17.12.2019 · Uncategorized ·

Arbeitszimmer absetzen von der Steuer – geht das?

Immer mehr Deutsche arbeiten – zumindest teilweise – zu Hause. Doch die Kosten für ein Arbeitszimmer können Arbeitnehmer heutzutage leider nur noch in seltenen Fällen von der Steuer absetzen. Besser sieht es schon bei Selbstständigen aus, doch auch hier gibt es sehr restriktive Regeln. Wir zeigen Ihnen heute, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um ein häusliches Arbeitszimmer absetzen zu können. Wir verraten Ihnen aber auch, was Sie trotzdem absetzen können, wenn Sie steuerlich kein Arbeitszimmer haben. Zum Schluss erfahren Sie noch, wie die Kosten für das Arbeitszimmer genau ermittelt werden.

Steuersparmodell Arbeitszimmer längst passé

Lange Jahre war das Arbeitszimmer ein guter Weg, um Steuern zu sparen. Hauptsache, es gab einen Schreibtisch, Computer und Ordner. Ob das tatsächlich nur oder überwiegend für die Arbeit genutzt wurde, war erstmal egal. Nun, 2010 war es mit der Herrlichkeit vorbei. Der Staat passte das Einkommensteuergesetz an, nachzulesen in Paragraph 4 Absatz 5 Satz 1 Nr. 6b

Und seitdem heißt es: Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind nicht absetzbar. Zum Glück – sonst wären wir ja hier auch schon am Ende des Artikels angekommen – gibt es immer noch Ausnahmen. Aber auch nur ganze zwei: 

  1. Wenn Sie für Ihre berufliche (Arbeitnehmer) oder betriebliche Tätigkeit (Selbstständige) keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung haben, können Sie bis zu 1.250 Euro im Jahr geltend machen. Das nennt sich dann beschränkter Abzug. Werbungskosten für Arbeitnehmer, Betriebsausgaben für Selbstständige.
  2. Wenn Ihr Arbeitszimmer sogar der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist, sind alle entstehenden Kosten unbeschränkt abzugsfähig.

Wer kann zu einer dieser beiden Gruppen gehören – und wer nicht? 

Beim Punkt 1 sind das zum Beispiel Lehrer oder Außendienstmitarbeiter, die keinen eigenen Schreibtisch in Schule oder Büro haben. Wer gelegentlich im Home Office arbeitet ebenfalls – wenn er in der  Firma keinen eigenen Tisch hat. Es reicht also leider nicht, wenn man im Home Office arbeitet. Hat man trotzdem noch einen individuellen Schreibtisch im Unternehmen, lassen sich die Kosten für das Arbeitszimmer nicht absetzen. 

Beim Punkt 2 sind die Paradebeispiele freie Journalisten, Grafikdesigner, Schriftsteller, generell Künstler – aber auch Heimarbeiter, wenn Sie wirklich ausschließlich zu Hause arbeiten – und wiederum keinen Tisch in der Firma haben. 

Wann können Sie Kosten für Ihr Arbeitszimmer absetzen?

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie die Kosten für Ihr Arbeitszimmer absetzen.

Wann ist ein Arbeitszimmer ein Arbeitszimmer?

Als 2010 alles steuerlich anders wurde beim Arbeitszimmer, war das noch nicht das Ende der Fahnenstange. Natürlich wurde geklagt – und es dauert bis zum Januar 2016 bis der Bundesfinanzhof endgültig in der Sache entschied (Az. GrS 1/14).

„Ein häusliches Arbeitszimmer setzt neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird.“

Bestand vor dem Urteil noch Hoffnung, dass zum Beispiel eine zeitweise Nutzung anteilig absetzbar ist, war nun alles vorbei. Es blieb alles bei der Regelung seit 2010. Wer drei Tage die Woche Home Office macht, kann exakt nichts als Arbeitszimmer absetzen. Das entspricht mal gar nicht den sich stark ändernden Arbeitswelten vieler Deutscher – aber das Gericht konnte offenbar nicht anders. Weil: Es lässt sich nicht objektiv prüfen, wie hoch der berufliche Anteil jeweils wäre. Naja, wir finden, bei drei Tagen Home Office ginge das schon…

Was geht noch nicht als Arbeitszimmer durch: Das ist auf jeden Fall die berühmte Arbeitsecke. Selbst ein Durchgangszimmer lässt sich nicht als Arbeitszimmer steuerlich absetzen. Die einzige kleine Ausnahme versteckt sich hinter der „nahezu ausschließlichen“ Nutzung. Maximal 10 Prozent private Nutzung ist dann doch noch erlaubt – wobei das natürlich schwer messbar ist.

Was können Sie trotzdem absetzen?

Wenn Sie zu der großen Mehrheit der Steuerzahler gehören, die ihr Arbeitszimmer nicht von der Steuer absetzen können: Ein bisschen was geht dann doch. Das betrifft die sogenannten Arbeitsmittel. Wenn Sie also einen Schreibtisch kaufen, einen Bürostuhl, Regale für die Ordner – und natürlich auch Computer und Drucker, können Sie diese Dinge absetzen. Wenn, das muss jetzt sein, Sie diese Dinge tatsächlich nahezu ausschließlich beruflich oder betrieblich nutzen. Achten Sie bitte darauf, dass Sie Anschaffungen über 800 Euro netto (952 Euro mit Mehrwertsteuer) nicht auf einen Schlag absetzen können. Sie müssen die entsprechenden Arbeitsmittel über mehrere Jahre abschreiben. 

Und bevor wir es vergessen: Arbeitsmittel dürfen natürlich auch diejenigen absetzen, die schon ein steuerlich absetzbares Arbeitszimmer haben.

Das können Sie absetzen, wenn Sie ein häusliches Arbeitszimmer haben.

Das können Sie absetzen, wenn Sie ein häusliches Arbeitszimmer haben.

Wie viel lässt sich konkret beim Arbeitszimmer absetzen?

Jetzt kommt ein kleines bisschen Mathematik. Sie bestimmen zuerst die Größe des Arbeitszimmers. Und setzen diese Zahl ins Verhältnis zur Gesamtwohnfläche. Beispiel: Das Arbeitszimmer hat 18 Quadratmeter, die gesamte Wohnung 90 Quadratmeter. Der Anteil des Arbeitszimmers an der Wohnung beträgt also 20 Prozent. 

Nun nehmen Sie die Jahresausgaben für die Wohnung her. Dazu gehören:

  • Miete (bei Immobilienbesitzern die Gebäudeabschreibung und Schuldzinsen für Kredite)
  • Energie- und Wasserkosten
  • Grundsteuer
  • Reinigung
  • Müllabfuhr
  • Schornsteinfeger
  • Hausratsversicherung
  • Beitrag Mieterverein
  • Renovierungskosten, die das ganze Haus betreffen. 

Die meisten Daten davon finden Sie in der Betriebskostenabrechnung. Rechnen Sie alle Werte zusammen – und nehmen davon 20 Prozent, den Anteil des Arbeitszimmers. 

Darüber hinaus gibt es aber noch Ausgaben, die ausschließlich das Arbeitszimmer betreffen. Etwa die Renovierung des Raumes oder die Einrichtung (etwa Lampen und Jalousien). Übertreiben Sie es aber nicht: Wenn Sie sich ausgerechnet ins Arbeitszimmer ein 2.000-Euro-Gemälde hinhängen, wird Sie das Finanzamt wohl eher auslachen, wenn Sie das als Einrichtung absetzen wollen.

Zum Schluss haben Sie eine Gesamtsumme. Nehmen wir mal an, dass wären 3.480 Euro. Im ersten Fall – Sie haben keinen anderen (festen) Arbeitsplatz im Unternehmen – dürfen Sie 1.250 Euro geltend machen. Wenn das Arbeitszimmer aber der Mittelpunkt Ihrer beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist, lassen sich die kompletten 3.480 Euro absetzen als Werbungskosten – oder als Betriebsausgaben bei Selbstständigen.

Eine letzte Steuersparmöglichkeit in punkto Arbeitszimmer gibt es dann doch noch. Wenn Sie eh fast immer zu Hause arbeiten, vermieten Sie doch das Arbeitszimmer an Ihren Arbeitgeber. Dann ist das gar kein Arbeitszimmer mehr – sondern ein Büro Ihres Unternehmens, das „zufällig“ in Ihrer Wohnung liegt. Bei der ganzen Vermietungssache muss aber das Interesse des Arbeitgebers an erster Stelle stehen.
Aber die Chancen für die Anerkennung eines entsprechenden Mietvertrags durch das Finanzamt stehen gar nicht mal so schlecht. Vorausgesetzt, Sie haben wirklich keinen festen Arbeitsplatz im Unternehmen, oder müssen oft am Abend und am Wochenende arbeiten – wo das Unternehmen aber schon verriegelt und verrammelt ist – oder es gibt schon solche Verträge mit Kollegen. Wenn alles klappt, haben Sie dann zwar Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Auf der anderen Seite können Sie alle entstehenden Kosten abziehen.

Was bedeutet das konkret für mich?
Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen – das geht nur noch recht selten. Bis zu 1.250 Euro im Jahr, wenn Sie keinen anderen festen Arbeitsplatz haben. Komplett, wenn das Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer Arbeit ist. Was Sie aber immer bei der Steuer geltend machen können, sind Ausgaben für Arbeitsmittel wie Bürostuhl, Schreibtisch und Regale.  

Mandy Pank Geschrieben von:

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