11.10.2016 · smart steuern ·

Nein! Doch! Ohh! – Wie pauschal ist die Kilometerpauschale?

Wohl fast jeder Arbeitnehmer hat schon mal von der Kilometer- oder Entfernungspauschale gehört, mit der die Kosten für Fahrten zur Arbeitsstätte pauschal abgegolten sind. Was vermutlich deutlich weniger Leute wissen: Was ist, wenn zum Beispiel ein Unfall passiert auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Kann man das vielleicht zusätzlich absetzen? Vor kurzem erreichte diese spannende Frage sogar den Bundestag – mit einer erfreulichen Antwort.

Die Eckdaten zur Kilometerpauschale

Bevor wir gleich in den Bundestag wechseln, wollen wir Sie kurz auf den Stand bringen. Jede Fahrt zur Arbeitsstätte lässt sich als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Die Faustformel für diese Entfernungspauschale lautet: kürzester Arbeitsweg in Kilometer (einfache Strecke) mal Arbeitstage im Jahr mal 0,30 Euro. Wer Vollzeit arbeitet und einen Arbeitsweg von mindestens 16 Kilometer hat, kommt in der Regel auf mehr aus 1.000 Euro im Jahr – und übertrifft damit die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. Ausnahmen, Einschränkungen und weitere Erklärungen finden Sie übrigens ausführlich in diesem Blogartikel.

Was ist mit den Kosten eines Unfalls?

Die Älteren werden bei der Überschrift „Nein! Doch! Ohh!“ sicher gleich an den großartigen Louis de Funès gedacht haben, die jüngeren schauen einfach mal kurz hier:

 

Warum dieser legendäre Dialog in diesem Artikel? Nun, weil mich das Thema stark daran erinnerte. Denn es geht darum, ob mit der Entfernungspauschale auch Kosten eines Unfalls auf dem Weg zur Arbeit abgegolten sind. Eigentlich müsste die Antwort „Nein!“ lauten, weil es im Einkommensteuergesetz, § 9, Absatz 2, Satz 1 klar heißt: „Durch die Entfernungspauschalen sind sämtliche Aufwendungen abgegolten, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte … veranlasst sind.“ So weit, so gut.

So sieht es das Finanzministerium

Sie ahnen es sicher schon, gleich kommt das „Doch!„… Und das führt uns in den Bundestag, genauer zur Drucksache 18/8523. Klicken Sie ruhig mal auf den Link zum Dokument, dann sehen Sie, wie viele Fragen die Parlamentarier pro Woche stellen und worum es da so geht.
Uns interessiert nur Frage 50: Der Abgeordnete Dr. Axel Trost (Die Linke) fragt, inwieweit „mit der Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen, z. B. auch Unfallkosten, abgegolten“ sind. Die Frage war naturgemäß länger, das ist nur der Kern.

Die Antwort von Dr. Michael Meister (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, war dann zumindest überraschend. Denn zwar sei mit der Entfernungspauschale alles abgegolten. Doch: „Aus Billigkeitsgründen wird es von der Verwaltung ausnahmsweise jedoch nicht beanstandet, wenn Aufwendungen für die Beseitigung eines Unfallschadens bei einem Verkehrsunfall neben der Entfernungspauschale – als Werbungskosten geltend gemacht werden.“ Zwar kommen dann noch ein paar Bedingungen, aber die sollten sowieso selbstverständlich sein: nicht unter Alkoholeinfluss, Fahrweg zwischen Wohnung und erster Arbeitsstätte, auf einem Umweg zum Tanken oder dem Abholen von Mitfahrern einer Fahrgemeinschaft. 

Tipp: Wer in diese missliche Situation kommen sollte – unbedingt alles gut dokumentieren und dann ab damit in die Steuererklärung. (Wenn es denn der Parlamentarische Staatssekretär sagt.)

Kleine Wendung der Geschichte

Wo ist denn das „Ohh!“ fragen Sie sich vielleicht, da sich der Text dem Ende zuneigt. Nun, ein Grund für die Einführung der „verkehrsmittelunabhängigen Entfernungspauschale“ im Jahr 2001 war – neben umwelt- und verkehrspolitischen Überlegungen – der Gedanke der Steuervereinfachung. Mit der Abgeltung „sämtlicher Aufwendungen“ sollten dann auch Rechtsstreitigkeiten, etwa wegen der Unfallkosten, vermieden werden. Ohh, sagen wir da, das ist ja eher nicht das, was in der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs steht.

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Doch… das ist sehr erfreulich. Das wusste ich nicht.

    Nur ich frage mich, welche Aufwendungen zur Beseitigung des Unfallschaden hierzu konkret gemeint sind? Sofern ich versichert bin, ersetzt mir die Versicherungsgesellschaft den Schaden.

    Mal angenommen: Ich verursache einen eigens verschuldeten Schaden. Ich bin vollkaskoversichert, habe jedoch eine Selbstbeteiligung von 500,–€. Kann ich diese 500,–€ von der Steuer absetzen?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Grundsätzlich stellen alle Kosten, die Sie selbst tragen (wie eine Selbstbeteiligung), wenn alle anderen Voraussetzungen vorliegen die Kosten, Werbungskosten dar.

  • Avatar Steffen Trenkler sagt:

    Ja können nun Rechtsstreitigkeitskosten bei einem Unfall als Werbungskosten abgesetzt werden oder nicht?

  • Jennifer Dittmann Jennifer Dittmann sagt:

    Ja, auch Kosten für einen Rechtsstreit bezüglich des beruflichen Unfalls können angesetzt werden.

  • Avatar Donovan Wüst sagt:

    Gilt das dann auch für Unfälle die während der Arbeitszeit auf dem Firmenparkplatz passieren?

  • Avatar Andrea Kulle sagt:

    Werden auch die Kosten bei einer Autopanne (Motorschaden + Reparatur) auf dem Weg zur Arbeit übernommen?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Antwort in der Drucksache geht nur auf Unfallkosten ein. Die Kosten für eine Panne dürften also nicht als Werbungskosten ansetzbar sein.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Antwort der Drucksache geht zwar nicht direkt darauf ein, aber das sollte so sein.

  • Avatar Hans-Jürgen Ketz sagt:

    Sehr v. Damen, sehr g. Herren, ich arbeite als Rentner zweimal in der Woche ( Minijob ) und die einfache Fahrt sind 16 km, kann ich diese
    16 km auch geldent machen ?
    mfg.

  • Franziska Zachert Franziska Zachert sagt:

    Sehr geehrter Herr Ketz,
    wenn es sich um einen Minijob handelt (Sie also nicht auf Lohnsteuerkarte arbeiten) können Sie die Kilometerpauschale (Werbungskosten) nicht erfassen, da die Einnahmen aus dem Minijob auch nicht in der Steuererklärung angegeben werden.


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