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Fitnessstudio

Inhaltverzeichnis

1 Leistungen eines Fitnessstudios
2 Ertragsteuerrechtliche Behandlung
2.1 Gewerbliche Tätigkeit
2.2 Freiberufliche Tätigkeit
3 Fitness-Studios gemeinnütziger Sportvereine
4 Umsatzsteuerrechtliche Behandlung
4.1 Leistungen gegen Pauschalentgelt
4.2 Saunabäder
4.3 Schwimmbäder
5 Verwandte Lexikonartikel

1. Leistungen eines Fitnessstudios

Zu den Leistungen eines Fitnessstudios gehören

  • das eigentliche Fitnesstraining und/oder

  • ein Saunabetrieb.

Dazu gehören weiterhin eventuell Leistungen

  • aus der Zurverfügungstellung von Schwimmbädern und Solarien sowie

  • aus dem Verkauf bestimmter Präparate.

2. Ertragsteuerrechtliche Behandlung

2.1. Gewerbliche Tätigkeit

Nach dem BFH-Urteil vom 13.1.1994 (IV R 79/92, BStBl II 1994, 362) stellt der Betrieb eines Fitnessstudios keine unterrichtende Tätigkeit dar, wenn sich die persönliche Betreuung der Kunden im Wesentlichen auf die bloße Einweisung in die Handhabung der Geräte und die Überwachung des Trainings in Einzelfällen beschränkt (H 15.6 [Abgrenzung selbstständige Arbeit/Gewerbebetrieb; b) Beispiele für Gewerbebetrieb] EStH). Steht somit das Zurverfügungstellen der Geräte im Vordergrund, handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit (§ 15 Abs. 2 EStG). Das FG Nürnberg vertritt die Auffassung (rkr. Urteil vom 9.5.1989, II 167/83, EFG 1989, 543), dass im Allgemeinen dem Kunden eines Fitnessstudios mehr an der ständigen Nutzung der Geräte und sonstigen Einrichtungen liege, als an einer mehr oder weniger intensiven Unterrichtung durch den Betreiber, und dass ein solches Unternehmen daher generell als Gewerbebetrieb anzusehen sei. In Fortführung des Urteils vom 13.1.1994 (IV R 79/92, BStBl II 1994, 362) hat der BFH mit Urteil vom 18.4.1996 (IV R 35/95, BStBl II 1996, 573) entschieden, dass ein Bodybuildingstudio einen Gewerbebetrieb darstellt, wenn die unterrichtende Tätigkeit lediglich die Anfangsphase der angebotenen Kurse prägt und im Übrigen den Kunden die Trainingsmaschinen zur freien Verfügung stehen (→ Lehrtätigkeit und Unterrichtsvergütung).

2.2. Freiberufliche Tätigkeit

Die Frage, ob das Betreiben eines Fitnessstudios als freiberuflich oder als gewerblich anzusehen ist, lässt sich nicht für alle in Betracht kommenden Unternehmen einheitlich beantworten. Es sind somit Fälle denkbar, in denen die persönliche Begleitung des Trainings durch den Studioinhaber einen Umfang annimmt, der die Maschinen lediglich als Mittel zum Erteilen von Sportunterricht erscheinen lässt. Das kann dann der Fall sein, wenn der Studioinhaber für jeden Kursteilnehmer ein individuelles Trainingsprogramm entwirft, dieses mit dem Teilnehmer bespricht, die zu trainierenden Muskeln und Muskelgruppen erklärt, Anleitungen zur richtigen Körperhaltung bei den Übungen gibt, das Training während der gesamten Vertragsdauer überwacht und durch kritische Äußerungen und Anregungen begleitet sowie nötigenfalls Übungen ändert (BFH Urteil vom 13.1.1994, IV R 79/92, BStBl II 1994, 362). Für die Annahme einer freiberuflichen Tätigkeit ist es erforderlich, dass der Kursteilnehmer – von einzelnen Übungsphasen abgesehen – nicht sich selbst überlassen wird, sondern die unterrichtende Tätigkeit bis zum Schluss dadurch prägend bleibt, dass der Lernende weiterhin durch den Unterrichtenden angeleitet wird. Die für diese Anleitung notwendige persönliche Beziehung zwischen Unterrichtendem und Unterrichtetem muss also für die gesamte Vertragsdauer bestehen. Auch reicht es nicht aus, dass diese Merkmale nur für einzelne Kunden erfüllt sind, während den übrigen Kunden die Übungsgeräte nach einer Anfangsphase ohne jede weitere Anleitung zur freien Benutzung überlassen werden (BFH Urteil vom 18.4.1996, IV R 35/95, BStBl II 1996, 573).

Unterrichtung ist die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Handlungsweisen und Einstellungen durch Lehrer an Schüler in organisierter und institutionalisierter Form. Steuerlich wird jede Art von unterrichtender Tätigkeit zu den freien Berufen gerechnet, insbesondere auch der Unterricht in Sport und Gymnastik. Beschränkt sich die Tätigkeit allerdings nicht auf das Vermitteln von Fertigkeiten, sondern werden im Zusammenhang mit der Unterrichtstätigkeit auch noch andere Leistungen angeboten, so kann je nach Art und Umfang dieser anderen Leistungen insgesamt eine gewerbliche Betätigung vorliegen.

Das BMF-Schreiben vom 22.10.2004 (BStBl I 2004, 1030) behandelt die Einordnung der Einkünfte aus der Tätigkeit im Rahmen eines Heil- oder Heilhilfsberufs als Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit oder als Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Das BMF weist darauf hin, dass Krankengymnasten in ihren Praxen Fitnessgeräte zur Nutzung im Rahmen des sog. »medizinischen Gerätetrainings« (MGT) anbieten. Beim MGT handelt es sich regelmäßig um eine reine Präventivmaßnahme im Anschluss an eine ärztlich verordnete Maßnahme. Eine ärztliche Verordnung liegt beim MGT regelmäßig nicht vor. Die Krankengymnasten treten insoweit in Wettbewerb zu den Betreibern gewerblicher Fitnessstudios. Soweit Krankengymnasten MGT anbieten, handelt es sich nicht mehr um eine heilberufliche Tätigkeit i.S.d. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Aus dem MGT erzielen die Krankengymnasten vielmehr gewerbliche Einkünfte. Dies gilt auch dann, wenn – ausnahmsweise – für ein MGT eine ärztliche Verordnung vorliegen sollte. S.a. OFD Frankfurt vom 2.4.2015 (S 2245 A – 11 – St 210, DStR 2015, 1175 zur ertragsteuerlichen Behandlung des MGT (s.a. → Einkünfte aus Gewerbebetrieb und → Einkünfte aus selbstständiger Arbeit).

3. Fitness-Studios gemeinnütziger Sportvereine

Sportvereine können mit dem Betrieb eines Fitness-Studios einen → Zweckbetrieb unterhalten (Bayerisches LfSt vom 9.5.2008, S–0186a.2.1-1, LEXinform 5231446). Wenn die Benutzer der Räume und Geräte beim Training von einem Übungsleiter betreut werden, ist der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb als sportliche Veranstaltung i.S.d. § 67a AO anzusehen. Werden nur Räume und Sportgeräte ohne qualifizierte Betreuung durch den Verein überlassen, liegt nach der Regelung im AEAO zu § 67a Nr. 12 insoweit ein Zweckbetrieb i.S.d. § 65 AO vor, als Mieter Mitglieder des Sportvereins sind (s.a. OFD Frankfurt vom 21.5.2008, S 0186 a A – 11 – St 53).

4. Umsatzsteuerrechtliche Behandlung

4.1. Leistungen gegen Pauschalentgelt

Die Vfg. der OFD Saarbrücken vom 20.1.1989 (S 7253 – 1 – St 241, UR 1989, 226) nimmt zur Besteuerung der verschiedenartigen von Fitnessstudios erbrachten Leistungen (Schwimmbad, Nahrung, Massage, Solarium, Saunabäder) Stellung.

Der Betreiber eines Sport- und Freizeitzentrums, der seine Einrichtungen und Leistungen sog. Clubmitgliedern gegen ein monatliches Pauschalentgelt – unabhängig von der tatsächlichen Inanspruchnahme – zur Verfügung stellt (Mitgliedsbeitrag), verabreicht keine Heilbäder und erbringt keine unmittelbar mit dem Betrieb eines Schwimmbads verbundenen Umsätze, wenn zu der Anlage außer einem Schwimmbad und einer Sauna noch weitere nicht von § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG erfasste Einrichtungen (Fitness- und Gymnastikräume) gehören. Diese eigenständige Leistung fällt unter keine Begünstigungsvorschrift (BFH Urteil vom 8.9.1994, V R 88/92, BStBl II 1994, 959). Der ermäßigte Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 9 Satz 1 UStG kann keine Anwendung finden, weil in einem Fitnessstudio regelmäßig keine unmittelbar mit dem Betrieb der Schwimmbäder verbundenen Umsätze und keine Umsätze durch die Verabreichung von Heilbädern ausgeführt werden. Unternehmensgegenstand des Studiobetreibers ist kein Leistungsbündel aus begünstigten und nicht begünstigten Leistungen, sondern nur eine Leistung besonderer Art, die nicht unter die vorbezeichnete Begünstigungsvorschrift fällt (Abschn. 12.11 Abs. 1 Satz 5 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 12.4.2017, BStBl I 2017, 710; s.a. → Schwimm- und Heilbäder).

Umsatzsteuerrechtlich ist eine einheitliche, nicht aufteilbare Leistung anzunehmen, wenn deren einzelne Faktoren so ineinandergreifen, dass sie bei natürlicher Betrachtung hinter dem Ganzen zurücktreten. Hingegen lässt sich ein auf einem Gesamtvertrag beruhendes Leistungsverhältnis umsatzsteuerrechtlich aufteilen, wenn hierin mehrere ihrem wirtschaftlichen Gehalt nach selbständige und voneinander unabhängige Einzelleistungen zusammengefasst sind. Eine einheitliche, nicht aufteilbare Leistung kann nicht schon aufgrund der Erwägung bejaht werden, dass sie auf einem einheitlichen Vertrag beruht und gegen ein einheitliches Entgelt erfolgt. Entscheidend ist vielmehr der wirtschaftliche Gehalt der erbrachten Leistungen. Der wirtschaftliche Gehalt der Leistungen des Studiobetreibers an die Mitglieder besteht regelmäßig in der Bereitstellung der Einrichtungen und Leistungen zur Nutzung während der Öffnungszeiten des »Clubs« Ein zusätzliches Nutzungsentgelt für die Nutzung nur ganz spezieller Leistungen ist nicht zu entrichten (s.a. BMF vom 12.4.2017, BStBl I 2017, 710).

4.2. Saunabäder

Ab dem 1.7.2015 sind Saunabäder nicht mehr nach § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG begünstigt. Das gilt auch dann, wenn die Sauna auch Nichtmitgliedern zur Verfügung steht bzw. das Entgelt für die Benutzung nicht bereits durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten ist.

Für nach dem 30.6.2015 ausgeführte Umsätze ist für die Frage, ob die Verabreichung eines Heilbads nach § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG begünstigt ist, die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Heilmittel-Richtlinie/HeilM-RL in der jeweils geltenden Fassung) in Verbindung mit dem sog. Heilmittelkatalog maßgeblich (s.a. Abschn. 12.11 Abs. 3 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 28.10.2014, BStBl I 2014, 1439). Entscheidend ist, dass die Verabreichung des Heilbads nach diesen Vorschriften als Heilmittel verordnungsfähig ist, unabhängig davon, ob eine ärztliche Verordnung tatsächlich vorliegt. Nicht verordnungsfähig und somit keine Heilbäder i.S.d. § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG sind nach § 5 der Heilmittel-Richtlinie u.a. folgende in der Anlage zu der Richtlinie aufgeführte Maßnahmen, wie z.B. Saunabäder (Abschn. 12.11 Abs. 3 Satz 6 Nr. 2 Buchst. c UStAE). Zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Saunaleistungen s.a. die Vfg. der OFD Niedersachsen vom 8.5.2017 (S 7243 – 12 – St 184, UR 18/2017, 726).

4.3. Schwimmbäder

Die Steuerermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG scheidet aus, wenn die Überlassung des Schwimmbads mit weiteren, nicht begünstigten Einrichtungen im Rahmen einer eigenständigen Leistung besonderer Art erfolgt (vgl. BMF-Schreiben vom 12.4.2017, BStBl I 2017, 710 und BFH Urteil vom 8.9.1994, V R 88/92, BStBl II 1994, 959; Abschn. 12.11 Abs. 1 Satz 5 UStAE).

Unterhält der Club auch ein Schwimmbad, so kommt die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes gem. § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG nur dann in Betracht, wenn für die Benutzung ein besonderes Entgelt zu entrichten ist. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Schwimmbad auch Nichtmitgliedern zur Verfügung steht bzw. das Entgelt für die Benutzung nicht bereits durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten ist.

Nach Abschn. 12.11 Abs. 1 Sätze 2 bis 4 UStAE i.d.F. des BMF-Schreibens vom 7.7.2015 (BStBl I 2015, 562) muss ein Schwimmbad i.S.d. § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG dazu bestimmt und geeignet sein, eine Gelegenheit zum Schwimmen zu bieten. Dies setzt voraus, dass insbesondere die Wassertiefe und die Größe des Beckens das Schwimmen oder andere sportliche Betätigungen ermöglichen (vgl. BFH Urteil vom 28.8.2014, V R 24/13, BStBl II 2015, 194). Die sportliche Betätigung muss nicht auf einem bestimmten Niveau oder in einer bestimmten Art und Weise, etwa regelmäßig oder organisiert oder im Hinblick auf die Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen, ausgeübt werden. Weitere Erläuterungen s. unter → Schwimm- und Heilbäder.

5. Verwandte Lexikonartikel

Lehrtätigkeit und Unterrichtsvergütung

Steuerfreie Einnahmen nach dem EStG, ABC-Form

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Sachbezüge

Einkünfte aus selbstständiger Arbeit

Schwimm- und Heilbäder

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

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