Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden (§ 35c EStG)

Stand: 23. Dezember 2020

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines
1.1 Grundsätzliches
1.2 Anwendungszeitraum
1.3 Geltungsbereich
1.4 Subsidiaritätsprinzip
2 Tatbestandsmerkmale/Voraussetzungen der Inanspruchnahme
2.1 Begünstigtes Objekt
2.2 Begünstigte Maßnahmen
2.2.1 Mindestanforderungen an die Wärmedämmung
2.2.2 Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Dachflächen
2.2.3 Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Geschossdecken
2.2.4 Mindestanforderungen an die Erneuerung der Fenster oder Außentüren
2.2.5 Mindestanforderungen an die Erneuerung einer Lüftungsanlage
2.2.6 Mindestanforderungen an die Erneuerung der Heizungsanlage
2.2.7 Mindestanforderungen an den Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung
2.2.8 Mindestanforderungen an die Optimierung bestehender Heizungsanlagen
2.3 Durchführung durch ein Fachunternehmen
2.4 Nutzung zu eigenen Wohnzwecken
3 Bescheinigung der Maßnahmen
3.1 Umfang der zu bescheinigenden Angaben
3.2 Ergänzende Angaben
3.3 Erstmalige Erteilung
4 Zahlungsnachweise
5 Rechtsfolge/Höhe der Steuerermäßigung
6 Literaturhinweise
7 Verwandte Lexikonartikel

1. Allgemeines

1.1. Grundsätzliches

Durch das Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht (BGBl I 2019, 2886) wurde in § 35c EStG eine Steuerermäßigung für energetische Sanierungsmaßnahmen eingefügt. Mit dem Gesetz zur Umsetzung des Klimaschutzprogramms 2030 im Steuerrecht sollen energetische Sanierungsmaßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden steuerlich gefördert werden. Die energetischen Einzelmaßnahmen müssen bestimmte Mindestanforderungen einhalten. Die energetischen Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum sollen ab 2020 für einen befristeten Zeitraum von 10 Jahren durch einen prozentualen Abzug der Aufwendungen von der Steuerschuld gefördert werden. Förderfähig sind Einzelmaßnahmen, die auch in bestehenden Programmen der Gebäudeförderung als förderfähig eingestuft sind, wie die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken, die Erneuerung der Fenster oder Außentüren, die Erneuerung bzw. der Einbau einer Lüftungsanlage, die Erneuerung einer Heizungsanlage, der Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und die Optimierung bestehender Heizungsanlagen mit 20 % der Aufwendungen, maximal insgesamt 40 000 € je Objekt (über 3 Jahre verteilt) von der Steuerschuld abziehbar. Die konkreten Mindestanforderungen werden in einer gesonderten Rechtsverordnung festgelegt, um zu gewährleisten, dass die steuerlichen Anforderungen der noch zu konzipierenden Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) entsprechen (vgl. BT-Drs. 19/14338, 13). Damit soll das Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 40 € gegenüber 1990 zu verringern, unterstützt werden. Die steuerliche Förderung selbstgenutzten Wohneigentums wird deshalb ab 2020 in Ergänzung zur existierenden Förderkulisse als weitere Säule der Förderung eingeführt. Durch einen Abzug von der Steuerschuld können möglichst viele Wohngebäudeeigentümer von der Maßnahme profitieren.

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Die Förderung erfolgt durch den Abzug von der Steuerschuld, d.h. die tarifliche Einkommensteuer, vermindert um sonstige Steuerermäßigungen, wird hierbei verringert. Die Minderung erfolgt insoweit, als im Jahr des Abschlusses der Maßnahme und im folgenden Kj. der Stpfl. einen Betrag von höchstens 7 % der Aufwendungen – höchstens jeweils 14 000 € – und im zweiten folgenden Kj. um 6 % der Aufwendungen – höchstens 12 000 € – für das Objekt steuerlich geltend machen kann. Insgesamt besteht je Objekt ein Förderbetrag i.H.v. 20 % der Aufwendungen – höchstens jedoch 40 000 € – für diese begünstigten Einzelmaßnahmen. Damit können Aufwendungen bis 200 000 € berücksichtigt werden.

Der Gesetzgeber hat in § 35c Abs. 7 EStG eine Verordnungsermächtigung vorgesehen, mit der die Mindestanforderungen an die energetischen Maßnahmen i.S.d. § 35c Abs. 1 EStG geregelt werden sollen. Hierzu wurde die Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV) vom 2.1.2020 am 7.1.2020 im BGBl I 2020, 3 veröffentlicht.

1.2. Anwendungszeitraum

Nach § 52 Abs. 35b Satz 1 bis 3 EStG ist § 35c EStG erstmals auf energetische Maßnahmen anzuwenden, mit deren Durchführung nach dem 31.12.2019 begonnen wurde und die vor dem 1.1.2030 abgeschlossen sind. Als Beginn gilt bei energetischen Maßnahmen, für die eine Baugenehmigung erforderlich ist, der Zeitpunkt, in dem der Bauantrag gestellt wird. Bei nicht genehmigungsbedürftigen Vorhaben für solche Vorhaben, die nach Maßgabe des Bauordnungsrechts der zuständigen Behörde zur Kenntnis zu geben sind, gilt als Beginn der Zeitpunkt des Eingangs der Kenntnisgabe bei der zuständigen Behörde und für sonstige nicht genehmigungsbedürftige, insbesondere genehmigungs-, anzeige- und verfahrensfreie Vorhaben, der Zeitpunkt des Beginns der Bauausführung.

1.3. Geltungsbereich

Begünstigt sind die Aufwendungen für energetische Maßnahmen an einem in der EU oder EWR belegenen, zu eigenen Wohnzwecken genutzten eigenen Gebäude; vgl. § 35c Abs. 1 Satz 1 EStG. In persönlicher Hinsicht erstreckt sich die Vorschrift auf natürliche, unbeschränkt stpfl. Personen.

1.4. Subsidiaritätsprinzip

Das Verhältnis zu anderen Vorschriften ist in § 35c Abs. 3 EStG geregelt: Kommt für die Aufwendungen bereits ein Werbungskosten- oder Betriebsausgabenabzug in Betracht, z. B. weil die Aufwendungen für die selbstgenutzte Wohnung im Rahmen der doppelten Haushaltsführung abzuziehen sind, kann insoweit keine Steuerermäßigung nach § 35c EStG beansprucht werden. Das gilt auch, soweit die Aufwendungen bereits als Sonderausgaben oder als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden. Nehmen Stpfl. bereits die steuerliche Förderung für Modernisierungsaufwendungen in Sanierungsgebieten oder für Baudenkmale (§ 10f EStG) oder die Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen (§ 35a EStG) in Anspruch, kann die Steuerermäßigung für diese Aufwendungen nach § 35c EStG ebenfalls nicht geltend gemacht werden. Entsprechendes gilt, wenn Stpfl. zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse nach anderen Förderprogrammen (z.B. KfW-Förderung) für die Einzelmaßnahmen am Wohngebäude erhalten.

Beispiel 1 (vgl. Heine, Steuerermäßigungen nach § 35a und § 35c EStG, STFAN 9/2020, 11):

Ein Stpfl. errichtet ein Einfamilienhaus. Die Fertigstellung erfolgt im September 2020, der Einzug im Oktober 2020. Bereits im Juli 2020 hatte ein beauftragtes Bauunternehmen einen Carport errichtet und hierfür 7 000 € in Rechnung gestellt, die A noch im Juli 2020 überwiesen hat. Im April 2021 wird eine Solarkollektoranlage zur Warmwasserbereitung auf dem Dach des Wohnhauses installiert. Hierfür werden A vom Fachunternehmen 10 000 € in Rechnung gestellt, die er überweist.

Lösung 1:

Nach § 35a EStG ist eine Neubaumaßnahme nicht begünstigt. Die Errichtung des Carports vor Fertigstellung des Wohnhauses ist somit nicht nach § 35a EStG begünstigt. Die Installation der Solarkollektorenanlage hingegen ist begünstigt.

Die Errichtung des Carports stellt keine energetische Maßnahme nach § 35c EStG dar. Die Installation der Solarkollektorenanlage ist hingegen eine energetische Maßnahme. Allerdings ist das begünstigte Objekt nicht älter als zehn Jahre, sodass eine Begünstigung nach § 35c EStG entfällt.

2. Tatbestandsmerkmale/Voraussetzungen der Inanspruchnahme

2.1. Begünstigtes Objekt

Steuerlich gefördert werden gem. § 35c Abs. 1 Satz 1 alternativ zur Inanspruchnahme sonstiger Förderprogramme bestimmte – abschließend aufgezählte – Einzelmaßnahmen, die auch von den bestehenden Programmen der Gebäudeförderung – und zukünftig durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – als förderwürdig eingestuft sind. Begünstigtes Objekt ist ein selbstgenutztes Wohngebäude, sofern es im Raum der Europäischen Union oder dem Europäischem Wirtschaftsraum gelegen ist und im Zeitpunkt der Durchführung der förderfähigen Maßnahme älter als zehn Jahre ist. Maßgebend für die Altersbestimmung des Gebäudes ist, wann mit der Herstellung des Gebäudes begonnen worden war. Damit scheidet eine Begünstigung für Neubaumaßnahmen aus.

Es ist unerheblich, ob das begünstigte Objekt ein eigenständiges Gebäude oder Teil eines Gebäudes oder eine Eigentumswohnung ist. Nach § 35c Abs. 5 EStG gilt die Ermäßigung für Gebäudeteile, die selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind, und ist auf Eigentumswohnungen entsprechend anzuwenden.

Steht das Eigentum am begünstigten Objekt mehreren Personen zu, können die Steuerermäßigungen für das begünstigte Objekt insgesamt nur einmal in Anspruch genommen werden; § 35c Abs. 6 EStG. Die der Steuerermäßigung zugrunde liegenden Aufwendungen können dann einheitlich und gesondert festgestellt werden. Entsprechende Vorschriften für gesondert festgestellte Einkünfte nach § 180 Abs. 1 Nr. 2a AO sind entsprechend anzuwenden.

2.2. Begünstigte Maßnahmen

§ 35c Abs. 1 Satz 3 klärt die unterschiedlichen, begünstigten Maßnahmen. Es werden acht Fallgruppen gelistet.

Energetische Maßnahmen sind:

  • Wärmedämmung von Wänden,

  • Wärmedämmung von Dachflächen,

  • Wärmedämmung von Geschossdecken,

  • Erneuerung der Fenster oder Außentüren,

  • Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage,

  • Erneuerung der Heizungsanlage,

  • Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und

  • Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Es bleibt den Stpfl. unbenommen, mehrere Maßnahmen gleichzeitig oder zeitlich hintereinander durchzuführen. Gefördert werden damit sowohl Einzelmaßnahmen als auch die Möglichkeit einer – ggf. schrittweisen, durch mehrere Einzelmaßnahmen verwirklichten – umfassenden Sanierung zum Beispiel auf der Grundlage eines Sanierungsfahrplanes (Gesamtsanierung).

Sowohl die technischen Anforderungen an diese Maßnahmen als auch die einzelnen Baumaßnahmen (unter Verweise auf einzelne Bauteile) innerhalb einer konkreten Gruppe von Maßnahmen werden in der Energetischen Sanierungsmaßnahmen-Verordnung konkretisiert.

Zu den Aufwendungen für energetische Maßnahmen gehören auch die Kosten für die Erteilung der Bescheinigung nach § 35c Abs. 1 Satz 7 sowie die Kosten für Energieberater, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als fachlich qualifiziert zum Förderprogramm »Energieberatung für Wohngebäude (Vor-Ort-Beratung, individueller Sanierungsfahrplan)« zugelassen sind, wenn der Energieberater durch den Stpfl. mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahmen nach Satz 3 beauftragt worden ist; die tarifliche Einkommensteuer vermindert sich abweichend von Satz 1 um 50 % der Aufwendungen für den Energieberater. Im Ergebnis sind daher nicht nur die unmittelbaren, energetischen Maßnahmen begünstigt, sondern auch die mittelbaren Kosten.

Welche Mindestanforderungen für die energetischen Maßnahmen einzuhalten sind, wird auf Grundlage der Verordnungsermächtigung nach § 35c Abs. 7 EStG durch die Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung-ESanMV) geregelt.

Die Bundesregierung hat die Verordnung (19/15312) zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG vorgelegt. Die Verordnung enthält unter anderem detaillierte Vorschriften zur Dämmung von Wänden, von Dachflächen und zur Wärmedämmung von Geschossdecken. Außerdem sind Regelungen zur Erneuerung der Fenster, Außentüren und Heizungsanlagen enthalten.

2.2.1. Mindestanforderungen an die Wärmedämmung

Die Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Wänden sind in der Anlage 1 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten:

Die in nachfolgender Tabelle genannten Anforderungen an die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) sind bei der Sanierung der jeweiligen Bauteile einzuhalten. Die Anforderungen beziehen sich nur auf die wärmeübertragenden Umfassungsflächen. Für Bauteile von Gebäuden mit Auflagen des Denkmalschutzes oder zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz i.S.d. § 24 Abs. 1 der Energieeinsparverordnung vom 24.7.2007 (BGBl I 2007, 1519), die zuletzt durch Art. 3 der Verordnung vom 24.10.2015 (BGBl I 2015, 1789) geändert worden ist, gelten jeweils reduzierte Anforderungswerte. Für Bauteile ohne entsprechende Auflagen sind die nicht reduzierten Anforderungswerte einzuhalten.

Lfd. Nr.

Bauteil

Maximaler U-Wert in W//m2 K)

1.1

Außenwand

0,20

1.2

Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk

Wärmeleitfähigkeit &lgr; ≤ 0,035 W/(mK)

1.3

Außenwände von Baudenkmalen und erhaltenswerter Bausubstanz

0,45

1.4

Innendämmung bei Fachwerkaußenwänden sowie Erneuerung der Ausfachungen

0,65

1.5

Wandflächen gegen unbeheizte Räume

0,25

1.6

Wandflächen gegen Erdreich

0,25

2.2.2. Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Dachflächen

Die Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Dachflächen sind in der Anlage 2 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten:

Die in nachfolgender Tabelle genannten Anforderungen an die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) sind bei Sanierung der jeweiligen Bauteile einzuhalten. Die Anforderungen beziehen sich nur auf die wärmeübertragenden Umfassungsflächen. Für Bauteile von Gebäuden mit Auflagen des Denkmalschutzes oder zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz i.S.d. § 24 Abs. 1 der Energieeinsparverordnung vom 24.7.2007 (BGBl I 2007, 1519), die zuletzt durch Art. 3 der Verordnung vom 24.10.2015 (BGBl I 2015, 1789) geändert worden ist, gelten jeweils reduzierte Anforderungswerte. Für Bauteile ohne entsprechende Auflagen sind die nicht reduzierten Anforderungswerte einzuhalten.

Lfd. Nr.

Bauteil

Maximaler U-Wert in W//m2 K)

2.1

Schrägdächer und dazugehörige Kehlbalkenlagen

0,14

2.2

Dachflächen von Gauben

0,20

2.3

Gaubenwangen

0,20

2.4

Flachdächer

0,14

2.5

Alternativ bei Baudenkmalen und erhaltenswerter Bausubstanz höchstmögliche Dämmschichtdicke

Wärmeleitfähigkeit &lgr;≤ 0,040 W/(mK)

Beispiel 2 (vgl. Heine, Steuerermäßigungen nach § 35a und § 35c EStG, STFAN 9/2020, Fall 2):

Ein Stpfl. lässt sein 30 Jahr altes Dach neu eindecken. Für die bisher nicht vorhandene Wärmedämmung stellt das Dachdeckerunternehmen 20 000 € in Rechnung. Das Unternehmen bescheinigt auf amtlichen Muster, dass 12 000 € auf Material- und Wärmedämmung der Dachflächen entfallen.

Lösung 2:

Die Neueindeckung des Daches stellt keine energetische Sanierung dar. Hierfür kann der Stpfl. die Steuerermäßigung nach § 35a EStG beantragen. Die Wärmedämmung von Dachflächen hingegen ist eine begünstigte, energetische Maßnahme nach § 35c Abs. 1 Nr. 2 EStG. Abzugsvoraussetzung ist, dass die Kosten der jeweiligen energetischen Maßnahmen einzeln auszuweisen sind.

2.2.3. Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Geschossdecken

Die Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Geschossdecken sind in der Anlage 3 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten:

Die in nachfolgender Tabelle genannten Anforderungen an die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) sind bei Sanierung der jeweiligen Bauteile einzuhalten. Die Anforderungen beziehen sich nur auf die wärmeübertragenden Umfassungsflächen. Für Bauteile von Gebäuden mit Auflagen des Denkmalschutzes oder zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz i.S.d. § 24 Abs. 1 der Energieeinsparverordnung vom 24.7.2007 (BGBl I 2007, 1519), die zuletzt durch Art. 3 der Verordnung vom 24.10.2015 (BGBl I 2015, 1789) geändert worden ist, gelten jeweils reduzierte Anforderungswerte. Für Bauteile ohne entsprechende Auflagen sind die nicht reduzierten Anforderungswerte einzuhalten.

Lfd. Nr.

Bauteil

Maximaler U-Wert in W//m2 K)

3.1

Oberste Geschossdecken zu nicht ausgebauten Dachräumen

0,14

3.2

Kellerdecken, Decken zu unbeheizten Räumen

0,25

3.3

Geschossdecken nach unten gegen Außenluft

0,20

3.4

Bodenflächen gegen Erdreich

0,25

2.2.4. Mindestanforderungen an die Erneuerung der Fenster oder Außentüren

Die Mindestanforderungen an die Erneuerung der Fenster oder Außentüren sind in der Anlage 4 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten:

Die in nachfolgender Tabelle genannten Anforderungen an die Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) sind bei Sanierung der jeweiligen Bauteile einzuhalten. Die Anforderungen beziehen sich nur auf die wärmeübertragenden Umfassungsflächen. Für Bauteile von Gebäuden mit Auflagen des Denkmalschutzes oder zum Schutz sonstiger besonders erhaltenswerter Bausubstanz i.S.d. § 24 Abs. 1 der Energieeinsparverordnung vom 24.7.2007 (BGBl I 2007, 1519), die zuletzt durch Art. 3 der Verordnung vom 24.10.2015 (BGBl I 2015, 1789) geändert worden ist, gelten jeweils reduzierte Anforderungswerte. Für Bauteile ohne entsprechende Auflagen sind die nicht reduzierten Anforderungswerte einzuhalten.

Lfd. Nr.

Bauteil

Maximaler U-Wert in W//m2 K)

4.1

Fenster, Balkon- und Terrassentüren mit Mehrscheibenisolierverglasung

0,95

4.2

Barrierearme oder einbruchhemmende Fenster, Balkon- und Terrassentüren

1,1

4.3

Ertüchtigung von Fenstern und Kastenfenstern sowie Fenster mit Sonderverglasung

1,3

4.4

Dachflächenfenster

1,0

4.5

Austausch von Fenstern an Baudenkmalen oder erhaltenswerter Bausubstanz

1,4 bei echten glasteilenden Sprossen

4.6

Ertüchtigung von Fenstern an Baudenkmalen oder erhaltenswerter Bausubstanz

1,6

4.7

Außentüren beheizter Räume

1,3

Die Anforderungen gemäß EnEV zur Begrenzung des Wärmedurchgangs bei erstmaligem Einbau, Ersatz oder Erneuerung von Außenbauteilen bestehender Gebäude sind zu beachten. Bei allen Maßnahmen ist auf eine wärmebrückenminimierte und luftdichte Ausführung zu achten.

Für Gebäude ist der hydraulische Abgleich durchzuführen, wenn mit den nachfolgend aufgeführten Dämmmaßnahmen (transparente und opake Bauteile) mehr als 50 % der wärmeübertragenden Umfassungsfläche wärmeschutztechnisch verbessert werden.

Gefördert wird die Erneuerung durch Austausch oder Ertüchtigung von Fenstern, Fenstertüren und Außentüren sowie der erstmalige Einbau von Außentüren, Fenstern und Fenstertüren einschließlich außenliegender Sonnenschutzeinrichtungen nach DIN 4108-2. Dabei sind die in der Tabelle genannten Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Werte) einzuhalten.

2.2.5. Mindestanforderungen an die Erneuerung einer Lüftungsanlage

Die Mindestanforderungen an die Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlagen sind in der Anlage 5 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten:

Förderfähig sind folgende Lüftungsanlagen:

  • Bedarfsgeregelte zentrale Abluftsysteme, die feuchte-, kohlendioxid- oder mischgasgeführt sind und eine spezifische elektrische Leistungsaufnahme der Ventilatoren von Pel,Vent ≤ 0,20 W/(qm/h) aufweisen.

  • Zentrale, dezentrale oder raumweise Anlagen mit Wärmeübertrager, mit denen ein Wärmebereitstellungsgrad von &eegr;WBG ≥ 80 % bei einer spezifischen elektrischen Leistungsaufnahme von Pel,Vent ≤ 0,45 W/(qm/h) oder – ein Wärmebereitstellungsgrad von &eegr;WBG ≥ 75 % bei einer spezifischen elektrischen Leistungsaufnahme von Pel,Vent ≤ 0,35 W/(qm/h) erreicht wird.

  • Kompaktgeräte für energieeffiziente Gebäude mit folgenden Eigenschaften:

    Kompaktgeräte mit Luft-Luft-Wärmeübertrager und Abluftwärmepumpe, mit denen ein Wärmebereitstellungsgrad von &eegr;WBG ≥ 75 % bei einer Jahresarbeitszahl von &egr;WP;m ≥ 3,50 und eine spezifische elektrische Leistungsaufnahme der Ventilatoren von Pel,Vent ≤ 0,45 W/(qm/h) erreicht wird.

  • Kompaktgeräte mit Luft-Luft-/Wasserwärmepumpe ohne Luft-Luft-Wärmeübertrager, mit denen eine Jahresarbeitszahl von &egr;WP;m ≥ 3,50 bei einer spezifischen elektrischen Leistungsaufnahme der Ventilatoren von Pel,Vent ≤ 0,35 W/(qm/h) erreicht wird.

Eine Lüftungsanlage muss einreguliert sein und mindestens in der Lage sein, die in DIN 1946-6 genannten planmäßigen Außenluftvolumenströme (Lüftung zum Feuchteschutz) für das Gebäude beziehungsweise für mindestens sämtliche Nutzungseinheiten sicherzustellen.

Die jeweiligen Anforderungen an die spezifische elektrische Leistungsaufnahme von Ventilatoren und an den Wärmebereitstellungsgrad von Lüftungsanlagen werden gleichwertig erfüllt, wenn die Lüftungsanlage einen spezifischen Energieverbrauch von SEV

Lüftungsanlagen müssen die zum Zeitpunkt des Einbaus geltenden Anforderungen der Ökodesign-Richtlinie an die umweltgerechte Gestaltung von Wohnungslüftungsanlagen einhalten.

2.2.6. Mindestanforderungen an die Erneuerung der Heizungsanlage

Die Mindestanforderungen an die Erneuerung der Heizungsanlage sind in der Anlage 6 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten. Hierbei wird insbesondere unterschieden zwischen der Erneuerung durch Solarkollektoranlagen, Biomasseanlagen, Wärmepumpen, Gasbrennwerttechnik, Hybridanlagen, Brennstoffzellen, Mini-Kraft-Wärmekopplung (Blockheizkraftwerke) oder Wärmenetzanschluss.

2.2.7. Mindestanforderungen an den Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung

Die Mindestanforderungen an den Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung sind in der Anlage 7 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten. Gefördert wird die Umsetzung von Maßnahmen zur Betriebsoptimierung durch elektronisch geregelte Systeme mit dem Ziel der Verbesserung der Energieeffizienz bzw. der Netzdienlichkeit der gebäudetechnischen Anlagen (z.B. Heizung, Trink- und Warmwasserbereitung, Lüftungs-/Klimatechnik, Beleuchtung).

Die nachfolgende Liste weist typische förderfähige Maßnahmen aus.

Förderfähig hinsichtlich Smart Meter, Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik sind:

  • Smart Meter-, Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik für Heizungs-, Beleuchtungs-, Lüftungs- bzw. Klimatechnik sowie Einbindung von Wetterdaten, auch als Multi-Sparten-Systeme inklusive Strom, Gas und Wasser,

  • Systeme zur Erfassung und Auswertung von Energieflüssen, Energieverbräuchen, Teilverbräuchen der unterschiedlichen Sparten und Energiekosten,

  • elektronische Heizkostenverteiler, Wasser- und Wärmemengenzähler zur Visualisierung und Analyse von Heizwärmeverbräuchen,

  • elektronische Systeme zur Betriebsoptimierung, zur Bereitstellung von Nutzerinformationen bei nachlassender Systemeffizienz und zur Anzeige von notwendigen Wartungsintervallen (zum Beispiel bei der Wärmeerzeugung, dem hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage und den Emissionen aus der Wärmeerzeugung),

  • Wohnungsdisplay bzw. Nutzerinterfaces zur Anzeige von aktuellen Daten der Heiz- und Elektroenergie, von Warm- und Kaltwasser etc.,

  • elektronische Heizkörperthermostate/Raumthermostate,

  • Integration von Luftqualitätssensoren, Fensterkontakten, Präsenzsensoren, Beleuchtungsfaktoren.

Förderfähig hinsichtlich Systemtechnik sind:

  • Systemtechnik für den Datenaustausch hausintern/-extern und

  • elektronische Systeme zur Unterstützung der Netzdienlichkeit von Energieverbräuchen (zum Beispiel für Heizung, Kühlung, Lüftung, Warmwasser, Beleuchtung, Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, Verbrauch und Erzeugung von erneuerbaren Energien, Haushaltsgeräte).

Förderfähig hinsichtlich Schalttechnik, Tür- und Antriebssysteme sind:

  • präsenzabhängige Zentralschaltung von Geräten, Steckdosen etc.,

  • baugebundene Bedienungs- und Antriebssysteme für Türen, Innentüren, Jalousien, Rollläden, Fenster, Türkommunikation, Beleuchtung, Heizung- und Klimatechnik und

  • intelligente Türsysteme mit personalisierten Zutrittsrechten.

2.2.8. Mindestanforderungen an die Optimierung bestehender Heizungsanlagen

Die Mindestanforderungen an die Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind, sind in der Anlage 8 zur Verordnung zur Bestimmung von Mindestanforderungen für energetische Maßnahmen bei zu eigenen Wohnzwecken genutzten Gebäuden nach § 35c EStG (Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung – ESanMV) enthalten.

Folgende Maßnahmen sind durchzuführen:

  • die Bestandsaufnahme und ggf. die Analyse des Ist-Zustandes, zum Beispiel nach DIN EN 15378,

  • die Durchführung des hydraulischen Abgleichs gem. Verfahren A oder B des VdZ-Formulars und

  • die Umsetzung aller erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz am gesamten Heizsystem (z.B. die Optimierung der Heizkurve, die Anpassung der Vorlauftemperatur und der Pumpenleistung sowie der Einsatz von Einzelraumreglern).

Ergänzend sind förderfähig:

  • Ersatz bestehender Pumpen durch hocheffiziente Heizungsumwälzpumpen und hocheffiziente Trinkwasserzirkulationspumpen,

  • Einbau voreinstellbarer Heizkörperthermostatventile, Einzelraumtemperaturreglern und Strangdifferenzdruckreglern,

  • in Einrohrsystemen Maßnahmen zur Volumenstromregelung mit dem Ziel der Energieeinsparung und der Umbau von Ein- in Zweirohrsystemen,

  • Ersatz und erstmaliger Einbau von Pufferspeichern,

  • erstmaliger Einbau von Flächenheizsystemen sowie die erforderliche Anpassung oder Erneuerung von Rohrleitungen,

  • Austausch vorhandener Heizkörper durch Niedertemperaturheizkörper und Heizleisten,

  • Austausch von Heizkörpern mit dem Ziel der Systemtemperaturreduzierung, die im Zuge der Berechnungen zum hydraulischen Abgleich als verantwortlich für hohe Systemtemperaturen identifiziert wurden (sog. »kritische« Heizkörper),

  • erstmaliger Einbau und Austausch von Komponenten zur Durchflussbegrenzung und Einzelraumtemperaturregelung in Flächenheizkreisen einschließlich aller dazu erforderlichen Komponenten.

2.3. Durchführung durch ein Fachunternehmen

Nach § 35c Abs. 1 Satz 6 EStG ist Voraussetzung, dass die jeweilige energetische Maßnahme von einem Fachunternehmen ausgeführt wird und die Anforderungen aus der Rechtsverordnung nach Abs. 7 erfüllt sind. In der Rechtsverordnung wird bestimmt, welche energieeinsparende Wirkung die konkrete Maßnahme erfüllen muss, um in den Genuss der steuerlichen Wirkung zu gelangen. Ziel der gesonderten Rechtsverordnung ist es, dass die steuerlichen Anforderungen der noch zu konzipierenden Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) entsprechen. Die Durchführung durch ein Fachunternehmen gewährleistet, dass die Sanierungsmaßnahmen auch tatsächlich zu einer Energieeinsparung führen. Dies dürfte bei Eigenleistungen regelmäßig nicht gewährleistet sein.

In § 2 der ESanMV sind die Anforderungen an ein Fachunternehmen aufgeführt:

Fachunternehmen gemäß § 35c Abs. 1 Satz 6 EStG ist jedes Unternehmen, das in den nachfolgend aufgeführten Gewerken tätig ist:

  • Mauer- und Betonbauarbeiten,

  • Stukkateurarbeiten,

  • Maler- und Lackierungsarbeiten,

  • Zimmer-, Tischler- und Schreinerarbeiten,

  • Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten,

  • Steinmetz- und Steinbildhauarbeiten,

  • Brunnenbauarbeiten,

  • Dachdeckerarbeiten,

  • Sanitär- und Klempnerarbeiten,

  • Glasarbeiten,

  • Heizungsbau und -installation,

  • Kälteanlagenbau,

  • Elektrotechnik- und -installation,

  • Metallbau.

Bei der ausgeführten energetischen Maßnahme muss es sich zudem um eine Maßnahme handeln, die dem Gewerk des Fachunternehmens zugehörig ist.

2.4. Nutzung zu eigenen Wohnzwecken

Abs. 2 stellt klar, dass nur Aufwendungen an einem ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken dienenden Gebäude begünstigt werden. Der Stpfl. muss nachweisen können, dass er das begünstigte Objekt selbst nutzt. Unschädlich ist, wenn Teile dieser Wohnung als häusliches Arbeitszimmer genutzt werden.

§ 35c Abs. 5 EStG bestimmt, dass die Regelungen der Absätze 1 bis 4 auf Gebäudeteile, die selbstständige Wirtschaftsgüter sind, sowie auf Eigentumswohnungen entsprechend anzuwenden sind. Dabei gilt jede Eigentumswohnung als begünstigtes Objekt.

Eine Förderung scheidet aus, wenn aus der Wohnung ganz oder teilweise steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden. Hierbei ist R 21.2 Abs. 1 Satz 1 EStR unter Umständen zu beachten: Werden Teile einer selbst genutzten Eigentumswohnung, eines selbst genutzten Einfamilienhauses oder insgesamt selbst genutzten anderen Hauses vorübergehend vermietet und übersteigen die Einnahmen hieraus nicht 520 € im VZ, kann im Einverständnis mit dem Stpfl. aus Vereinfachungsgründen von der Besteuerung der Einkünfte abgesehen werden. Dies ist bei vorübergehender Untervermietung von Teilen einer angemieteten Wohnung, die im Übrigen selbst genutzt wird, entsprechend anzuwenden.

Der Nachweis der Nutzung zu eigenen Wohnzwecken wird dabei regelmäßig anhand der amtlichen Meldebestätigung erbracht. Bei Ferien- und Wochenendhäusern sind erhöhte Anforderungen an das Merkmal der Nutzung zu eigenen Wohnzwecken zu stellen.

Die Abs. 1 bis 4 sind auf Gebäudeteile, die selbständige unbewegliche Wirtschaftsgüter sind, und auf Eigentumswohnungen entsprechend anzuwenden. Ebenso ist zu beachten, dass nach § 35c Abs. 2 Satz 2 EStG eine Nutzung zu eigenen Wohnzwecken auch vorliegt, wenn Teile einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung anderen Personen unentgeltlich zu Wohnzwecken überlassen werden.

Beispiel 3:

Ein Stpfl. vermietet eine Wohnung bis September 2020. Im November 2020 führt er eine begünstigte, energetische Baumaßnahme durch. Ab Januar 2021 nutzt er die Wohnung zu eigenen Wohnzwecken.

Lösung 3:

Im Jahr 2020 hat der Stpfl. die Wohnung nicht ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt, so dass eine Ermäßigung ausscheidet. Für 2021 und 2022 ist die Einkommensteuer hingegen wieder zu ermäßigen. Das nicht ausgeschöpfte Volumen aus dem Jahr 2020 kann nicht beansprucht werden.

3. Bescheinigung der Maßnahmen

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für die Einzelmaßnahmen ist, dass das die förderungswürdigen Maßnahmen durchführende Fachunternehmen die Voraussetzungen des Abs. 1 und der Rechtsverordnung bestätigt. Für die Bescheinigung wird die Finanzverwaltung im Einvernehmen mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein amtliches vorgeschriebenes Muster erstellen, um eine bundeseinheitliche Verfahrensweise zu gewährleisten.

Das BMF hat zur Ausstellung der Bescheinigung des Fachunternehmens gem. § 35c Abs. 1 Satz 7 EStG Stellung genommen und die entsprechenden Muster veröffentlicht, die von Fachunternehmen und Energieberater ausgestellt werden müssen, damit die Anspruchsberechtigten im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung die steuerliche Förderung für die energetische Gebäudesanierung geltend machen können (BMF vom 31.3.2020, BStBl I 2020, 484).

3.1. Umfang der zu bescheinigenden Angaben

Die Kosten der jeweiligen energetischen Maßnahme sind grundsätzlich einzeln in der Bescheinigung auszuweisen. Eines gesonderten Ausweises bedarf es nicht, wenn die der Bescheinigung beigefügte Rechnung selbst entsprechend gegliedert ist und die Kosten der jeweiligen Maßnahme zugeordnet werden können.

Soweit einzelne in dem amtlichen Muster enthaltene Sachverhalte nicht gegeben sind, ist es nicht zu beanstanden, wenn die entsprechende(n) Zeile(n) oder ggf. Teile des Textes einer Zeile des amtlichen Musters in der Bescheinigung nicht aufgeführt ist/sind.

Ebenso ist es zulässig, wenn weitere erforderliche Zeilen (z.B. in Muster I und II Tabelle V »Kosten der energetischen Maßnahme(n)«) hinzugefügt werden.

Die Reihenfolge der Angaben ist jedoch entsprechend dem amtlichen Muster beizubehalten.

Die Kosten der jeweiligen energetischen Maßnahme sind grds. einzeln in der Bescheinigung auszuweisen. Eines gesonderten Ausweises bedarf es nicht, wenn die der Bescheinigung beigefügte Rechnung selbst entsprechend gegliedert ist und die Kosten der jeweiligen Maßnahme zugeordnet werden können.

Als Kosten für die energetische Maßnahme können die Aufwendungen für den Einbau bzw. die Installation, für die Inbetriebnahme von Anlagen, für notwendige Umfeldmaßnahmen und die direkt mit der Maßnahme verbundenen Materialkosten ausgewiesen werden. Zudem ist ein Ausweis der Kosten möglich, die dem Stpfl. dadurch entstanden sind, dass ein Energieberater mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahme beauftragt wurde. Berücksichtigt werden die Aufwendungen für Energieberater, die vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) als fachlich qualifiziert zum Förderprogramm »Energieberatung für Wohngebäude« zugelassen sind und die Aufwendungen für die Energieeffizienz-Experten, die für Seite 3 das KfW-Förderprogramms »Energieeffizient Bauen und Sanieren – Wohngebäude« (KfW-Programme Nr. 151/152/153 und 430) gelistet sind. Nachfolgend wird vereinfachend für steuerliche Zwecke für diesen Personenkreis einheitlich der Begriff »Energieberater« verwendet. Nicht berücksichtigungsfähig sind die Aufwendungen für Personen ausschließlich mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV. Erfüllt eine beratende Person nicht die Voraussetzungen des BAFA oder der KfW-Förderprogramme, können die Aufwendungen für sie nicht berücksichtigt werden, auch wenn sie im Übrigen eine Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV besitzt. Zu den Aufwendungen der energetischen Maßnahmen gehören auch die Kosten für die Erteilung der Bescheinigung.

3.2. Ergänzende Angaben

Der Bescheinigung können weitere Erläuterungen beigefügt werden, sofern die Ergänzungen im Anschluss an das amtliche Muster erfolgen und hiervon optisch abgesetzt werden.

3.3. Erstmalige Erteilung

Die Bescheinigung des ausführenden Fachunternehmens kann nur für energetische Maßnahmen erteilt werden, mit denen nach dem 31.12.2019 begonnen wurde.

4. Zahlungsnachweise

Absatz 4 des § 35c EStG stellt klar, welche Voraussetzungen an die Rechnung für die energetischen Maßnahmen erfüllt sein müssen. Durch Beleg des Kreditinstituts ist nachzuweisen, dass die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers erfolgt ist. Dies dient der Bekämpfung der Schwarzarbeit und fördert legale Beschäftigungen im Baugewerbe. Damit soll sichergestellt werden, dass der Steuerpflichtige die Steuerermäßigung nur in Anspruch nehmen kann, wenn die Aufwendungen für die energetische Maßnahme unbar erbracht wurde.

5. Rechtsfolge/Höhe der Steuerermäßigung

§ 35c EStG stellt eine Steuerermäßigung dar und mindert somit direkt die tarifliche Einkommensteuer auf Antrag des Steuerpflichtigen. Der Abzugsbetrag wird als Prozentsatz der entstandenen Aufwendungen ermittelt und von der tariflichen Einkommensteuer zum Abzug gebracht. Analog zu § 35a EStG gibt es keine Option, nicht ausgeschöpfte Beträge vor- oder zurückzutragen; es verbleibt der Abzog von der tariflichen Einkommensteuer auf null.

Nach § 35c Abs. 1 Satz 1 EStG können auf Antrag des Stpfl. im Kj. des Abschlusses der energetischen Maßnahme und im nächsten Kj. jeweils 7 % der Aufwendungen des Stpfl. (für die energetische Maßnahme), höchstens jedoch jeweils 14 000 € und im übernächsten Kalenderjahr dann nochmals 6 % der Aufwendungen des Stpfl., höchstens jedoch 12 000 € für das begünstigte Objekt geltend gemacht werden. Insgesamt ergibt das ein Abzugsbetrag von 20 % der Aufwendungen des Stpfl. und ein Förderhöchstbetrag von 40 000 € in drei Kalenderjahren.

Nach § 35c Abs. 1 Satz 4 EStG können 50 % der Aufwendungen für einen Energieberater von der tariflichen Einkommensteuer in Abzug gebracht werden, wenn der Energieberater durch den Stpfl. mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung der energetischen Maßnahmen nach § 35c Abs. 1 Satz 3 EStG beauftragt wurde.

Die Fördergrenzen sind an das einzelne, begünstigte Objekt gebunden. Sollte das begünstigte Objekt im Förderzeitraum verkauft werden, entsteht keine neue Fördergrenzen.

6. Literaturhinweise

Heine, Steuermäßigung für energetische Gebäudesanierung, NWB 17/2020, 1244; Heine, Steuerermäßigungen nach § 35a und § 35c EStG, STFAN 9/2020, 11.

7. Verwandte Lexikonartikel

Haushaltsnahe Handwerkerleistungen

Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau (§ 7b EStG)

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

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