17.01.2019 · smart leben ·

Als Frugalist glücklich sparen!

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr für Geld arbeiten gehen müssten? Ihre Arbeitsstunden reduzieren? Ihr Hobby zum Beruf machen? Eine Weltreise starten? In einem normalen Leben mit vierzig Arbeitsjahren und Vollzeitjob ist für solche Abenteuer kaum Platz. Der Job vereinnahmt einen großen Teil der verfügbaren Zeit. Der Alltag ist stressig, Freunde, Hobbys und die Familie müssen sich oft hinten anstellen. Aber muss das eigentlich so sein? Hat das Leben nicht mehr zu bieten als Arbeiten zu gehen und Rechnungen zu bezahlen?

Reicher leben mit weniger Geld

Eine Anleitung für ein freieres und erfüllteres Leben liefert die US-amerikanische FIRE-Bewegung. Die Abkürzung FIRE steht für Financial Independence, Retire Early – auf Deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit, früher Ruhestand. In den USA ist FIRE durch Bestseller wie „Mehr Geld für mehr Leben“ oder Internetblogs wie „Mr. Money Mustache“ schon länger bekannt. Doch auch in Deutschland wächst die Bewegung. Hierzulande bezeichnen sich die FIRE-Anhänger auch als Frugalisten.

Kerngedanke der FIRE-Philosophie ist, dass man für ein erfülltes Leben nicht unbedingt viel Geld braucht. Denn das Rezept für ein gutes Leben ist grundsätzlich simpel: Gute Beziehungen zu Freunden und Familie, eine erfüllende Tätigkeit, Anerkennung, Dankbarkeit, genügend Schlaf, Lachen, Gesundheit, Sport, Zeit in der freien Natur. Also Dinge, die man gar nicht für Geld kaufen kann. Wer sich auf sie fokussiert und sein Geld ansonsten effizient ausgibt, kann so ein erfüllteres Leben führen als jemand, der für eine große Wohnung, teure Handyverträge und Shopping-Ausflüge arbeiten geht. So kommen Frugalisten mit vergleichsweise wenig Geld aus – oft mit deutlich weniger, als sie in ihren Jobs verdienen. Das übrige Geld investieren sie, beispielsweise in Aktienfonds oder vermietete Wohnungen. Mit der Zeit entsteht so ein Finanzpolster, das ein Zusatzeinkommen aus Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen abwirft.

Mit 40 Jahren ausgesorgt

Mit dem angesparten Zusatzeinkommen könnte man nach ein paar Jahren Arbeit auf eine Zwei-Tage-Woche wechseln, ohne Existenzängste den Sprung in die Selbstständigkeit wagen oder sich eine längere Auszeit vom Job gönnen. Doch viele Frugalisten sparen noch weiter – oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens – bis das passive Zusatzeinkommen ihre gesamten Ausgaben deckt. So schaffen es einige, schon mit Mitte 30 oder 40 finanziell ausgesorgt zu haben. Sie müssen dann theoretisch gar nicht mehr für Geld arbeiten gehen. Der Effekt, den sich die FIRE-Anhänger dabei zunutze machen: Je weniger Geld man zum Leben benötigt, desto mehr kann man jeden Monat zurücklegen. Man muss also insgesamt weniger ansparen, bis die Kapitaleinkünfte für den Lebensunterhalt ausreichen.

Die Faustformel der FIRE-Community lautet ungefähr so: Wenn man das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben angespart und investiert hat, kann man von seinem Vermögen und dessen Erträgen leben. Komme ich mit 1.000 € im Monat aus, muss ich also rund 300.000 € ansparen, um finanziell unabhängig von meiner Arbeit zu sein. Wer stets die Hälfte seines Einkommens zurücklegt, hat diesen Punkt rechnerisch nach rund 17 Jahren erreicht. Spart man 70 % seiner Einkünfte, ist es schon nach 9 Jahren soweit (unter der Annahme, dass Einnahmen und Ausgaben konstant bleiben).

Bewusst leben, selber machen, Gewohnheiten hinterfragen

Weniger Geld auszugeben bedeutet für FIRE-Anhänger allerdings keinen Geiz oder Verzicht – im Gegenteil.
Im Vordergrund steht ein achtsamer und optimierter Umgang mit Geld. Dazu gehört etwa, ein Haushaltsbuch zu führen, um ein Bewusstsein für seine Ausgaben zu schaffen. Gewohnheiten zu hinterfragen: Brauche ich das wirklich? Gibt es günstigere Alternativen? Kann ich das selber machen?

Als Frugalist fahre ich mit dem Fahrrad – nicht nur, weil es weniger kostet, sondern auch weil es mich fit hält und umweltschonender ist. Ich kaufe Dinge gebraucht, weil ohnehin schon zu viel weggeworfen wird. Ich versuche, Dinge selbst anzupacken, herzustellen, zu reparieren. Neues zu lernen und meinen Horizont und meine Fähigkeiten ständig zu erweitern.
So entwickle ich mich vom passiven Konsumenten zum aktiven, selbstbestimmten Alltagshelden. Und dieser Prozess macht bereits zufriedener, als Bedürfnisse immer nur von Produkten und Dienstleistungen – letztendlich also von anderen – befriedigen zu lassen.

Mein Weg zur „Rente mit 40“

Auch mich hat vor einigen Jahren der FIRE-Virus gepackt. Obwohl meine Zeit als Student schon eine Weile zurückliegt, komme ich auch heute noch wunderbar mit 800 € im Monat aus. Ich wohne mit meiner Freundin in einer schönen, zentralen Wohnung in Hannover, mache mehrere Urlaubsreisen im Jahr, treffe mich häufig mit Freunden und treibe Sport. In den letzten Jahren konnte ich ca. zwei Drittel meines Einkommens sparen. Heute – mit 30 Jahren – habe ich rund 100.000 € zusammen. Auch wenn mir mein Job als Softwareentwickler Spaß macht, habe ich mir zum Ziel gesetzt, mit 40 nur noch arbeiten zu müssen, wann und wozu ich Lust habe.
Wenn Sie mehr über meinen Weg zu diesem Ziel, meine Ausgaben und Einnahmen sowie mein Leben als Frugalist wissen möchten, schauen Sie doch mal auf meinem Blog vorbei.

Frugalist Oliver Noelting

Frugalist Oliver Noelting


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5 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • SaschaM sagt:

    Schöner Artikel (für Singles und Kinderlose),

    leider erscheint mir das für unsere Familie mit 3 Kindern eher ein schöner Traum zu sein.
    Sicher sparen auch wir etwas Geld an, aber ich kann mir nicht vorstellen wie es möglich sein soll Frugtarier mit einer 5-Köpfigen Familie zu werden.

  • Bienenstich sagt:

    EIN WUNDERBARES MÄRCHEN – LEIDER ZUR VERALLGEMEINERUNG NICHT GEEIGNET: KINDER SIND UNSERE ZUKUNFT, IM MÄRCHEN GIBT ES KEINE. DAS LEBEN HAT HÖHEN UND TIEFEN, IM MÄRCHEN GIBT ES NUR HÖHEN. USW. USW.

    Es war einmal ein sparsamer Frugalist. Von seinem Einkommen in Höhe von 2400 EURO im Monat spart er 2 Drittel, also 2400 durch 3 ist 800 mal 2 ist 1600 zum Sparen. Bleiben noch 800 zum Leben! Und wie er lebt: Er wohnt mit seiner Freundin in einer schönen, zentralen Wohnung in Hannover, macht mehrere Urlaubsreisen im Jahr, trifft sich häufig mit Freunden und treibt Sport. Wie denn das? Nun die Wohnung ist sehr klein oder kostet nichts oder so wenig, weil sie nichts Wert ist, oder die Freundin zahlt die Miete? Die Urlaubsreisen müssen da wohl auch sehr billig sein oder wieder die Freundin? Und die Treffen mit Freunden kosten auch nichts oder nur das eigene eine Bier oder die Freunde zahlen? Den Sport macht man halt in Gottes freier Natur, die kostet nichts. Für Versicherungen gegen Unfall, Haftung, Krankheit oder Berufs- und Erwerbsunfähigkeit hat er natürlich gar nichts am Hut oder Spot-Beiträge gefunden. Wie überhaupt Ausgaben so niedrig gehalten werden, dass man kaum dran glauben kann. Aber seine betriebliche Altersvorsorge bedient er schon, das muss sein; ist ja sooo günstig. Ein herrliches äußerst sparsames, aber inhaltsreiches Leben!
    Mit jungen 30 Lebensjahren hat der Frugalist schon hundert Tausend EURO zusammen gespart. Da kann er sicher mit 40 oder spätestens mit 50 Jahren in Rente gehen.
    Und wenn der Frugalist dann nicht gestorben ist, dann hat er Arbeit nur, wenn er drauf lustig ist, nimmt sich „Auszeiten“ zum Ausschlafen, Freunde besuchen, Skaten, Baden gehen, Feiern, oder spontan irgendetwas starten. Und dafür verprasst er dann sein Erspartes.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen Bienenstich,
    vielen Dank für den Beitrag. Beim ersten Reflex mag man Geiz und Sparsamkeit verwechseln. Letztere geht jedoch nicht zu Lasten oder auf Kosten Anderer.
    Ohne ein Anhänger der Bewegung zu sein oder mein Leben in diese Richtung erheblich umstellen zu wollen, gibt mir die beschriebene Einstellung wichtige Denkanstöße. Was ist wichtig im Leben und welche Ziele verfolge ich sinnvollerweise? Wie gehen wir mit uns und unseren Ressourcen um? In welchem Zustand wird meine Generation die Erde an die Kinder und Enkelkinder übergeben?
    Das Potenzial für kleine, eventuell auch alltägliche Änderungen ist sicher immer vorhanden.

  • Axel sagt:

    Der klassische Konsument unterliegt der Diktatur des Kapitals. Olli – ich bin auf Deiner Seite !

  • klebefolie sagt:

    Ich denke viele können Träumen mit 40 in die Rente zu gehen.

    Lg Lisa


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