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Umlaufvermögen – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Allgemeiner Überblick
2 Bewertung des Umlaufvermögens
3 Grundstücke als Umlaufvermögen
3.1 Parzellierung in Veräußerungsabsicht
3.2 Gewerblicher Grundstückshändler
4 Sonderabschreibungen nach dem Fördergebietsgesetz auf Umlaufvermögen
5 Literaturhinweise
6 Verwandte Lexikonartikel

1. Allgemeiner Überblick

Umlaufvermögen sind diejenigen Wirtschaftsgüter, die nicht bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb des Unternehmens zu dienen (§ 247 Abs. 2 HBG i.U.). Umlaufgüter gehören nur vorübergehend zum Betriebsvermögen. Sie sind zur Veräußerung, Verarbeitung oder zum Verbrauch angeschafft oder hergestellt worden oder für eine sonstige kurzfristige Verwertung innerhalb des Unternehmens bestimmt (R 6.1 Abs. 2 EStR).

Nach dem Gliederungsschema des § 266 Abs. 2 HGB rechnen zum Umlaufvermögen:

  • Vorräte wie

    • Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe,

    • unfertige Erzeugnisse, unfertige Leistungen,

    • fertige Erzeugnisse und Waren,

    • geleistete Anzahlungen;

  • Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände wie

    • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen,

    • Forderungen gegen verbundene Unternehmen,

    • Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht,

    • sonstige Vermögensgegenstände;

  • Wertpapiere wie

    • Anteile an verbundenen Unternehmen,

    • eigene Anteile,

    • sonstige Wertpapiere

  • Kassenbestand,

  • Bankguthaben.

2. Bewertung des Umlaufvermögens

Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens (→ Vorratsvermögen), insbesondere Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, unfertige und fertige Erzeugnisse sowie Waren, sind nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten (R 6.2 und 6.3 EStR) anzusetzen (R 6.8 Abs. 1 EStR). Ist der Teilwert (R 6.7 EStR) am Bilanzstichtag auf Grund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger, so kann dieser nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG angesetzt werden. Nach Einführung des BilMoG (→ Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG)) kann das Wahlrecht des § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG unabhängig von der handelsrechtlichen Bilanzierung ausgeübt werden.

Zur Bewertung des Umlaufvermögens s.a. → Bewertung von Wirtschaftsgütern, → Festwert. Zur → Teilwertabschreibung und zur Wertaufholung s. die Regelungen im BMF-Schreiben vom 16.7.2014, BStBl I 2014, 1162 (→ Abnutzbare Wirtschaftsgüter). Bei Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens entspricht der Teilwert grundsätzlich den Wiederbeschaffungskosten. Der Teilwert von zum Absatz bestimmten Waren hängt jedoch auch von deren voraussichtlichem Veräußerungserlös (Börsen- oder Marktpreis) ab (BFH Urteil vom 27.10.1983, IV R 143/80, BStBl II 1984, 35). Demgemäß kommt dem Zeitpunkt der Veräußerung oder Verwendung für die Bestimmung einer voraussichtlich dauernden Wertminderung eine besondere Bedeutung zu. Hält die Minderung bis zum Zeitpunkt der Aufstellung der Bilanz oder dem vorangegangenen Verkaufs- oder Verbrauchszeitpunkt an, so ist die Wertminderung voraussichtlich von Dauer. Zusätzliche Erkenntnisse bis zu diesen Zeitpunkten sind zu berücksichtigen. Allgemeine Marktentwicklungen, z.B. Kursschwankungen von börsennotierten Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens, sind zusätzliche Erkenntnisse und als solche in die Beurteilung einer voraussichtlich dauernden Wertminderung der Wirtschaftsgüter zum Bilanzstichtag einzubeziehen.

Zum Vorliegen einer voraussichtlich dauernden Wertminderung bei börsennotierten Aktien s. die Regelungen im BMF-Schreiben vom 16.7.2014, BStBl I 2014, 1162.

3. Grundstücke als Umlaufvermögen

3.1. Parzellierung in Veräußerungsabsicht

Wird ein Grundstück des Anlagevermögens (→ Anlagevermögen) in Veräußerungsabsicht parzelliert und wirkt der Stpfl. an der Aufbereitung zum Bauland aktiv mit oder nimmt er darauf Einfluss, wechselt das Grundstück auch bei zunächst unveränderter Nutzung zum Umlaufvermögen (BFH Urteil vom 25.10.2001, IV R 47, 48/00, BStBl II 2002, 289). Die Finanzverwaltung vertritt hierzu in einem etwas anders gelagerten Fall in R 6.1 Abs. 1 EStR eine andere Auffassung.

3.2. Gewerblicher Grundstückshändler

Ein gewerblicher Grundstückshändler muss Grundstücke und Gebäude als Umlaufvermögen und notwendiges Betriebsvermögen aktivieren, planmäßige Abschreibungen nach § 7 EStG sind auf zum Umlaufvermögen gehörende Gebäude nicht zulässig (BFH Urteil vom 12.9.1995, BFH/NV 1996, 206 und BFH Urteil vom 21.6.2001, BFH/NV 2001, 1641) (→ Gewerblicher Grundstückshandel). Anders als bei der Frage, ob dem Grunde nach ein gewerblicher Grundstückshandel gegeben ist, kann hinsichtlich der Zuordnung weiterer Objekte zum Betriebsvermögen eines bereits bestehenden Grundstückshandels auch den vom Stpfl. abgegebenen Erklärungen Bedeutung zukommen (BFH vom 29.5.2013, BFH/NV 2013, 1411–1412).

4. Sonderabschreibungen nach dem Fördergebietsgesetz auf Umlaufvermögen

Sonderabschreibungen nach § 4 FördG können auch auf Herstellungsarbeiten an Gebäuden des Umlaufvermögens vorgenommen werden. Umlaufvermögen sind demgegenüber die zum Verbrauch oder sofortigen Verkauf bestimmten Wirtschaftsgüter (ständige Rspr. des BFH, vgl. z.B. Urteile vom 23.9.2008, I R 47/07, BFHE 223, 56; vom 9.2.2006, IV R 15/04, BFH/NV 2006, 1267; vom 28.5.1998, X R 80/94, BFH/NV 1999, 359; vom 5.2.1987, IV R 105/84, BFHE 149, 255, BStBl II 1987, 448). Die Zuordnung orientiert sich danach maßgeblich an der Zweckbestimmung des Wirtschaftsguts im Betrieb, die einerseits subjektiv vom Willen des Steuerpflichtigen abhängt, sich andererseits aber an objektiven Merkmalen nachvollziehen lassen muss (wie z.B. der Art des Wirtschaftsguts, der Art und Dauer der Verwendung im Betrieb, der Art des Betriebs, ggf. auch der Art der Bilanzierung). Ein Gegenstand, der zum Verkauf bestimmt ist, gehört auch dann zum Umlaufvermögen, wenn er bei fehlender Verkaufsmöglichkeit übergangsweise vermietet oder in anderer Weise für den Betrieb genutzt wird. Demgegenüber gehört ein Gegenstand, der zur Vermietung bestimmt ist, zum Anlagevermögen, es sei denn, die Vermietung dient nur dem Zweck, den Gegenstand anschließend dem Mieter zu verkaufen (vgl. BFH Urteile in BFHE 223, 56; vom 2.2.1990, III R 165/85, BFHE 160, 361, BStBl II 1990, 706; vom 31.3.1977, V R 44/73, BFHE 122, 184, BStBl II 1977, 684).

Nach § 1 Abs. 1 FördG können Steuerpflichtige für im Fördergebiet durchgeführte begünstigte Investitionen u.a. Sonderabschreibungen nach § 4 FördG vornehmen. Zu den begünstigten Maßnahmen gehören auch Modernisierungsmaßnahmen und andere nachträgliche Herstellungsarbeiten an abnutzbaren unbeweglichen Wirtschaftsgütern (§ 3 Satz 1 FördG). Bemessungsgrundlage der Sonderabschreibungen sind in diesem Fall die Herstellungskosten, die für die nachträglichen Herstellungsarbeiten aufgewendet worden sind (§ 4 Abs. 1 Satz 1 FördG). Die Sonderabschreibungen betragen bei Investitionen, die vor dem 1.1.1999 abgeschlossen worden sind, 40 % der Bemessungsgrundlage. Bei nach dem 31.12.1998 abgeschlossenen Investitionen betragen die Sonderabschreibungen ebenfalls 40 %, soweit vor dem 1.1.1999 Teilherstellungskosten angefallen sind. § 3 FördG enthält keine ausdrückliche Regelung zu der Frage, ob die begünstigten Baumaßnahmen nur an Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens oder auch an Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens vorgenommen werden dürfen. Damit unterscheidet sich § 3 FördG von der bewegliche Wirtschaftsgüter betreffenden Norm in § 2 FördG. Dort werden ausdrücklich nur Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens als begünstigt genannt. Diese Unterscheidung des Gesetzes legt es nahe, den Geltungsbereich des § 3 FördG im Unterschied zu § 2 FördG nicht auf Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens zu verengen. Die Tatbestandsmerkmale des § 3 FördG können auch bei Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens erfüllt sein. Zwar werden zum Umlaufvermögen gehörende Gebäude wie ausgeführt nicht mit den um die AfA geminderten Anschaffungs- und Herstellungskosten bewertet. Dies bedeutet aber nicht, dass die betreffenden Gebäude nicht zu den abnutzbaren Wirtschaftsgütern zu zählen wären. An der Abnutzbarkeit der Gebäude besteht ungeachtet der fehlenden planmäßigen Absetzung für diese Abnutzung kein Zweifel. Damit unterscheiden sich Gebäude z.B. von dem nicht abnutzbaren Grund und Boden.

Einer Sonderabschreibung auf Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens stehen entgegen der Auffassung des FG auch nicht allgemeine Grundsätze des Ertragsteuerrechts entgegen. Den vom FG hierzu angeführten §§ 6 und 7 EStG lassen sich derartige Grundsätze nicht entnehmen. Zwar werden Sonderabschreibungen allgemein als Abschreibungen gekennzeichnet, die neben die AfA treten; damit unterscheiden sie sich von erhöhten Absetzungen, die die regelmäßigen AfA ersetzen. Konkurrenzen zwischen Sonderabschreibungen und AfA werden von § 7a EStG geregelt. Weder die §§ 6 und 7 EStG noch § 7a EStG schließen aber Sonderabschreibungen auf Wirtschaftsgüter aus, auf die keine AfA vorgenommen werden können. Der Gesetzgeber kann deshalb ohne Änderung der §§ 6 und 7 EStG Sonderabschreibungen auf jede Art von Wirtschaftsgut regeln. Derartige Abschreibungen haben inhaltlich keinen Bezug zu der Wertentwicklung des betreffenden Wirtschaftsguts. Sie erzeugen eine lediglich durch Lenkungszwecke zu rechtfertigende Gewinnminderung, die eine Minderung der Ertragsteuerbelastung nach sich ziehen und damit eine direkte Subvention substituieren soll.

Auf Herstellungskosten, die für nachträgliche Herstellungsarbeiten an Gebäuden im Fördergebiet aufgewendet werden, können danach Sonderabschreibungen nach § 4 FördG vorgenommen werden, auch wenn das betreffende Gebäude zum Umlaufvermögen gehört (vgl. BFH Urteil vom 16.12.2009, IV R 48/07, BStBl II 2010, 799).

5. Literaturhinweise

Utz, Übersicht über die Bewertungsverfahren, Steuer & Studium 2005, 305, Schoor, Teilwertabschreibung und Wertaufholung, NWB 25/2015, 1865; Bolik und Burik, Bewertung des Vorratsvermögens – der neue Lifo-Grundsatzerlass des BMF, NWB 30/2015, 2214; Cremer, Außerplanmäßige Abschreibungen: Teilwert und beizulegender Wert – Bewertung des Vorratsvermögens nach der Subtraktions- und Formelmethode, NWB 13/2016, 13.

6. Verwandte Lexikonartikel

Abnutzbare Wirtschaftsgüter

Abschreibung

Anzahlungen

Bewertung von Wirtschaftsgütern

Bilanz

Einlage

Eiserne Verpachtung

Festwert

Forderungen

Rücklage für Ersatzbeschaffung

Übertragung von Privat- oder Betriebsvermögen

Unbebaute Grundstücke als Betriebsvermögen

Vorratsvermögen

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

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