Steuertipps – Doppelte Haushaltsführung bei wilder Ehe

Für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ist eine finanzielle Beteiligung an den Kosten des Haushalts und eine Meldung als Erstwohnsitz nicht zwingend erforderlich.

Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt (am Beschäftigungsort) unterhalten, können Sie die Aufwendungen als Werbungskosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ansetzen. Weil Sie dem Finanzamt einen doppelten Haushalt nachweisen müssen, benötigen Sie neben der Zweitwohnung am Beschäftigungsort einen eigenen Hausstand an Ihrem privaten Wohnort. Die doppelte Haushaltsführung muss natürlich beruflich veranlasst sein. In diesem Fall werden die angemessenen Unterkunftskosten am Beschäftigungsort als Werbungskosten anerkannt.

Das Finanzgericht Münster hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, ob eine doppelte Haushaltsführung bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft anerkannt werden kann.

Im Streitfall hatten die Kläger im Dezember 2006 geheiratet. Die Klägerin hatte an ihrem Beschäftigungsort während des gesamten Jahres 2006 eine Wohnung und hielt sich an den Wochenenden und im Urlaub in der Wohnung ihres zukünftigen Ehemannes an einem etwa 90 km entfernt liegenden Ort auf. Das Finanzamt erkannte die geltend gemachten Aufwendungen für die Wohnung am Beschäftigungsort und für Familienheimfahrten für den Zeitraum vor der Heirat nicht an, weil die Klägerin sich nicht finanziell an den Aufwendungen für die Wohnung des Klägers beteiligt habe.

Die Richter gaben der Klage statt. Der Lebensmittelpunkt der Klägerin habe am Ort der Wohnung des Klägers gelegen, weil sie dort einen eigenen Hausstand unterhalten habe. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten des Haushalts und eine Meldung als Erstwohnsitz seien dafür nicht zwingend erforderlich. Die Gesamtumstände – insbesondere die spätere Eheschließung – sprechen laut Finanzgericht Münster für eine Verlagerung des Lebensmittelpunkts.

Die Revision zum Bundesfinanzhof wurde zugelassen.

Fundstelle: FG Münster, Urteil v. 20.12.2011 - 1 K 4150/08 E, vgl. Newsletter 1/2012 v. 16.1.2012