06.07.2016 · smart leben ·

Optimismus: Erfolg ist (wirklich) Einstellungssache!

Kennt ihr auch diese Leute, die immer alles schwarzmalen müssen? Die gar nicht anders können, als selbst guten Freunden direkt einen vor den Bug zu verpassen, wenn die mal wieder tolle große Pläne schmieden? All diesen Hobby-Pessimisten möchte ich heute mal den Wind aus den Segeln nehmen!

Im Gegensatz zu Menschen mit einer vorwiegend positiven Lebenseinstellung schwirren bei ihnen die Stresshormone nämlich in deutlich höherer Konzentration durch den Körper, außerdem hat ihr Herz-Kreislauf-System an den miesepetrigen Gedanken ordentlich zu knabbern und bedankt sich mit häufigem Bluthochdruck und geschwächten Abwehrkräften. Auch Demenzerkrankungen und Depressionen treten bei ihnen eher auf. Waschechte Pessimisten gehen öfter zum Arzt, stecken sich schneller mit Viren an und brauchen nach Verletzungen oder Operationen im Schnitt länger, um wieder auf den Damm zu kommen. Überhaupt leben sie meist ungesünder, wie Ärzte in verschiedenen Studien zusammentragen konnten – sie bewegen sich weniger, ernähren sich schlechter und rauchen und trinken in der Regel mehr als Gleichaltrige, die zuversichtlich in die Zukunft gucken.

Die irre Kraft positiver Psychologie

Hält man sich das mal so vor Augen, stellt sich doch im Grunde nur eine Frage: Warum können wir nicht alle  strahlende Optimisten sein und wie lässt sich positives Denken trainieren? Doch dazu später mehr. Denn nicht nur in Sachen Gesundheit haben lässig eingestellte Menschen glasklar die Nase vorn. Sie erreichen nämlich außerdem Dinge, von denen sie selbst nicht einmal annahmen, dass sie es könnten – allein durch die Kraft ihrer Gedanken! Zugegeben, selbst für die Realisten unter euch klingt das vermutlich ein bisschen nach verrücktem Hokuspokus. Deshalb hab ich extra ein paar wissenschaftliche Studien im Gepäck, deren Ergebnisse euch garantiert aus den Latschen fegen werden. Die Harvard-Professorin Ellen Langner untersucht schon seit etlichen Jahren schwerpunktmäßig, welchen Einfluss unsere Gedanken auf den Körper haben können. Mit unglaublichen Erkenntnissen: Die richtige Einstellung kann uns fitter, schlanker und leistungsfähiger machen. Aber jetzt mal von vorn.

Den Alterungsprozess ausgetrickst

Für eine ihrer berühmtesten Untersuchungen ließ Langner vor rund dreißig Jahren mehrere bereits gebrechliche, auf Betreuung angewiesene Männer gemeinsam in ein ehemaliges Kloster einziehen, das von A bis Z so eingerichtet war, wie die gealterten Herren es aus weit zurückliegenden Tagen kannten. Vom Mobiliar über bereitgelegte Zeitschriften bis hin zum Fernsehprogramm war alles originalgetreu einer Zeit nachempfunden, in der die Probanden noch mitten im Leben standen und körperlich gut in Schuss waren. Statt sich wie sonst auf die häusliche Pflege und Unterstützung von außen zu verlassen, mussten sie nun selbst den Haushalt wuppen, also beispielsweise in der Klosterküche die Kochlöffel schwingen und den Abwasch erledigen. Außerdem Teil des Experiments: In Unterhaltungen sollten die Männer gesellschaftspolitische Themen, die mittlerweile rund zwanzig Jahre zurücklagen, so diskutieren, als seien sie Teil des aktuellen Weltgeschehens. Und was glaubt ihr, was nach einer Woche Zeitreise passierte? Genau, das Unfassbare! Innerhalb von nur sieben Tagen Zwangsselbstständigkeit hatte sich der körperliche Zustand der Teilnehmer so drastisch verbessert, dass sie in sämtlichen ärztlichen Tests besser abschnitten als zuvor. Ist Altern also reine Einbildung?

Schlanke Gedanken

In einem weiteren bekannten Experiment setzte sich Ellen Langner mit einigen Zimmermädchen zusammen, die ja beim Reinigen der Räumlichkeiten Tag für Tag ordentlich ins Rotieren geraten. Während die Hälfte der Frauen weiterhin ganz normal ihrem Job nachgehen sollte, gab Langner den übrigen Probandinnen die Aufgabe, ihre tägliche Arbeit – Betten beziehen, Staubsaugen, Badputz etc. – fortan als ungewöhnliches Sportprogramm zu begreifen und fest daran zu glauben, dass sie allein durch die berufsbedingte Aktivität Gewicht verlieren würden. Und wiederum gelang es der Wissenschaftlerin, den unglaublichen Einfluss der Gedanken auf den Körper zu belegen: Am Ende des vierwöchigen Untersuchungszeitraums hatten die Probandinnen der zweiten Gruppe im Schnitt ein Kilo verloren, bei ihren Kolleginnen blieb die Anzeige der Waage unverändert. Wenn es also nun tatsächlich möglich ist, durch positive Psychologie abzunehmen und körperliche Gebrechen über Bord zu werfen – kann man dann durch die Kraft der eigenen Gedanken nicht annähernd alles erreichen?

Wir müssen nur wollen

Die Forscher sagen: Ja, das geht. Natürlich sind auch viele unserer selbstgesteckten Ziele und Wünsche an Dinge geknüpft, die wir selbst nicht beeinflussen können – Reichtum, gute Gene, das Wetter oder die Weltpolitik zum Beispiel. Doch was unsere eigene Leistungsfähigkeit betrifft, ist häufig noch einiges mehr rauszuholen, als wir bisher angenommen haben. Entscheidend ist den wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge allein die Einstellung, mit der man einer Aufgabe begegnet. „Ich kann“ statt „Ich zweifle an meinen Fähigkeiten“.  Und hier sind wir auch schon am Knackpunkt angelangt, den beispielsweise die Hamburger Motivationsforscherin und Psychologieprofessorin Gabriele Oettingen im Laufe ihrer Karriere herausgearbeitet hat: Bloßes Hoffen auf bessere Zeiten oder Erfolg hat noch niemanden ans Ziel gebracht. In verschiedenen Untersuchungen fand Oettingen heraus, dass es für Menschen mit großen Zielen – der perfekte Job, das Haus am See, die teuren Designer-Schuhe – sogar hinderlich sein kann, sich das angestrebte Ergebnis so bildlich vorzustellen, als wäre es bereits Realität. Ein Test mit mehreren Arbeitssuchenden ergab zum Beispiel, dass diejenigen, die vor einem wichtigen Bewerbungsgespräch sowohl positive als auch negative Szenarien visualisiert hatten, am Ende bessere Jobs und mehr Gehalt bekamen, als die Probanden, die sich im Voraus das perfekte Gespräch erträumt hatten. Diese Gruppe wähnte sich bereits am Ziel und verlor die nötige Energie.

Optimismus hat demnach nichts mit Abwarten und Teetrinken, sondern viel mehr mit Arbeit und einer aktiven Umgestaltung im Kopf zu tun. Hat man das einmal verinnerlicht und ist bereit, auch Selbstverständliches zu hinterfragen, kann man Erstaunliches erreichen. Probiert doch einfach mal, was eure Gedankenkraft zu leisten imstande ist. Haben schließlich auch die alten Herren geschafft!

Avatar Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Jan sagt:

    Hallo Steuermann,

    danke für deinen Beitrag, der beide Seiten der Medaille beleuchtet.
    Wenn du im Kopf keine Bilder mehr hast wirst du zum Pessimisten der als Überlebenstaktik dann die Hoffnung wählt.
    Das kann einen regelrecht lahm legen.
    Da raus zukommen geht nur! über den eigenen Kopf. Gelegentlich mit psychologischer Unterstützung und die Schwere des Zustandes entscheidet über die Zeit bis du da wieder raus bist.
    Es geht aber schneller, als der ganze Prozess in seiner Entstehung gedauert hat !
    Die Ziele werden sehr klein und bescheiden, was sie auch müssen um sie zu erreichen. Diese schaffen wieder eine Basis auf der du aufbauen wirst.
    Sie sichern deinem Gehirn den Minimalstatus an Selbstvertrauen zu, welches stetig die ehemaligen und abgespeicherten Gedanken aus der Erfahrung vergleicht.
    Nicht immer aufbauend, wenn man weiß wie schön es im Höhenflug war, als alles passte.
    Wer sich ein großes Ziel setzt, merkt schnell in wie viele Scheiben er es schneiden muss um da hin zu kommen. Mal sind 2-3 und ein anderes mal mehrere hundert Scheiben. Oft kommen auf einen Schritt nach vorn zwei zurück.
    Verschiedene Randbedingungen brachten mich in den letzten zwei Jahren in meinem technischen Beruf soweit an den Rand, das ich den Sinn dieser Berufswahl anzweifelte. Ich wechselte in eine körperlich anstrengenden Job bei dem ich mich erst einmal „austoben“ konnte und verlor in kurzer Zeit 12 kg.
    Das Einkommen war halb so hoch. Die staatl. Zuwendung betrugen fast 80% des Nettogehaltes um meine Fam. über Wasser zu halten.
    Der Kopf wiederum hat dann entschieden in den alten Job bei einer neuen Firma zu gehen.
    Zugleich eröffnet sich neben dem Beruf endlich wieder eine Möglichkeit schrittweise dem Hobby Motorradreparaturen zu frönen. Noch nicht beheizt, aber mit Dach übern Kopf ein Anfang, der mir Bilder und Fantasien beschert aus denen Ziele erwachsen.
    :
    Hoffnung ist nur Balsam für die Seele. Pragmatisch gedacht ist sie reine Zeitverschwendung. (z.B.LOTTO)
    Wenn du dich nach 1000 Dübeln in der Wand nicht mehr traust auch nur einen zu setzten, dann musst du dir erlauben die nächsten 10 samt Bohrer und Bohrmaschine zu versauen.
    Wetten dass ein Dübel richtig sitzt auch wenn dann Bohrer, Maschine und 9 Dübel kaputt sind !
    :
    Macht aus Zielen Bilder, die ihr so transportiert, dass sie anderen ein Bild verschaffen an dem sie sich gleichwohl begeistern können.
    Wenn nicht macht es alleine oder passt diese Bilder etwas an.
    :
    Wer sich mal ausquatschen will oder seinem Mitteilungsdrang nicht widerstehen möchte mailt einfach an: mh.services@web.de
    Ist ne rein private Adresse. Antworten können auch mal etwas dauern.

    Viel Spaß noch im Leben,
    ich geh jetzt mal Ziele sortieren

  • Avatar Der Steuermann sagt:

    Hallo Jan,

    danke für deine sehr offenen Worte. Wir hatten ja im Artikel schon gesagt, dass Optimismus auch die Fähigkeit verlangt, anzupacken und zu machen. Du scheinst einen guten Weg gefunden zu haben, mit Rückschlägen umzugehen. Wir drücken dir die Daumen und wünschen dir weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen!


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)