28.10.2016 · smart leben ·

Sparen oder freisetzen: Wie man mehr Geld für den Alltag rausholen kann, ohne spürbar zu verzichten

In unserem heutigen Gastbeitrag schreibt Franziska Luh, Gründerin von FinGym, der Plattform für finanzielle Fitness, über Tipps und Tricks für mehr Geld im Alltag und warum ihre Herangehensweise nicht „sparen“ sondern „Geld freisetzen“ heißt.

Sparen, das ist ein Thema, das einem jede Woche in der Presse und Blogs begegnet. Denn wenn man heute zu wenig hat, um den Alltag zu bestreiten und Rücklagen zu bilden, dann muss man wohl den Gürtel enger schnallen… und zwar an allen Ecken und Enden. Dass bei so einer Herangehensweise der innere Schweinehund öfter als man selbst siegt, ist eigentlich klar. Denn niemand verzichtet gern auf etwas Schönes. Aber das ist ja auch gar nicht nötig. Wir bei FinGym sind überzeugt davon, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, Geld freizusetzen, so dass es einem nicht wie ein Verzicht vorkommt.

Wie man an den falschen Stellen spart und natürlich wie es besser geht, erkläre ich in diesem Artikel.

Sparen ist schon als Begriff abschreckend
Heute ist Weltspartag. Dieser „Feiertag“ wurde in den 20ern erfunden und hatte – keine Überraschung – seine Blütezeit in den 50ern, wo die Deutschen gemeinsam ihr Land wiederaufbauten und individuelle Entfaltung noch nicht das Thema war. Mindestens so alt ist auch das Sprichwort: „Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“
Die Merkformel stimmt heute noch, aber erzeugt bei vielen ein leichtes Schaudern. Motiviert irgendjemanden eine Philosophie, die auf die Abwendung von Übel ausgerichtet ist, und nicht auf einen Vorteil, den man erlangen kann? Diese Angstorientierung ist in Deutschland leider gang und gäbe. Und um der Angst Herr zu werden, sollen wir verzichten.

Sinnlose Spartipps
Ich bekomme jeden Tag die neusten Nachrichten zum Suchbegriff „Sparen“. Was einem da manchmal begegnet, ist wirklich absurd. Viele Tippgeber sind der Meinung, dass man alles, was man einsparen kann auch einsparen sollte. Dabei kommen Vorschläge heraus, wie

  • Bleib zuhause, denn ausgehen ist teuer.
  • Schneide deine Haare selbst.
  • Bau deine eigenen Möbel.

Solche Vorschläge sind nicht nur nutzlos, sie erreichen im Zweifelsfall sogar das Gegenteil, dass der Mensch, der es jetzt endlich angehen und mehr Geld freischaufeln will, ganz schnell frustriert abbricht. Denn abgesehen davon, dass mein selbstgemachter Haarschnitt sich nicht von dem einer Fünfjährigen unterscheiden würde, ist die Herangehensweise falsch. Mein Friseurtermin alle 6 Wochen ist mir wichtig! Bevor Sie anfangen etwas wegzulassen, sollten Sie sich also erst einmal überlegen, was zu Ihrer Lebensqualität beiträgt.

Sinnvoll: Sich zunächst bewusst machen, was einem wichtig ist.

Wir bei FinGym machen das so. Wir empfehlen allen Menschen, für eine Zeit lang ihre Bar- und EC-Ausgaben zu erfassen, mindestens einen Monat lang, und zusammen mit allen Daueraufträgen und Einzugsermächtigungen eine Einnahmen –vs. Ausgabenerfassung zu machen. Wir erfassen alle Ausgaben in einzelnen Posten, denn im nächsten Schritt gehen wir noch einmal durch die Liste und geben jeder Ausgabe eine Bewertung für Lebensqualität. Die Frage ist also nicht, was geben Sie aus, sondern wofür geben Sie gern Geld aus und wofür nicht?

Geld freisetzen in drei Schritten
Wenn Sie wissen, was Ihnen wichtig ist, können Sie bewusst mehr oder weniger von diesen Dingen kaufen bzw. besitzen. Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, die sie Geld freisetzen lassen, ohne dass Ihnen etwas fehlt. Wir gehen in diesen drei Schritten vor:

1) Verschiebung von wenig zu mehr Lebensqualität
Wenn Sie wissen, was Ihnen nicht wichtig ist, können Sie hier optimieren. Seien Sie aber fair. Eine Versicherung macht Sie vielleicht nicht glücklich, aber wichtig kann sie schon sein. Wenn Ihnen aber der zweite Coffee-to-Go am Tag nicht so wichtig ist wie ein oder zwei Städtetrips im Jahr, können Sie sie gegeneinander austauschen. Wichtig ist, dass Sie es sich bewusst machen und vornehmen. Dann überlegen Sie sich noch eine Alternative für den Nachmittagskaffee, z.B. selbstmachen und stellen Sie ein Bild von der nächsten Metropole, die Sie bereisen wollen, auf den Schreibtisch. Das ist einfach, aber effizient! Wenn Ihnen dagegen der Moment mit dem Coffee-to-Go um 16 Uhr einen riesigen Motivationsschub für den Rest des Tages gibt, lassen Sie ihn nicht weg. Sie finden etwas anderes. Jeder Mensch sollte nach persönlicher Wichtigkeit individuell entscheiden, was er verringern oder verstärken will. So entsteht mehr Lebensqualität ohne das Gefühl von Verzicht!

2) Ungenutztes weglassen
Ein zweiter toller Effekt von einer detaillierten  Budgetübersicht ist, dass Sie über Dinge stolpern werden, die Sie nicht mehr auf dem Schirm hatten. Oder Dienstleistungen, die Sie doppelt beziehen. Gehen Sie wirklich ins Fitnessstudio? Die Statistik sagt, nur 50% der angemeldeten Fitnessstudio Mitglieder gehen auch wirklich hin. Lesen Sie die Zeitschriften im Abo wirklich? Haben Sie mit Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin vielleicht jeweils einen Musik- oder Film Streaming Dienst abonniert? Bei den meisten Anbietern können sich alle Parteien in einem Haushalt einen Zugang teilen. Haben Sie mal eine Domain gesichert, die Sie jetzt aber nicht nutzen? Wenn wir das in unserem Budgetoptimierungskurs machen, „finden“ die Teilnehmer locker mal 100 – 200€ jährlich nur im  „Ungenutzten“.

3) Bessere Deals finden
Eine dritte gute Möglichkeit, um Geld freizusetzen, ist ein besserer Deal. Oft ist es der alte Vertrag, den es jetzt günstiger gibt, wenn Sie einfach fragen. Typische Beispiele sind Telefonverträge, Strom und Gas. Aber Sie können an vielen Stellen verhandeln. Unser wettbewerbsgeprägter Markt führt dazu, dass Ihr aktueller Anbieter fast immer versuchen wird, Ihnen ein Angebot zu machen. Ein besserer Deal kann aber auch bedeuten, dass Sie das gleiche Ergebnis durch ein anderes Angebot bekommen. In Großstädten ist es zum Beispiel kaum noch nötig zwei Autos im Haushalt zu haben. Öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing sind weitgehend verfügbar und wesentlich weniger anstrengend als Autofahren im Berufsverkehr. Aber auch hier gilt: Wenn Sie es hassen, in der Bahn zu sitzen, ist es vielleicht nicht Ihr Deal. Probieren Sie es einfach mal aus.

Zuletzt sind wir bei FinGym auch Fans von Vereinfachung. Weniger Klamotten, weniger Schnickschnack, weniger aber besseres Fleisch usw. Wir kombinieren Aldi mit dem lokalen Fleischer. Wir verkaufen unsere gut erhaltenden Möbel vom Dachboden. Aber das ist Geschmackssache.

Was hier hängen bleiben sollte: Machen Sie sich bewusst, was Sie haben, was Sie ausgeben und was Ihnen davon wirklich wichtig ist. Dann optimieren Sie in den genannten drei Schritten so, dass es sich gut anfühlt. So ist es kein Sparen mehr, sondern eben „freisetzen“ – für Ihre nächsten Wünsche und Ziele und idealerweise auch etwas für die Vorsorge. 

Und wo der Weltspartag sich laut Wikipedia mittlerweile auch eher zum Tag für finanzielle Bildung und Finanzerziehung entwickelt hat, empfehle ich eine Umbenennung zum Welt-Finanzfitness-Tag und finanzielle Optimierung als Teil deines Trainings. Schönes Freisetzen!

Franziska Luh, Gründerin von FinGym

Franziska Luh, Gründerin von FinGym

FinGym ist die unabhängige Plattform für finanzielle Fitness und macht Sie fit für das Management Ihrer eigenen Finanzen. Durch motivierendes Coaching und einfache Tools. Durch eine Kombination aus Wissen, Verhalten (Routineaufbau) und Motivation (sichtbare Fortschritte und mehr Lebensqualität) will FinGym einen ganz einfachen Zugang schaffen. Gleichzeitig bedient sich die Plattform an der Analogie des Fitness Trainings, da das jeder versteht.

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