergänzungsabgabe (§ 3 Abs. 1 AO), bei der die Bemessungsgrundlage die Einkommensteuer (Lohn-/Körperschaftsteuer) selbst ist (§ 3 Abs. 1 SolZG). Das Aufkommen steht nach Art. 106 Abs. 1 Nr. 6 GG allein dem Bund zu. Daher bedarf das Solidaritätszuschlaggesetz (SolzG) auch nicht der Zustimmung des Bundesrates nach Art. 105 Abs. 3 GG. Darüber hinaus besteht ein Solidarpakt zwischen Ländern und Bund.

Obgleich die Verfassungsmäßigkeit des Solidaritätszuschlags für VZ ab 2002 durch den Beschluss des BFH vom 28.6.2006, BStBl II 2006, 692 eigentlich nicht (mehr) in Frage gestellt war, da die dagegen gerichtete Verfassungsbeschwerde ohne Erfolg blieb (vgl. BVerfG Beschluss vom 11.2.2008, 2 BvR 1708/06) hält jedoch der 7. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts (Beschluss vom 25.11.2009, Az: 7 K 143/08) die andauernde Erhebung des Solidaritätszuschlags spätestens ab dem VZ 2007 für verfassungswidrig und legt das Klageverfahren mit dem Az. 7 K 143/08 dem BVerfG vor. Als Reaktion hierauf sind nach dem BMF-Schreiben vom 7.12.2009 (IV A 3-S 0338/07/10010) Festsetzungen des Solidaritätszuschlags ab dem VZ 2005 im Rahmen der verfahrensrechtlichen Möglichkeiten bis zu einer Entscheidung durch das BVerfG gemäß § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AO vorläufig vorzunehmen. Dagegen sind das FG Münster und das FG Köln der Ansicht, dass der Solidaritätszuschlag auch für das Jahr 2007 verfassungsgemäß ist (vgl. dazu FG Münster vom 8.12.2009 (1 K 4077/08) sowie FG Köln Urteil vom 14.1.2010 (13 K 1287/09). Am 8.9.2010 entschied das BVerfG, dass Ergänzungsabgaben aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht befristet werden müssen. Der Vorstoß des niedersächsischen FG gegen den Solidaritätszuschlag wurde somit zurückgewiesen. Die Karlsruher Richter wiesen zudem die Ansicht der Finanzrichter zurück, dass der Solidaritätszuschlag wegen verschiedener Steuerermäßigungen in den vergangenen Jahren hätte entfallen müssen. Den Verfassungsrichtern zufolge wurden zwar Steuersätze gesenkt, zugleich aber deren Bemessungsgrundlage verbreitert (BVerfG vom 8.9.2010, 2 BvL 3/10). Dieser Auffassung hat sich auch der BFH mit Urteilen vom 21.7.2011 (II R 50/09 und II R 52/10) angeschlossen. So hat der BFH entschieden, dass die Festsetzung des Solidaritätszuschlages zur ESt und KSt bis zum Jahr 2007 verfassungsmäßig war. Auch nach einer Laufzeit von bis dahin 13 Jahren diene er noch zur Deckung des besonderen Finanzbedarfs des Bundes aus den Kosten der Wiederherstellung der deutschen Einheit. Zu einem dauerhaften Instrument der Steuerumverteilung dürfe der SolZ allerdings nicht werden.

Die Höhe des Solidaritätszuschlags beträgt derzeit 5,5 %, die auch bei Vorauszahlungen auf die ESt/KSt einbehalten wird (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 SolZG). Eine mögliche Abschaffung des Solidaritätszuschlages ist in der Politik ein Dauerbrennpunkt. So will unter anderem die FDP mit der Forderung der Abschaffung des Solidaritätszuschlages in den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 ziehen.

Im Unterschied zu dem für die Jahre 1991/92 erhobenen Solidaritätszuschlag ist der seit 1995 wieder eingeführte Zuschlag (mit ursprünglich 7,5 %; ab VZ 1998 um 2 % reduziert) zeitlich nicht befristet.

Von der wirtschaftlichen Auswirkung her gesehen erhöht der Solidaritätszuschlag die Grenzsteuersätze bei der Einkommensteuer von 42 % auf 44,31 % bzw. von 45 % auf 47,475 % und den Steuersatz bei der Körperschaftsteuer von 15 % auf 15,825 %.

2. Die Technik des Solidaritätszuschlags

2.1. Die Bemessungsgrundlage

Gem. § 3 SolZG berechnet sich der Solidaritätszuschlag wie folgt:

  1. aus der Einkommensteuer unter Berücksichtigung von Kinderfreibeträgen (§ 3 Abs. 2 SolZG),

  2. aus der einbehaltenen Lohnsteuer für den Fall des LSt-Abzugs (§ 3 Abs. 2a i.V.m. § 3 Abs. 1 Nr. 3 SolZG),

  3. aus der festgesetzten, d.h. veranlagten positiven Körperschaftsteuer (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 SolZG),

  4. aus den Vorauszahlungen zur Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 SolZG),

  5. aus der Kapitalertragsteuer bzw. aus der Zinsabschlagsteuer (§ 3 Abs. 1 Nr. 5 SolZG) und

  6. aus dem Steuerabzug bei beschränkt Steuerpflichtigen des § 50a EStG (§ 3 Abs. 1 Nr. 6 SolZG).

2.2. Das Verhältnis des Einkommensteuerbescheids zum Solidaritätszuschlag

Der ESt-Bescheid ist der Grundlagenbescheid für den Bescheid über den Solidaritätszuschlag. Von daher genügt es, bei Fehlern des ESt-Bescheids nur diesen anzufechten (§ 175 Abs. 1 Nr. 1 AO).

Ein Rechtsmittel gegen den Solidaritätszuschlag ist hingegen erforderlich, wenn allein gegen die Bestimmungen des SolZG verstoßen wurde.

Nachdem bei der Einkommensteuer der Solidaritätszuschlag immer nach ESt unter Berücksichtigung der Kinderfreibeträge berechnet wird, kann in diesem Fall die ESt unterschiedlich definiert sein:

  • einmal die tatsächlich festgesetzte ESt auf Grund der Günstigerprüfung unter Berücksichtigung des Kindergeldes (statt des Abzugs der Kinderfreibeträge) und

  • für Zwecke des Solidaritätszuschlags als fiktive ESt (unter Berücksichtigung der Kinderfreibeträge).

2.3. Freigrenzen und Kleinbetragsregelung

Nur bei der Einkommensteuer(schuld) wird der Solidaritätszuschlag nicht automatisch erhoben. Gem. § 3 Abs. 3 SolZG gibt es eine Freigrenze von 972 € ESt-Schuld (Grundtabelle) bzw. 1 944 € ESt-Schuld (Splittingtabelle), bis zu der kein Solidaritätszuschlag erhoben wird.

Bei Überschreiten dieser Freigrenze wird sodann der Solidaritätszuschlag nicht in voller Höhe von 5,5 % erhoben. Vielmehr sieht § 4 Satz 2 SolZG einen »gleitenden« Übergang vor. Der Solidaritätszuschlag darf danach nicht mehr als 20 % des Unterschiedsbetrages zwischen der Bemessungsgrundlage (ESt-Schuld) und der nach § 3 Abs. 3 bis 5 SolZG jeweils maßgebenden Freigrenze betragen.

Beispiel:

Für Ehegatten mit einem zu versteuernden Einkommen von 27 620 € beträgt die ESt-Schuld nach

der Splittingtabelle 2009

2 336 €

die Freigrenze beträgt

1 944 €

der Unterschiedsbetrag

392 €

hierauf 20 %

78,40 €

Lösung:

Anstelle der ansonsten fälligen 128,48 € (5,5 % von 2 336 €) kann hier nur ein Solidaritätszuschlag i.H.v. 78,40 € festgesetzt werden.

2.4. Solidaritätszuschlag und Gewinnausschüttungen

Entgegen der ersten Version des SolZG kommt es nach der Umstellung der Dividendenbesteuerung auf das Halbeinkünfteverfahren bzw. auf das Teileinkünfteverfahren/Abgeltungsteuer wieder zu einer zweifachen Festsetzung des Solidaritätszuschlags, einmal auf der Ebene der Kapitalgesellschaft und zum anderen auf der Gesellschafterebene, wobei hier § 3 Nr. 40d EStG zu berücksichtigen ist.

3. Literaturhinweise

Paus, Der Solidaritätszuschlag, BuW 1991, 265; Dötsch, Der Solidaritätszuschlag zur Körperschaftsteuer, DB 1993, 1440; Schaufenberg/Tillich, Berechnungen des Solidaritätszuschlags bei Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften, DB 1998, 152; Neyer, Der Solidaritätszuschlag bei Verlustnutzung im Konzern, DStR 1999, 308.

4. Verwandte Lexikonartikel

Einkommensteuer

Körperschaftsteuer

Lohnsteuer

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart. Josef Schneider u.a., Finanz und Steuern Band 16, Lexikon des Steuerrechts, 6. Auflage https://www.schaeffer-poeschel.de/isbn/978-3-7910-2833-0.html

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