29.09.2016 · smart leben ·

Wenn die Stimmung herb(st) wird: Schlechte Laune in den kalten Monaten

Eigentlich können wir uns ja ziemlich glücklich schätzen: Obwohl die kalte Periode für gewöhnlich irgendwann im September eingeläutet wird, hat der gute alte Spätsommer dieses Jahr nochmal richtig Gas gegeben. Bis zu 30°C und satter Sonnenschein noch Mitte des neunten Monats – das kann sich sehen lassen. Wohl oder übel ist aber auch mit dieser Herrlichkeit mal Schluss gewesen. Gnadenlos übernimmt der Herbst das Ruder und sorgt nicht nur für graues Wetter und kürzere Tage. Denn für gar nicht mal so wenige unter uns geht damit jedes Jahr das Phänomen der Herbstdepression einher: Schlechte Laune im vierten Quartal des Jahres ist keine Seltenheit und plagt einige ganz schön. Da ich als alter Fahrensmann schon so manche kalte Periode durchlebt habe, erkläre ich euch heute mal, was es mit der miesen Stimmung auf sich hat und wie man dieser am besten begegnet.

Diagnose und Symptome

Die Herbst- oder Winterdepression ist jedenfalls kein Seemannsgarn: In der medizinischen Fachwelt nennt sich das Problem Seasonal Affective Disorder (Kurzform also passenderweise: SAD) und ist keine richtige Depression, sondern eher eine Unterform, depressive Verstimmung oder Störung genannt. Darunter leiden zwar nicht alle, da auch die genetische Konstitution hier eine Rolle spielt, doch ca. jedem vierten Mann und jede dritten Frau in Deutschland macht der Herbst-Blues zu schaffen.

Wenn man Glück hat, stellt sich infolgedessen lediglich eine leichte Melancholie ein. Das lässt sich noch einigermaßen verschmerzen. Bei schwereren Fällen kriegt man es dann jedoch mit deutlichen Stimmungsverschlechterungen und Antriebsstörungen zu tun. Die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsspanne lässt nach, der Job oder das Lernen fällt schwer, man hat einfach keinen Bock mehr auf den Tag.

Schlafstörungen äußern sich weniger in Einschlaf- oder Durchschlafproblemen sondern vielmehr in einem gesteigerten Schlafbedürfnis. Immer müde. Außerdem ist mit einem Kohlenhydratheißhunger zu rechnen, Schokolade geht da weg wie nichts Gutes.

Wo kommt das her?

Tja, und wo liegt der Hund jetzt begraben? Tatsächlich wird die mehr und mehr fehlende Lichtaufnahme in den kalten Monaten als Hauptursache für eine depressive Verstimmung im Herbst gesehen. Die Tage werden kürzer, oft quält man sich im Dunklen aus dem Bett und kehrt im Finsteren wieder von der Arbeit zurück. Vom Tageslicht bleibt einem da nicht viel. Dieses steuert allerdings indirekt die Produktion von Melatonin im Körper – und das wird nur bei Dunkelheit in unser Blut abgegeben. Das Hormon zeigt unserem Körper an, wann Schlafenszeit ist. Also: Viel Melatonin im Blut führt unweigerlich zu Müdigkeit und Antriebsschwäche.

Aber auch generell zieht sich das Leben in der Natur mehr und mehr in sich zurück und wir tun es ihm gleich. Evolutionshistorisch bereitet sich der Körper nämlich, genau wie bei Tieren, auf den Winterschlaf vor. Blöd nur, dass wir gar keinen halten, der Vorgang ist also eher als eine Art Energiesparmodus zu verstehen. Leider müssen die meisten von uns aber auch im Winter genauso gut funktionieren wie im Frühling und Sommer. Damit das klappt, hab ich ein paar Kniffe in petto, um mit der Problematik möglichst gut fertig zu werden:

  1. Lasst euch erleuchten!

Da die Hauptursache für SAD im Mangel von Tageslicht liegt, ist die erste Sofortmaßnahme im Umkehrschluss relativ simpel: Möglichst viel Licht tanken! Wenn es geht also draußen aufhalten, mindestens eine halbe Stunde täglich. Ausgiebige Herbst- oder Winterspaziergänge sind was Herrliches! Nur bei richtig schlechtem Wetter muss dann der Schweinehund schon mal überwunden und der Schirm aufgespannt werden. Es lohnt sich!

Allerdings gibt es auch Alternativen für Rausgeh-Muffel: Sogenannte Tageslichtlampen sind in der Lage, die Wirkung der Sonne an grauen Tagen zu ersetzen. Empfohlen wird eine Stärke von 10.000 Lux, eine halbe Stunde sollte man sich jeden morgen vor die Lampe setzen. Innerhalb von 2-3 Wochen kann einer nahenden Verstimmung so schon vorgebeugt werden. Die Effekte sind nachweislich vorhanden und viele, die über eine Herbstdepression klagen, kommen mit dieser Methode bestens durch die kalten Monate. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Krankenkassen eine solche Lichttherapie oft nicht übernehmen und man sich morgens auch die Zeit dafür frei halten sollte, eine Lichtdusche zu nehmen.

  1. Wie immer: Ernährung ist das A und O

Oben wurde ja bereits beschrieben, dass eines der typischen Symptome einer Herbstdepression der Heißhunger auf Kohlenhydrate ist – Schokolade zum Beispiel. Interessanterweise hat Schokolade bewiesenermaßen den Effekt, stimmungsaufhellende Stoffe im Körper zu produzieren. Ich schrecke hier also durchaus nicht davor zurück, den gelegentlichen Verzehr von Schokolade (oder, besonders wenn es kalt ist, Heißer Schokolade!) für eine bessere Laune zu empfehlen. Natürlich müssen wir dann mit seltsamen Nebenwirkungen rechnen, die sich vornehmlich an unserer Figur bemerkbar machen. Daher: Ansonsten bitte auf kalorienarme und gesunde Ernährung achten, denn frisches Obst und Gemüse ist ebenfalls gut für unser geistiges Wohlbefinden. Und: Nicht nur Spaziergänge machen, sondern auch Sport treiben. Am besten gleich draußen. So werden die Pfunde kompensiert und gleichzeitig wieder Licht und Energie getankt.

  1. Herbst und Winter sind was Feines!

Ja, es wird ab September zunehmend dunkler, grauer, trister. Stimmt. Aber man läuft schon ziemlich blind durch die Gegend, wenn man die schönen Seiten der kälteren Monate nicht wahrnimmt. Statt sich schon vorher selbst in eine depressive Stimmung zu versetzen, indem man den warmen Sommermonaten hinterhertrauert, sollten die positiven Seiten des Herbstes mit Vorfreude erwartet werden. Das gelb-orange-rote Farbenmeer der Laubbäume ist unschlagbar! Pilze und Kastanien können gesammelt werden und wenn noch ein wenig das Kind in einem steckt, macht man das hier. Der klirrend kalte Winter hält natürlich auch einiges bereit, an dem man sich erfreuen kann: kristallklare Sternenhimmel, Weihnachten, Lebkuchen, Rodeln, usw.
Außerdem braucht niemand mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn bei dem ungemütlichen Wetter ein Film- oder Serienmarathon auf dem Sofa eingelegt wird. Gegen schlechte Stimmung sind natürlich Feelgood-Movies besonders empfohlen.

Wenn das jedoch alles nicht hilft, ist ein Gang zum Arzt sicherlich empfehlenswert. Dann steckt vielleicht doch etwas Ernsteres hinter der schlechten Laune. Alle anderen sollten die hängenden Köpfe jedoch mit der richtigen Einstellung und ein paar Maßnahmen gut gewuppt kriegen.

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