Steuertipps – Arbeitsecke als Arbeitszimmer?

Das Finanzgericht Köln hat entschieden, dass die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers auch bei erheblicher Privatnutzung in Höhe des beruflichen bzw. betrieblichen Nutzungsanteils steuerlich abgezogen werden können.

Im Urteilsfall ging es um eine Arbeitsecke im privaten Wohnzimmer, die nur durch ein Regal vom Wohnbereich abgetrennt war. Die Richter beschränkten die steuerliche Anerkennung der Arbeitszimmerkosten zwar auf 1.250 €, weil das Wohn-/Arbeitszimmer im Streitfall nicht der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Tätigkeit war. Die kleine Sensation aber war, dass die Richter die betrieblich genutzte Arbeitsecke trotz fehlender räumlicher Abtrennung steuerlich anerkannten.

Das Finanzgericht Köln stützte seine Entscheidung im Wesentlichen auf den Beschluss des Großen Senats des Bundesfinanzhofs vom 21.9.2009 - GrS 1/06 zur Aufteilung von gemischt veranlassten Reisekosten (vgl. KONZ Steuertipp „Mischkosten: Aufteilungsverbot gekippt!“). Darin distanzierte sich der Bundesfinanzhof von dem strikten Abzugsverbot gemischt veranlasster Kosten und teilte Reisekosten in nicht abziehbare Kosten und abziehbare Werbungskosten/Betriebsausgaben auf. Das Finanzgericht Köln hat diese Rechtsprechung auf das häusliche Arbeitszimmer übertragen.

Zwar hatte der Bundesfinanzhof einen klaren Aufteilungsmaßstab (z. B. Zeitanteile einer Reise) für diese Aufteilung gefordert, er erklärte sich aber in seinem nachfolgenden Urteil vom 24.2.2011 dazu bereit, gemischt veranlasste Kosten auch pauschal hälftig anzuerkennen. Angelehnt an diese Entscheidung ließ auch das Finanzgericht Köln – mangels Greifbarkeit eines anderen Aufteilungsmaßstabs – einen 50%igen Abzug der Arbeitszimmerkosten zu.

Die Revision zum Bundesfinanzhof wurde zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung zugelassen. Die vom Finanzamt eingelegte Revision ist mittlerweile unter dem Aktenzeichen X R 32/11 beim Bundesfinanzhof anhängig. Der Bundesfinanzhof wird nun die Frage beantworten, ob auch im „Bereich Arbeitszimmer“ eine Aufteilung in einen betrieblichen bzw. beruflichen und einen privaten Anteil zulässig ist. Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat eine entsprechende Aufteilung von Wohnraumkosten abgelehnt.

Eine ablehnende Haltung vertritt auch das Finanzgericht Sachsen. Im entschiedenen Fall hatte ein Gymnasiallehrer berufliche Tätigkeiten in einem Raum ausgeführt, der auch mit privaten Einrichtungsgegenständen ausgestattet war.

Tipp: Wenn auch Ihr Finanzamt die steuerliche Berücksichtigung der Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers abgelehnt hat, weil Sie es sowohl beruflich/betrieblich als auch privat nutzen, sollten Sie unter Hinweis auf das beim Bundesfinanzhof anhängige Verfahren X R 32/11 gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen.

Fundstelle: FG Köln, Urt. v. 19.5.2011 - 10 K 4126/09, Rev. (BFH: X R 32/11); BFH, Urt. v. 24.2.2011 - VI R 12/10; FG Baden-Württemberg, Urt. v. 2.2.2011 - 7 K 2005/08; FG Sachsen, Urt. v. 11.1.2012 – 2 K 1854