7 oder 19 % Mehrwertsteuer? | smartsteuer

7 oder 19 % Mehrwertsteuer?

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Regelsteuersatz in Deutschland beträgt 19 Prozent auf jeden steuerpflichtigen (Netto-)Umsatz.
  • Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz beträgt 7 Prozent und gilt für den Grundbedarf.
  • Die Steuersätze sind in Umsatzsteuergesetz in § 12 UStG festgelegt.
  • Die Mehrwertsteuer gibt es in Deutschland erst seit 1968, den ermäßigten Satz seit 1983.

Wichtig: Vom 1. Juli 2020 bis voraussichtlich zum 31. Dezember 2020 gelten aufgrund der Covid19-Folgen niedrigere Steuersätze:

  • Der Regelsteuersatz sinkt vorübergehend von 19 auf 16 Prozent.
  • Der ermäßigte Steuersatz beträgt nur noch 5 Prozent statt 7 Prozent.
  • Die Ausnahmeregelung ist im Umsatzsteuergesetz in § 28 UStG festgelegt.

Wir zahlen sie so gut wie jeden Tag. Fast immer, wenn wir etwas einkaufen, steht auf dem Kassenzettel die Mehrwertsteuer. Mal sind es 7, mal 19 Prozent, in ganz selten Fällen wie dem Briefporto gibt es keine Mehrwertsteuer in Deutschland. Und warum ist das manchmal so komplett unlogisch? Tiernahrung – 7 Prozent, Babynahrung – 19 Prozent. Tee und Kaffee – 7 Prozent, Mineralwasser 19 Prozent. Ganz ehrlich: wir versuchen, der Sache mit der Mehrwertsteuer auf den Grund zu gehen. Aber alles erklären können wir bei diesen Beispielen auch nicht…

Gab es die Mehrwertsteuer schon immer?

Hätten Sie es gewusst? Die Mehrwertsteuer gibt es in Deutschland erst seit 1968. Die Gründungsväter der Steuer führten damals auch gleich zwei Steuersätze ein. Den Regelsatz von 10 Prozent und den ermäßigten Steuersatz von 5 Prozent. Diese Werte stiegen über die Jahre immer wieder mal an. Die jetzigen 19 Prozent haben wir in Deutschland seit dem 1. Januar 2007, die 7 Prozent sogar schon seit dem 1. Juli 1983. Zudem gibt es Umsätze, die von der Umsatzsteuer befreit sind, die Details stehen im Umsatzsteuergesetz in § 4. Das soll uns heute aber nicht interessieren. Auch nicht, warum aus dem Regelsatz von damals 10 heute 19 Prozent und aus dem ermäßigten Steuersatz von 5 mittlerweile 7 Prozent geworden sind.
Nein, es geht darum, warum es überhaupt zwei Steuersätze gibt. Die Antwort ist prinzipiell einfach: Es ging darum, dass der Grundbedarf erschwinglich bleiben sollte und keiner, salopp gesagt, wegen der Mehrwertsteuer in den Ruin getrieben wird oder sich nichts mehr zu essen kaufen kann. Doch was gehört zum Grundbedarf, zur Grundversorgung? Daran scheiden sich die Geister – und sie scheiden sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr.

Was läuft prinzipiell unter 7 Prozent?

Grob gesagt zählen Sport und Kultur dazu. Das bedeutet zum Beispiel die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Eintrittskarten ins Stadion, Kino oder Theater. Auch Zeitungen, Zeitschriften und Bücher haben nur 7 Prozent. Hinzu kommt der öffentliche Nahverkehr in einem 50-Kilometer-Radius mit Bussen, Zügen, Straßenbahn und sogar Taxi. Soweit – so gut.

Jetzt kommen die wirklich heiklen Dinge. Denn was gehört zum Grundbedarf bei Lebensmitteln und andere Konsumgütern?
Dazu reichen schon keine einfachen Gesetze mehr, in mehreren Anhängen des Umsatzsteuergesetzes gibt es entsprechende Listen. Wenn Sie mal gar nichts zu tun haben, können Sie zum Beispiel diese Liste mal studieren.
Nun ist es schon so, dass absolute Grundnahrungsmittel tatsächlich dem ermäßigten Steuersatz unterliegen. Brot, Butter und Milch haben 7 Prozent. Doch bei der Milch fängt es schon an, für Sojamilch werden 19 Prozent fällig. Kartoffeln – 7 Prozent, Süßkartoffeln – 19 Prozent. Äpfel – 7 Prozent, Apfelsaft – 19 Prozent. Froschschenkel, Wachteleier, frische Trüffel mögen für den ein oder anderen nach Luxus klingen. Im Mehrwertsteuer-Deutsch aber nicht, denn da sind sie Grundbedarf, 7 Prozent. Das galt früher auch für ein Reitpferd. Hier lautete die Begründung angeblich, dass man das Tier ja schließlich auch essen könne. Wer nicht gut sehen kann, zahlt bei einer Brille 19 Prozent. Wer schlecht hören kann, zahlt für ein Hörgerät 7 Prozent. Sagen Sie bei Ihrer Bestellung bei Mc Donald’s & Co “Zum Mitnehmen!”, sind im Preis nur 7 Prozent Mehrwertsteuer drin. Bei “Für hier!” aber 19 Prozent. Als Kunde zahlen Sie natürlich den gleichen Preis…
Die Liste lässt sich nahezu beliebig verlängern. Und wie schon oben angekündigt: Es lässt sich bei weitem nicht alles ansatzweise logisch erklären.

Lässt sich dieser Dschungel nicht lichten?

Immer wieder kommen von irgendwoher Forderungen, die Mehrwertsteuer zu reformieren. Aber das ist bisher immer im Sande verlaufen. Warum?
Nun, die einfachste Lösung, den ermäßigten Steuersatz einfach abzuschaffen, würde tatsächlich bei Leuten, die wirklich jeden Euro zweimal umdrehen müssen, einen kleinen Krater in der Haushaltskasse reißen.
Bliebe also nur eine gründliche Überarbeitung. Doch dabei dürfte eigentlich nur eines passieren. Es würden noch weitere Ausnahmen dazu kommen, aber recht sicher kaum Ausnahmen vom Regelsatz abgeschafft werden. Denn hinter den Ausnahmen steckt nicht immer Logik, sondern oft Interessen, die mit guter Lobbyarbeit durchgesetzt wurden. So schaffte es die Hotelbranche vor ein paar Jahren, den Satz für die reine Übernachtung, also die Beherbung, von 19 auf 7 Prozent zu drücken. Naja, das Frühstück hat immer noch 19 Prozent.
Und wie in diesem Beispiel würden sich die Betroffenen natürlich lautstark beschweren, wenn ausgerechnet ihre steuerliche Vergünstigung entfallen sollte.
Für den Staat hieße das: mehr Ausnahmen heißt mehr ermäßigter Steuersatz – und das heißt weniger Steuereinnahmen. Und das findet vermutlich kaum ein Staat gut…

Wie berechnet sich die Mehrwertsteuer?

Ja, werden Sie sagen, warum soll ich die Mehrwertsteuer überhaupt berechnen. Ich kann es ja eh nicht ändern. Aber es kann eben doch hilfreich sein.
Nehmen wir die gerade erwähnten Beispiele mal her. Sie kaufen eine Packung Tampons für 4,99 Euro. Wie viel Mehrwertsteuer steckt da heute (19 Prozent) drin, wie viel im nächsten Jahr (7 Prozent)? Hier greift, wer erinnert sich noch, der legendäre Dreisatz. 4,99 Euro entspricht aktuell 100+19=119 Prozent. Wie viel sind dann 19 Prozent? Wir rechnen 4,99 Euro durch 119 mal 19. Macht rund 0,80 Euro.
Der Nettopreis beträgt bei den Tampons also 4,19 Euro (4,99-0,80 Euro). Setzt man hier 7 Prozent Mehrwertsteuer an, muss man einfach nur 4,19 Euro mal 107 Prozent rechnen, die Tampons kosten dann nur noch rund 4,48 Euro. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes bringt bei einem solchen Kauf also schon mal 51 Cent! Auf lange Sicht sparen Sie durch diese Mehrwertsteuersenkung mehrere hundert Euro.
Noch deutlicher wird das bei einer Bahnfahrkarte. Kostet die aktuell zum Beispiel 60 Euro, sind es (nach den gleichen Rechenschritten wie eben) im Jahr 2020 nur noch 53,95 Euro, also etwas über 6 Euro gespart. Generell lautet die Faustregel. Sinkt der Mehrwertsteuersatz von 19 auf 7 Prozent, kostet das Produkt ungefähr 10 Prozent weniger.

Mehr zum chaotischen Mehrwertsteuer-System erfahren Sie in unserem Video:

Wie viel nimmt Deutschland mit der Mehrwertsteuer ein?

Allein aus der Mehrwertsteuer konnte sich der Staat im Jahr 2018 über rund 175 Milliarden Euro freuen. 20 Jahre zuvor waren es nur 104 Milliarden Euro.
In den staatlichen Statistiken steht dann oft auch Umsatz- statt Mehrwertsteuer, aber was es damit auf sich hat, erklären wir weiter unten. Es gibt aber noch eine zweite Steuer vom Umsatz, das ist die Einfuhrumsatzsteuer. Die wird erhoben bei der Einfuhr von Waren aus anderen Ländern und spült auch noch mal knapp 60 Milliarden Euro in die Staatskasse.

Wie hoch ist der Mehrwertsteuersatz in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Oft wird ja gesagt, dass in Deutschland die Steuern besonders hoch sind. Zumindest bei der Mehrwertsteuer ist das nicht der Fall, zumindest im Maßstab der EU. Denn meist liegt der normale Steuersatz bei mehr als 20 Prozent, 27 Prozent in Ungarn, 25 Prozent in Schweden, Dänemark und Kroatien. Weniger haben nur (mit Ausnahme einiger Inseln, die Teil eines Landes sind) Luxemburg mit 17 und Malta mit 18 Prozent. Auch beim ermäßigten Steuersatz liegen wir nicht so schlecht.

Natürlich gibt es weltweit gesehen auch Länder, wo die Mehrwertsteuer im einstelligen Bereich liegt. Die Schweiz und Liechtenstein etwa in Europa, aber auch in den USA liegt die „Tax“ unter 10 Prozent. Dort gibt es aber ein anderes Phänomen: Die Bundesstaaten bestimmen, wie hoch die Mehrwertsteuer ist. Die Preise in den Läden sind immer ohne Mehrwertsteuer ausgepreist. Wenn Sie also was für 9,99 Dollar sehen, kommt dann an der Kasse immer noch die Tax oben drauf, in New York zur Zeit 8,49 Prozent. In den bevölkerungsreichsten Staaten sind die Sätze 17 und 13 Prozent in China und zwischen 28 und 5 Prozent in Indien.

Über den Autor:

Mandy Pank

Mandy Pank

Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Machen Sie es sich einfach:

Berechnen Sie jetzt kostenlos, wie viel Sie vom Finanzamt erstattet bekommen und zahlen Sie erst bei Abgabe.

Jetzt Steuer starten
smartsteuer GmbH Steuererklaerung hat 4,79 von 5 Sternen 1594 Bewertungen auf ProvenExpert.com