Haben Sie vergessen Ausgaben abzusetzen?

Die besten Karten haben Sie, wenn Sie die Kosten innerhalb der einmonatigen Einspruchsfrist einreichen. Dann ist eine Änderung des Steuerbescheids verfahrensrechtlich ohne Weiteres möglich.

Schwieriger – aber nicht ausgeschlossen – ist es, wenn Sie erst nach Ablauf der Einspruchsfrist tätig werden. Dann kommt z. B. eine Änderung aufgrund neuer Tatsachen (§ 173 Abgabenordnung) in Betracht. Soll aber eine Änderung des Steuerbescheids zu Ihren Gunsten erfolgen, dürfen Sie kein grobes Verschulden daran haben, dass die neue Tatsache erst nachträglich bekannt geworden ist. Die Frage, wann ein grobes Verschulden vorliegt, beschäftigt regelmäßig die Finanzgerichte.

Vor dem Bundesfinanzhof hat ein Kfz-Mechanikermeister einmal durchgesetzt, dass das Finanzamt nachträglich noch Arbeitszimmeraufwendungen als Werbungskosten anerkennen muss. Er hatte erst nach Ablauf der Einspruchsfrist erfahren, dass er die Kosten seines häuslichen Arbeitszimmers absetzen kann. Die Richter gingen davon aus, dass ihn regelmäßig kein grobes Verschulden trifft, wenn er es infolge mangelnder Steuerrechtskenntnisse unterlässt, anteilige Kosten seiner Wohnung als Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend zu machen. Eine wichtige Einschränkung gibt es allerdings: Möglich ist eine „Nacherklärung“ nur bei Ausgaben, nach denen Sie in der Steuererklärung nicht ausdrücklich gefragt wurden und die auch nicht in der amtlichen Anleitung zur Steuererklärung erläutert sind. Dies war in den damaligen Erklärungsvordrucken (des Jahres 1986) für Arbeitszimmerkosten noch der Fall.

Heutzutage dürfte es schon schwieriger sein, eine Kostenposition zu finden, die nicht im weiteren oder engeren Sinne in den Steuererklärungsvordrucken oder der Anleitung zur Einkommensteuererklärung „abgefragt“ wird.

In einem aktuelleren Fall hat das Das Finanzgericht Hamburg entschieden, dass ebenfalls kein grobes Verschulden vorliegt, wenn der Steuerpflichtige seine Unterhaltsaufwendungen in der elektronischen (mit ElsterFormular abgegebenen) Steuererklärung 2008 vergisst. Ähnlich wie der Bundesfinanzhof argumentierte auch das Finanzgericht Hamburg, dass die Angaben auf den (elektronischen) Vordrucken nicht eindeutig genug formuliert waren. Deshalb konnten die Unterhaltsleistungen auch nach Ablauf der Einspruchsfrist noch über eine Änderung wegen neuer Tatsachen berücksichtigt werden.


Fundstelle: § 173 AO; § 173 AO; BFH, Urteil v. 22.5.1992 - VI R 17/91, BStBl II 1993, 80; FG Hamburg, Urteil v. 27.9.2011 - 1 K 43/11
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