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Werbungskosten

Die offizielle Definition im Gesetz lautet: »Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen

Übersetzt bedeutet das: Werbungskosten sind alle Kosten, die Arbeitnehmern entstehen, um überhaupt an ihr Gehalt oder ihren Lohn zu kommen, und das möglichst über einen längeren Zeitraum. Im Bereich der Werbungskosten ergeben sich für Arbeitnehmer naturgemäß die besten Steuerspareffekte.

Beispiele: Der Weg zur Arbeit kostet Geld, wenn Sie erst einmal umziehen müssen, um dort zu wohnen, wo Sie arbeiten, kostet das Geld. Wenn in Ihrem ausgeübten Beruf besondere Sprach- oder Computerkenntnisse gefordert sind, die Sie sich durch angebotene Kurse zunächst aneignen müssen, kostet das Kursgebühren und auch hier entstehen wieder Fahrt-, vielleicht sogar Übernachtungskosten am Veranstaltungsort.

Diese Kosten geben Sie in der Einkommensteuererklärung an, um das Finanzamt daran zu beteiligen. Das heißt aber nicht: Ich kaufe mir mal ein schönes Notebook und dann gibt mir das Finanzamt das Geld zurück – etwas kniffliger ist die Sache schon!

Beispiel: Die Berufseinsteigerin Anna Hochmotiviert, 1986 geboren und alleinstehend, aus der Kirche ausgetreten und in Steuerklasse I, hat sich bei ihrem Bewerbungsgespräch für den Job in einem international agierenden Konzern gut verkauft und verdient gleich im ersten Jahr 35.000 €. Sie hat ihre neue Stelle am 01.01.2016 angetreten. 2016 zahlt sie 5.034,96 € Lohnsteuer und 276,84 € Solidaritätszuschlag.

Darum muss sie sich aber nicht selbst kümmern, weil der Arbeitgeber die Lohnsteuer direkt vom Gehalt einbehalten und an den Fiskus abführen muss. Agieren – sprich: von diesem Geld etwas zurückbekommen – kann sie frühestens, im darauffolgenden Jahr. Und zwar dann, wenn ihr der Arbeitgeber die Lohnsteuerbescheinigung für das abgelaufene Jahr übergeben hat. Dann zeigt sich, dass das lästige Sammeln von Belegen, Rechnungen, Quittungen und die Lösung von ein paar Rechenaufgaben sich durchaus lohnen können.

Denn:

Anna Hochmotiviert ist an 230 Arbeitstagen jeweils 16 Kilometer zur Arbeit gefahren. Dafür kann sie die Entfernungspauschale von 0,30 € pro Kilometer (einfache Entfernung!) ansetzen. Sie will fit bleiben, deshalb ist sie immer mit dem Fahrrad gefahren (für den Ansatz der Entfernungspauschale ist das egal: sie könnte auch Auto, Bahn oder Kickboard fahren, ja sogar zu Fuß gehen – die Entfernungspauschale gilt unabhängig vom benutzten Verkehrsmittel). Die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ändert sich in der Regel nicht, deshalb reicht es, wenn man in der Steuererklärung die Entfernungskilometer und die Zahl der Arbeitstage angibt. Das Finanzamt weiß ja, wo der Arbeitgeber sitzt und wo der Arbeitnehmer wohnt. Wenn Zweifel aufkommen, nutzen auch die Finanzbeamten gerne einen Routenplaner.

In unserem Beispiel ergibt sich die Rechnung:

230 Arbeitstage x 16 km x 0,30 € = 1.104 €.

Diese 1.104 € zieht das Finanzamt jetzt von den 35.000 € ab, die Anna Hochmotiviert in ihrem ersten Jahr verdient hat. Genauso läuft es mit allen anderen Werbungskosten, die sie in ihrer Steuererklärung angibt. Sagen wir, sie hat auch noch einen Kurs besucht, um ihr »English on the Job« zu verbessern oder um sich das überhaupt erst anzueignen. Sie hat diesbezüglich im Bewerbungsgespräch etwas hoch gepokert.

Der Kurs ist nicht ganz billig: 4,5 Tage kosten 2.142,00 €, die sie selber bezahlt hat (mit dem Geld, das ihr Großvater ihr geschenkt hat – das spielt aber für den Werbungskostenabzug keine Rolle). Auch diesen Betrag setzt sie natürlich in der Steuererklärung an. Nehmen wir an, Anna Hochmotiviert hat in einem Hotel übernachtet für 650,00 €, und investiert schließlich noch in Fachliteratur, um im Beruf auch auf Gebieten mitreden zu können, über die sie während des Studiums noch nichts gehört hat. Die Rechnung sieht dann wie folgt aus:

Bruttoarbeitslohn35.000 €
Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte– 1.104 €
Sprachkurs– 2.142 €
Hotel– 650 €
Fachliteratur– 1.152 €
Einkünfte29.565 €
Vorsorgeaufwendungen/Sonderausgaben-5.351 €
zu versteuerndes Einkommen24.565 €

Jetzt nimmt das Finanzamt diese 24.565 € und berechnet die Steuer anhand der sog. Grundtabelle (für Ehepaare, die sich zusammen zur Einkommensteuer veranlagen lassen, gilt die sog. Splittingtabelle)

Die Einkommensteuerbelastung liegt jetzt bei 3.831 €. Das Finanzamt schaut anhand der Informationen, die in Annas Steuererklärung stehen und anhand der übermittelten Daten des Arbeitgeber, wie viel Lohnsteuer Anna Hochmotiviert schon bezahlt hat und wie viel sie deshalb zurückbekommen muss. Das Finanzamt schreibt dann im Einkommensteuerbescheid: »demnach zuviel gezahlt«: 1.270,14 €. Diesen Betrag wird ihr vom Finanzamt erstattet.

 

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