Steuertipps – Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben

Die Berechnung der Vorsorgeaufwendungen erweist sich für Laien oft als ein Buch mit sieben Siegeln. Bei der Abgabe der Einkommensteuererklärung kommt es deshalb in erster Linie darauf an, die Vorsorgeaufwendungen möglichst vollständig zu erklären.

Denn nur so das Finanzamt diese Kosten bei der automatisierten Berechnung auch tatsächlich berücksichtigen.

Durch das Alterseinkünftegesetz wurde die Abzugsfähigkeit Ihrer Vorsorgeaufwendungen zum 1.1.2005 völlig neu geregelt. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen

  • der Basisversorgung (gesetzliche Rente, berufsständisches Versorgungswerk, landwirtschaftliche Alterskasse, Rürup-Rente),

  • den übrigen Vorsorgeaufwendungen (z. B. Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, Haftpflichtversicherung, Unfallversicherung, klassische private Lebensversicherung nach altem Recht – Abschluss vor 2005) und

  • der Zusatzversorgung (Riesterrente).

Basisversorgung

Den Sonderausgabenabzug für die Aufwendungen zur Basisversorgung (vgl. Mantelbogen, Seite 3, Zeilen 61 bis 67) können Sie grundsätzlich bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 € (bei zusammen veranlagten Ehepaaren 40.000 €) geltend machen.

Achtung: Der Schein trügt jedoch! Die vollen Höchstbeträge stehen Ihnen nämlich erst ab dem Jahr 2025 zu. Bis dahin werden die jährlich abziehbaren Basisvorsorgeaufwendungen schrittweise angehoben. Für 2007 ist der abziehbare Höchstbetrag auf 64 % der o. g. Beträge (also 12.800 € bzw. 25.600 €) beschränkt. Der abziehbare Höchstbetrag steigert sich jedes Jahr um zwei Prozentpunkte, für 2008 beträgt er 13.200 € bzw. 26.400 € (66 %).

Sind Sie rentenversicherungspflichtiger Arbeitnehmer, wird Ihnen der an sich abzugsfähige Teil Ihrer Vorsorgeaufwendungen nochmals um den steuerfreien Arbeitgeberanteil gekürzt. In der Übergangsphase bis zum Jahr 2025 wird rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern dadurch ein erheblicher Teil ihrer Vorsorgeaufwendungen „abgeschnitten“. Einkommensteuerbescheide ergehen zwar bezüglich der Abziehbarkeit von Vorsorgeaufwendungen für Veranlagungszeiträume ab 2005 nur noch vorläufig. Derzeit ist aber umstritten, ob dieser Vorläufigkeitsvermerk umfassenden Rechtsschutz gewährt. Ein vorsorglicher Einspruch kann ggf. angezeigt sein.

Achtung: Der Höchstbetrag für die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen vermindert sich bei bestimmten Berufsgruppen (insbesondere Beamten, Richtern, Berufssoldaten, Geistlichen) um den Betrag, der dem Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung entspricht. Ebenso ist eine Kürzung bei Gesellschafter-Geschäftsführern einer GmbH oder Vorstandsmitgliedern von Aktiengesellschaften unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Übrige Vorsorgeaufwendungen

Weitere Vorsorgeaufwendungen, die nicht bereits zur Basisvorsorge zählen, sind bis zu einem Höchstbetrag von 2.400 € abziehbar. Dieser Betrag vermindert sich auf 1.500 €, wenn Sie einen Anspruch auf (vollständige oder teilweise) Erstattung bzw. Übernahme von Krankheitskosten haben, wenn Sie also z. B. in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert oder Beamter sind. Bei zusammen veranlagten Ehepaaren bestimmt sich der gemeinsame Höchstbetrag aus der Summe der jedem einzelnen Ehegatten zustehenden Höchstbeträge. Möglich sind daher gemeinsame Höchstbeträge von 3.000 €, 3.900 € oder 4.800 €.

Zur neuen Rechtslage ab 2010 vgl. unseren Steuertipp Bürgerentlastungsgesetz kommt 2010.

Achtung: Sachversicherungen wie z. B. Hausrat oder Kfz-Kasko können hier nicht geltend gemacht werden. Weil aber insbesondere gesetzliche und private Krankenversicherungsbeiträge als übrige Vorsorgeaufwendungen abziehbar sind, werden die Höchstbeträge in sehr vielen Fällen erreicht bzw. überschritten. Dies sollten Sie auch dann bedenken, wenn Ihnen Versicherungsgesellschaften unter Hinweis auf steuerliche Abzugsmöglichkeiten zusätzliche Policen „schmackhaft“ machen wollen. Sehr oft ergibt sich im Ergebnis kein weiterer Steuervorteil, weil Aufwendungen über den Höchstbeträgen völlig unberücksichtigt bleiben.

Günstigerprüfung

Vor allem für rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer ist das ab 2005 geltende neue Recht zur Abziehbarkeit von Vorsorgeaufwendungen oft zumindest in der Anfangsphase der Übergangszeit ungünstiger als das alte Recht. Daher müssen Finanzämter bis zum Jahr 2019 in einem komplexen Berechnungsverfahren die nach altem und nach neuem Recht abziehbaren Beträge parallel ausrechnen und den höheren Betrag in Ihrem Einkommensteuerbescheid zu Ihren Gunsten berücksichtigen. Werden die abziehbaren Vorsorgeaufwendungen bei Ihnen noch nach altem Recht ermittelt, enthält Ihr Einkommensteuerbescheid folgenden Hinweis: „Die Günstigerprüfung hat ergeben, dass die Ermittlung der abziehbaren Vorsorgeaufwendungen nach der Rechtslage 2004 zu einem günstigeren Ergebnis führt.“

Sonderbonus für Riester-Sparer

Wenn Sie zum begünstigten Personenkreis gehören, der die Zulagen aus der Riesterrente beanspruchen kann (insbesondere rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte), profitieren Sie womöglich noch von einem zusätzlichen Sonderausgabenabzug. Dieser beträgt ab dem Veranlagungszeitraum 2008 jährlich bis zu 2.100 €.

Achtung: Auch hier sieht das Gesetz eine Günstigerprüfung vor. Das bedeutet, dass Ihr Steuervorteil maximal aus dem Betrag besteht, der über die bereits erhaltene Zulage (Gutschrift auf Ihren Altersvorsorgevertrag) hinausgeht. Ob sich der zusätzliche Sonderausgabenabzug also tatsächlich auswirkt, hängt von Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz in der Spitze ab.

Profitieren Sie von dem Steuervorteil, wird Ihnen die Altersvorsorgezulage als „zusätzliche Einkommensteuerschuld“ aufgebürdet (vgl. Einkommensteuerbescheid unter „Berechnung der Einkommensteuer“), weil Sie die Zulage ja bereits durch Gutschrift auf Ihren geförderten Riestervertrag erhalten haben. Eine doppelte Vergünstigung (volle Zulage plus Sonderausgabenabzug) sieht das Gesetz nicht vor.

Vorsicht: Manche Steuerzahler vergessen, ihre geleisteten Riesterbeiträge bei der Einkommensteuererklärung geltend zu machen. Weil die Beträge auch vom Finanzamt erfasst werden, müssen Sie die Anlage AV einreichen und darauf im Mantelbogen (Seite 3, Zeile 75) gesondert hinweisen. Die Höhe Ihrer geleisteten Altersvorsorgebeiträge können Sie der Bescheinigung Ihrer Bank oder Versicherungsgesellschaft entnehmen.

Fundstelle: § 10 EStG; vgl. BMF-Schreiben v. 20.6.2008 - IV A 3 – S 0338/07/10010