Steuertipps – Steuererklärungspflicht für Arbeitnehmer

Wer muss eigentlich eine Steuererklärung abgeben? Diese Frage stellt sich vielen Arbeitnehmern noch vor dem Ausfüllen der ersten Formulare. Wir zeigen, in welchen Fällen Sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen.

In Deutschland lebende Personen müssen grundsätzlich nur dann eine Steuererklärung für das abgelaufene Jahr 2011 einreichen, wenn ihre Einkünfte mehr als 8.004 € betragen haben und darin keine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Arbeitslohn) enthalten sind, von denen Steuern abgezogen worden sind. Bei (nicht dauernd getrennt lebenden) Ehepaaren verdoppelt sich diese Einkünftegrenze auf 16.009 € für das Jahr 2011.

Wichtig: Die Grenze von 8.004 € bzw. 16.009 € entspricht dem Grundfreibetrag. Einkünfte bis zu dieser Höhe werden generell steuerfrei gestellt, deshalb besteht auch keine Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung, sofern die Einkünfte den Grundfreibetrag nicht übersteigen.

Die große Mehrheit der Steuerzahler erzielt Einkünfte aus einem Arbeits- bzw. Angestelltenverhältnis. Die Pflichten zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung sind in diesem Bereich recht kompliziert geregelt. Vereinfacht dargestellt, besteht für Arbeitnehmer insbesondere in folgenden Fällen eine Abgabepflicht (vgl. § 46 EStG):

  • Die (positiven) anderen Einkünfte, die nicht dem Steuerabzug unterlegen haben, betragen mehr als 410 € (z. B. Arbeitnehmer mit gewerblicher Nebentätigkeit).

  • Sie haben als Arbeitnehmer im Kalenderjahr von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig Arbeitslohn bezogen (z. B. Lohnsteuerklasse I und VI).

  • Bei Ehepaaren haben beide jeweils Arbeitslohn bezogen und einer von beiden wurde nach der Steuerklasse V oder VI besteuert oder bei Steuerklasse IV ist der Faktor eingetragen worden.

  • Ihnen wurde ein Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen, z. B. wegen der Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle (Entfernungspauschale), und der im Kalenderjahr insgesamt erzielte Arbeitslohn übersteigt 10.200 € (bei Ehepaaren 19.400 €). Wichtig: Auf der Lohnsteuerkarte eingetragene Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene und Kinderfreibeträge lösen insoweit keine Abgabepflicht aus.

  • Sie haben im Laufe des Jahres Lohn-/Entgeltersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, von mehr als 410 € erhalten. Hierzu gehören insbesondere Krankengeld, Elterngeld, Arbeitslosengeld und Mutterschaftsgeld.

  • Sie haben im Laufe des Jahres von Ihrem (früheren) Arbeitgeber Entschädigungen oder Arbeitslohn für mehrere Jahre erhalten, die im Lohnsteuerabzugsverfahren ermäßigt besteuert worden sind.

  • Geschiedene oder dauernd getrennt lebende Eltern (oder bei Eltern nicht ehelicher Kinder beide Elternteile) haben eine Aufteilung des „Ausbildungsfreibetrags“ oder des Behinderten-Pauschbetrags in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte beantragt.

  • Ihr Arbeitgeber hat die Lohnsteuer für einen sonstigen Bezug berechnet und dabei den Arbeitslohn aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres nicht berücksichtigt, z. B. weil Sie ihm die Lohnsteuerbescheinigung des früheren Arbeitgebers nicht vorgelegt haben. Wichtig: Zu den sonstigen Bezügen gehören insbesondere einmalige Arbeitslohnzahlungen, die neben dem laufenden Arbeitslohn gezahlt werden, beispielsweise 13. und 14. Monatsgehälter, Gratifikationen und Tantiemen, Jubiläumszuwendungen, Weihnachtszuwendungen und Urlaubsgelder. Eine solche Versteuerung wird dann in Ihrem Lohnkonto mit dem Großbuchstaben S vermerkt.

  • Ihre Ehe wurde im Laufe des Veranlagungszeitraums durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst und Sie oder Ihr(e) „Ex“ haben in diesem Zeitraum wieder geheiratet.

Hinweis: Wann eine Steuerrückerstattung zu erwarten ist, lässt sich aufgrund des komplizierten deutschen Steuerrechts meist nur einzelfallabhängig beurteilen. Die Statistik spricht aber für sich: Im Jahr 2006 konnten sich beispielsweise 88 % der Arbeitnehmer über eine Steuererstattung freuen. Das Statistische Bundesamt (Destatis) ermittelt und veröffentlicht solche Zahlen regelmäßig; siehe zuletzt Pressemitteilung Nr. 424 vom 18.11.2010. Grundlage sind die Ergebnisse der Einkommensteuerstatistik 2006, die wegen der Abgabefristen der Einkommensteuererklärungen erst im November 2010 berechnet werden konnten. Bei Arbeitnehmern, die außer Gehalt/Lohn und Kapitaleinkünften keine anderen Einkünfte (z. B. aus Vermietung und Verpachtung) erzielt haben, lag die durchschnittliche Steuererstattung immerhin bei 823 €.

Insgesamt erhielten 11,9 Mio. Arbeitnehmer eine Steuererstattung, 1,1 Mio. mussten Steuern nachzahlen und bei 506.000 Arbeitnehmern hielten sich die vorab gezahlte Lohnsteuer und die festgesetzte Einkommensteuer die Waage.

Vgl. auch unseren Steuertipp „Freiwillige Einkommensteuererklärung“!

Fundstelle: § 46 EStG