29.06.2015 · smart Leben ·

Bitcoin: Virtuelle Währung, reale Steuern

Neben dem Euro und dem Dollar gibt es noch rund 160 weitere Währungen weltweit. Während Sie diese Gelder als Münzen oder Scheine in die Hand nehmen können, hat das Internet in den letzten Jahren aber eine ganze Reihe zusätzlicher, sogenannter Pseudo- oder Kryptowährungen geschaffen. Ihr Vorteil: Transaktionen im Internet werden damit blitzschnell abgewickelt. Banken, Kreditkartenunternehmen und Zahlungsdienstleister wie Paypal werden überflüssig. Das ist nicht alles: Würde eine Kryptowährung  den Euro und den Dollar als Zahlungsmittel ablösen, würden Regierungen die Kontrolle über das Geld verlieren. Was das für Folgen hätte, ist schlicht nicht abzusehen. Die vielleicht bekannteste dieser Kryptowährungen ist Bitcoin.

Was sind BitCoins?

Vereinfacht gesagt sind Bitcoins digitale Münzen, die über das Internet versendet werden können. Bitcoin ist übrigens nur eine von mittlerweile über 100 virtuellen Währungen. Sie gilt als „Mutter der Kryptowährungen“. 

Mit Hilfe kryptographischer Techniken wird sichergestellt, dass nur der Eigentümer der Bitcoins Transaktionen vornehmen kann und die Geldeinheiten nicht mehrfach ausgegeben werden können. Bitcoins kommen ohne zentrale Verwaltungsinstanz wie Banken aus und erlauben so anonyme Zahlungen, ähnlich dem Bargeld.

Mittlerweile haben sich sogar die deutsche Finanzmarktaufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), und das Bundesministerium der Finanzen (BMF) mit Bitcoins beschäftigt. Höchste Zeit also, die Sache steuerlich zu betrachten.

Bitcoins aus staatlicher Sicht

Laut BaFin handelt es sich bei Bitcoins um „Rechnungseinheiten“. Rechnungseinheiten sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel, dienen aber beispielsweise als Kursbasis bei der Abwicklung von Forderungen zwischen Partnern mit verschiedenen Währungen. Als bekanntes Beispiel dient der ECU, der Vorgänger des Euro.

Das BMF hat sich der BaFin angeschlossen. Dabei hat es klargestellt, dass Bitcoins weder E-Geld wie Zentralbankgeld oder Buchgeld der Geschäftsbanken noch gesetzliches Zahlungsmittel sind. Die Deutsche Bundesbank sieht Bitcoins als ein »hoch spekulatives Finanzinstrument«.

Nutzung der Bitcoins

Bitcoins können gegen Währungen getauscht, gespeichert oder – wie Bargeld – als Zahlmittel zum Beispiel bei WordPress, lieferservice.de oder als Spende bei Wikileaks oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Berlin eingesetzt werden.

Es gibt verschiedene Wege, um Bitcoins zu erhalten. Eine Möglichkeit ist, Waren und Dienstleistungen zu verkaufen und dafür die Zahlung von Bitcoins zu akzeptieren. Eine Alternative ist der Kauf von Bitcoins auf einem Bitcoin Marktplatz.

Zudem können Bitcoins durch das sogenannte Mining (= Schürfen) verdient werden. Mining nennt sich ein Prozess, mit dem neue Bitcoins entstehen. Dabei muss der Rechner des Anwenders eine schwierige mathematische Gleichung lösen.

Steuerliche Betrachtung

Die Antwort auf die Frage nach der Steuerpflicht lautet klassischerweise „Es kommt darauf anVon Interesse sind vor allem das Bitcoin-Mining und der Erwerb von Bitcoins als Kapitalanlage. Der Kurs ist extrem empfindlich und kann auch an einzelnen Tagen erheblich schwanken.

Gewinne durch das Mining

Was passiert, wenn durch die Erzeugung von Bitcoins, das Mining, Gewinne erzielt werden? Es handelt sich dabei ganz klar um Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Nach der Definition werden Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt, wenn jemand einer Betätigung

  • selbstständig
  • nachhaltig und
  • mit Gewinnerzielungsabsicht nachgeht.
  • Zudem muss sich diese Person am wirtschaftlichen Verkehr beteiligen.

Der Gewinn kann dann meist mit einer Gegenüberstellung der Einnahmen und der Kosten wie für Strom oder Hardware ermittelt werden.

Wenn einer dieser Punkte zu verneinen ist, ist der Gewinn jedoch noch lange nicht steuerfrei. Die Einnahmen sind dann als Einkünfte aus sonstigen Leistungen zu bewerten. Diese Einkünfte sind bis zu 256 € steuerfrei. Darüber hinaus greift der persönliche Einkommenssteuersatz.

Wertzuwächse mit Bitcoins

Spannend wird es, wenn mit Bitcoins Wertzuwächse erzielt werden. Hier sind die Anschaffungskosten mit dem Wert im Zeitpunkt des Verkaufes zu vergleichen. Eine Anschaffung ist beispielsweise der Erwerb von Bitcoins gegen Euro. Ein Verkauf liegt vor, wenn die Bitcoins in Euro zurückgetauscht werden. Zum anderen ist die Bezahlung einer Ware oder Dienstleistung als Verkauf zu sehen.

Wie bereits besprochen, sind die Kursschwankungen extrem. Wenn Bitcoins günstig gekauft wurden und kurze Zeit später mit den Bitcoins bezahlt wurde, kann ein Bitcoin stark im Wert gestiegen sein. Das bedeutet, dass viel weniger Bitcoins beim Wareneinkauf eingesetzt werden müssen, als es im Zeitpunkt der Anschaffung des Bitcoins erforderlich gewesen wäre. Es kann also ein satter Kursgewinn mitgenommen werden.

Ein Beispiel verdeutlicht die Problematik: Alex hat Anfang des Jahres 100 Bitcoins für 1.000 Euro erworben. Einige Monate später sind diese Bitcoins allerdings 25.000 € wert. Wenn Alex jetzt mit den Bitcoins eine Ware bezahlt, ist der Gewinn von 24.000 € steuerpflichtig.

Wurde der Kursgewinn innerhalb eines Jahres realisiert, freut sich auch das Finanzamt. Ist dieser Gewinn höher als 600 €, ist er mit dem persönlichen Steuersatz zu verteuern. Steuerrechtlich wurden Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielt.

Spekulationsgeschäfte, bei denen zwischen Kauf und Verkauf der Bitcoins mehr als ein Jahr liegen, bleiben hingegen komplett steuerfrei.

Durch die schwankenden Kurse werden nicht nur Gewinne erwirtschaftet, sondern auch Verluste sind möglich. Diese Verluste können mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden, nicht jedoch mit anderen Einkünften wie aus einer Arbeitnehmertätigkeit.

Fazit

Bitcoins sind ohne Zweifel eine spannende Entwicklung in der Finanzwelt. Aufgrund der unsicheren Kurses, einiger schwarzer Schafe in der Branche und kniffeligen steuerlichen Fallstricken sind sie aktuell aber eher etwas für Experimentierfreudige als für den normalen Verbraucher.

Stefan Heine Geschrieben von:
22 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Peter Müller sagt:

    Vielen Dank für den informativen Beitrag zur steuerlichen Behandlung von Bitcoin.

    Was mich interessieren würde;

    Wenn ich als Kleinunternehmer nach Einnahme/Überschußrechnung versteuere, entstehten dann meine gewerblichen und zu versteuernden Einküfte bereits zum Zeitpunkt und Kurs des Eingangs auf meinem BitCoin Konto, oder erst beim Umtausch in eine gesetzliche Währung?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Herr Müller,

    vielleicht bekommen Sie hier oder hier konkrete Auskünfte zum Thema.

  • Ayna sagt:

    Interessanter Artikel. Mich interessiert sehr ob sich Bitcoin in Zukunft voll durchsetzen wird?!

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Das interessiert uns natürlich auch. Es bleibt spannend für die Zukunft.

  • Mark sagt:

    Danke für den gut und verständlich geschriebenen Artikel. Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit Bitcoins und bin sehr gespannt, wo die Reise mit der virtuellen Währung noch hingehen wird.

  • Markus sagt:

    Ich bin investiert und werde euch sagen das er meiner Meinung nach noch um viiiel mehr steigen wird, da er ein so große Akzeptanz hat und man Weltweit damit zahlen und von Automaten abheben kann.

  • Thomas sagt:

    Danke für Ihren Artikel!
    Wie sieht es aber aus, wenn durch Bitcoinlending (z.B. bei Poloniex) BTC-Zinsgewinne erwirtschaftet werden? Müssen diese dann wie herkömmliche Zinsen in der Steuererklärung angegeben werden? Und falls ja, zu welchen BTC-Kurs?
    Weiterhin frage ich mich wie Gewinne bei Altcoins versteuert werden. Wenn erst mit BTC ein Altcoin gekauft und später mit BTC-Gewinn wieder verkauft wurde. Muss ich diese angeben?

    Vielen Dank und herzliche Grüße!

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Thomas,
    leider können wir auf deinen Spezialfall nicht eingehen.
    Wende dich am besten an einen Experten auf dem Gebiet.

  • Michael sagt:

    Sehr guter Artikel, hat mir nochmal Sicherheit gegeben dass ich soweit alles richtig habe 🙂

    Thomas:
    ich kann natürlich keine fachkundige Beratung liefern, aber konservativ gedacht sind die Zinsgewinne hier eher ein Handelsgewinn, da du ja aktiv Einfluss nehmen kannst. Altcoingewinne sind ebenso ganz normale Einnahmen.

  • Team-BitPool sagt:

    Toller Beitrag,

    1) bei uns stellt sich immer die Frage zu welchem Kurs man denn abrechnen muss/kann?
    Beispiel:
    Tag 1 -> 1 Bitcoin beim minen erhalten (Kurs 2000€)
    Tag 100 -> 1 Bitcoin für 4000€ verkauft
    Darf der Staat sich dann bei 2000€ Kurs oder 4000€ Kurs glücklich schätzen?
    Da Mining und Kursverlauf normal unterschiedlich gerechnet werden, müsste man dies hier dann auch machen?

    2) Wenn der Kurs fällt, kann ich dann den Verlust auch bei der Steuer angeben?
    Ich denke nicht dass der Staat da entgegen kommt…

    Da die steuerrechtliche Lage eh noch nicht ganz klar ist sind das wohl alles eh nur Spekulationen. Evtl. werden bald die gnädigen Herren aufwachen und den Bitcoin höher als Tabak oder Diesel versteuern…

    Soviel zum Thema Steuer 🙂

    Wer aber Bitcoin erhalten möchte bzw. gerne mehr Infos zu dem Mining haben möchte, kann sich gerne auf unserer Seite http://www.Team-BitPool.com umschauen und uns kontaktieren.

    Beste Grüße
    Team-BitPool

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Da Bitcoins unter die privaten Veräußerungsgeschäfte fallen, ist die Differenz von Anschaffungspreis und Verkaufspreis zu versteuern.
    Verluste aus Bitcoins können mit anderen Verlusten aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

  • Stephan sagt:

    Hallo,
    ich wollte nochmal nachhaken ob ich das auch richtig verstehe. Wenn ich mir Bitcoin gekauft hab und diese fuer ein Jahr behalte und dann erst verkaufe, darauf muessen keine Steuer gezahlt werden? Ich kann mir das Geld ohne Probleme auf mein Konto ueberweisen?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Wenn die Voraussetzungen für Einkünfte aus Gewerbebetrieb nicht gegeben sind, dann können die Einkünfte als private Veräußerungsgeschäfte eingestuft werden.
    Dann sind Erträge nach einer Haltedauer von über einem Jahr steuerfrei.

  • Georg sagt:

    Mich würde interessieren, was in folgendem Szenario passiert:

    Tag 1: Kauf einer Bitcoin zu 1000 € über eine Börse, für das Finanzamt nachvollziehbar, da von einem Fiat-Konto Geld an eine Börse abgeflossen ist.

    Tag 20: Wechsel der 1 BTC in eine andere Kryptowährung z.B. Etherium, das kann über annonyme tauschbörsen online abgewickelt werden, meiner Meinung nach keine Möglichkeit für das Finanzamt darauf zukommen.

    Tag 50: Verkauf der gewechselten Kryptowährung zurück gegen Euro

    Nun wurden ja aber keine BTC verkauft sonder z.B. ETH. Als Leihe stell ich mir das so vor als würde ich meine Aktien XYZ mit jemandem gegen dessen Aktien ABC tauschen und dann diese verkaufen. Was passiert hier steuerlich? Eine Zuordenbarkeit ist nicht mehr gegeben.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Bitte erwarten Sie hier nicht, dass wir eine Anleitung zur Steuerumgehung geben..
    Aus meiner Sicht ist auch ein „Wechsel“ von Bitcoins in einer andere KryptoWährung ebenfalls ein Verkauf, zumindest etwas ähnliches.
    Dieses Thema rechtlich noch nicht ausgereift, weshalb das Durchspielen weiterer Szenarien nicht zu mehr Erkenntnissen führen wird.

  • Wolfgang sagt:

    Bei nachhaltigem „Mining“ in größerem Umfang dürfte wohl von einer Gewinnerzielungsabsicht ausgegangen werden. Also kein Privatbereich mehr. Wäre es dann nicht besser die Sache offiziell über ein neue UG/GmbH – einmal aus steuerlicher zum anderen vielleicht auch aus haftungsrechtlicher Sicht..?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Es werden aber sicher weiterhin steuerpflichtige Gewinne sein. Die Beantwortung der Frage ob das Modell besser ist, bedarf sicher einer Beratung.

  • Alex Hudel sagt:

    Huhu,

    wie ist es denn wenn ich 1 BTC für 1000 Euro kaufe und er steigt auf 2000 Euro.
    ich dann 0,5 BTC verkaufe (1BTC/2000€) als 1000 Euro bekomme. Somit habe ich 1000 Euro investiert (in 1 BTC) und 1000 Euro (und 0,5 BTC auf der Börse) mir auszahlen lasse.
    Ich habe ja keinen Gewinn gemacht: für 1000 € gekauft und für 1000 (0,5 BTC) verkauft
    oder verstehe ich da was falsch?
    Vielen Dank für die Mühen
    Beste Grüße Alex

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Hallo,

    Sie haben in Ihrem Beispiel 0,5 BTC für 500 Euro gekauft und mit einem Gewinn von 500 Euro wieder verkauft. Bei einer Realisierung innerhalb eines Jahres wäre der Gewinn steuerplfichtig. Da er jedoch nicht höher als 600 Euro beträgt, ist er nicht zu versteuern.

  • Erwin sagt:

    Hallo zusammen

    Ich habe eine Frage.
    Ich habe +/- 150 Ethereum gekauft dieses und letztes Jahr. Insgesammt habe ich Euro 11800 hier fur bezahlt damal. Ich muss jetzt einiges verkaufen da ich 40000 Euro brauche.

    Wie zieht dieses Konkrete Beispiel aus Steuertechnisch

    Danke

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Hallo Erwin,
    Grundsätzlich müssen die Anschaffungskosten mit dem Verkaufspreis verglichen werden.
    Der Gewinn ergibt sich, wenn man von dem Verkaufspreis die Anschaffungskosten abzieht.

  • Carsten sagt:

    Hallo,

    und danke für den guten Artikel.

    Mich würde Interessieren: Wie werden 2 Konten bei der gleichen Börse, meinetwegen bei Bitcoin.de, steuerlich gehandhabt.

    Konto 1: Kauf von 2 Bitcoins am 02.08.2017, die nicht vor einem Jahr veräussert werden sollen.
    Konto 2: Kauf von 3 Bitcoins am 05.10.2017, die mit Gewinn am 10.10.2017 wieder veräussert werden.

    Kann die FiFo-Regel getrennt auf beide Konten anwenden, oder sind nach dem FiFo-Prinzip auch die 2 Bitcoins aus dem 1.Konto betroffen? Kann ich also die 2 Bitcoins aus dem 1.Kauf über Konto 1 nach einem Jahr (am 02.08.2018) immernoch Steuerfrei veräussern?

    Besten Dank.


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